Zumindest bei der Abgabe des Angebots für den "Jahrhundertauftrag" ist der europäische Luft- und Raumfahrtkonzern EADS Erster: Seit Jahren ringen EADS und US-Rivale Boeing um einen Zuschlag für 534 US-Tankflugzeuge im Wert von 100 Milliarden Dollar. Gewinnen die Europäer, hätten sie einen Fuß im US-Rüstungsmarkt, der als der weltweit lukrativste gilt. Das will Boeing verhindern, weil es über bislang exklusive Rüstungsaufträge gesponsert wird und EADS nicht an die Fleischtöpfe lassen will.
Allein in einer ersten Tranche geht es um 179 Flugzeuge im Wert von 35 Milliarden Dollar. Es ist der dritte Anlauf zur Ausschreibung. Einmal ging Boeing als vermeintlicher Sieger durchs Ziel, dann Airbus. Beide Male wurde alles wegen Unregelmäßigkeiten bei der Auftragsvergabe verworfen. Auch die jetzige Runde drohte zur Farce zu geraten, als US-Hauptanbieter Northrop Grummon und Partner EADS im März das Handtuch warfen, weil die Ausschreibung offensichtlich auf Boeing zugeschnitten wurde.
Nun aber fühlt sich die nordamerikanische EADS-Tochter, die als Hauptanbieter fungiert, gerüstet. "Unseres ist das einzige in dieser Ausschreibung angebotene Flugzeug, das bereits fliegt und die gesamte Palette von Empfängerflugzeugen betankt", sagt der US-Chef der EADS, Ralph Crosby. Bei vier Ausschreibungen in Australien, Saudi-Arabien, Großbritannien und den Vereinigten Arabischen Emiraten hatte sich der Airbus-Tanker KC-45 gegen die Boeing 767 durchgesetzt.
Die KC-45 kommt pro Stück und in der Wartung teurer als die 767. Sie kann aber auch mehr Treibstoff, Fracht und Passagiere aufnehmen sowie größere Distanzen fliegen.
Mitentscheiden wird die US-Politik, und der liefert EADS zusätzliche Argumente. Zum Bau der Tanker plant sie ein Werk im US-Bundesstaat Alabama, in dem auch zivile Airbus-Frachtflugzeuge gebaut würden. 200 US-Zulieferer eingerechnet sichere das Programm bei einem Zuschlag für EADS in den USA 48000 Jobs.
In das Rennen um die Macht am Himmel hat sich aber noch ein Anbieter eingeschaltet, und zwar der kleine US-Konzern US Aerospace mit dem großen ukrainischen Partner Antonow. Ob Antonow technologisch gegen die westliche Konkurrenz mithalten kann, ist offen. "Ein Sonntagsmärchen", urteilt ein Branchenkenner. Andere glauben, dass die US-ukrainische Allianz für eine Überraschung gut ist.
Gleichwie: Skeptiker sprechen von einer neuerlichen Scheinausschreibung, deren Sieger mit Boeing schon feststehe. Die EADS-Offerte werde als Feigenblatt missbraucht, um dem Vorwurf zu entgehen, die USA würden den freien Wettbewerb behindern. Wie fair geht es aber wirklich zu? Parallel zur Auftragsvergabe für die Tanker streiten sich USA und EU vor der Welthandelsorganisation (WTO) wegen illegaler Subventionen ihrer Luftfahrtindustrien.
In der Klage gegen die EU hat die WTO soeben EU-Beihilfen für illegal erklärt, was Airbus zum bösen Buben macht. Die EU-Klage gegen Boeing, die zu einem ähnlichen Urteil kommen dürfte, sollte nächste Woche entschieden werden. Nun verzögert sich der Spruch bis September. Das hinterlasse ein schiefes Bild, kritisiert die EU. Denn bis dahin könnte der Tankerauftrag entschieden sein.
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