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Aus für die Legehennenbatterie: Das DE-Ei

Heimische Bauern rüsten um. Die Legehennenbatterie ist vom 1. Januar an Geschichte. Deutschland agiert damit als Vorreiter und der Bauernverband empfiehlt: Verbraucher sollten nun mehr auf die Länderkennung achten. Von Stephan Börnecke

Ein deutsches Ei, eines von zehn Milliarden pro Jahr gelegten.
Ein deutsches Ei, eines von zehn Milliarden pro Jahr gelegten.
Foto: ddp

Deutsche, kauft deutsche Eier, sagt, sinngemäß, Bauernpräsident Gerd Sonnleitner. Und er empfiehlt den Verbrauchern, nicht nur auf die Ziffern auf dem Ei zu achten, von "0" für Öko bis "3" für Käfig, sondern auch auf die in Buchstaben aufgedruckte Länderkennung. DE steht für Deutschland.

Warum dieser Appell? Immerhin beglückt die deutsche Nahrungsmittelindustrie die ganze Welt, wieso sollen wir dann nicht auch ein Ei aus Frankreich oder Polen futtern? Na? Weil deutsche Eierfabrikanten einen Wettbewerbsnachteil haben, sagt der Bauernverband.

Denn deutsche Eier kommen vom 1. Januar an nicht mehr aus der tierfeindlichen Legehennenbatterie. Der (alte) Käfig flog auf den Schrotthaufen, während andere EU-Länder die Gitterkonstruktion erst in zwei Jahren abschaffen müssen. Um die 500 Millionen Euro sollen deutsche Eiererzeuger in neue Anlagen (laut Agrarministerium meistens als Bodenhaltung) gesteckt haben, während die Mitbewerber noch die billigen Batterien betreiben.

Damit Deutschland seine Vorreiterrolle nicht teuer bezahlen muss, sollten die Verbraucher mehr als bisher auf den Stempel achten und zum DE-Ei greifen - um die Halter zu belohnen. Wofür? Vorreiter war Deutschland ohnehin nicht, das waren die Schweizer, gefolgt von den Österreichern, wo es den engen Käfig längst nicht mehr gibt. Außerdem stammt nur jedes zweite in Deutschland konsumierte Ei aus heimischen Ställen.

Hinzu kommt: Auf Druck der Tierlobby hat der Einzelhandel, ob Edeka, Aldi, Lidl oder Tengelmann, das Käfig-Ei längst aus dem Regal genommen. Dort gibt es meist nur noch frische Eier aus Boden-, Freiland- oder Öko-Haltung, Märkte wie Aldi-Nord und Tegut haben Käfig-Produkte sogar seit Jahren ausgelistet.

Bleibt ein Problem, aus dem in der Folge ein zweites entsteht: Denn nur die Hälfte der Eier wird als Frischware verkauft, die andere Hälfte mixt die Industrie in Lebensmittel. Dort wird das Käfig-Ei weiter verbacken, nicht nur ausländische, sondern auch deutsche Ware. Denn, Problem Nummer zwei: Auch künftig ist der Käfig erlaubt. In der EU als "ausgestalteter" Käfig, in Deutschland in Zukunft als Kleinvoliere oder Kleingruppenhaltung. Doch auch die Voliere, sagt der Tierschutzbund, ist ein Käfig. Der ist zwar größer, er bietet je Henne 40 bis 60 Prozent mehr Platz, hat Sitzstangen, abgedunkelte Bereiche zur Eiablage und vereint mehr Hennen. Doch die Vorstellung, Hühner könnten sich dort im Staub wälzen, mit den Flügeln schlagen und um die Wette rennen, die ist fern der Realität. Weshalb es auch bei der "3" auf dem Ei bleibt.

Freilich: Auch andere Haltungsformen, ob im Freiland oder im Großstall, sind nicht frei von Mängeln. In manchen Systemen drängeln sich die Gruppen auf kleinem Raum, die Tiere wagen keinen echten Ausgang, weil etwa Schutz gebende Hecken oder Bäume fehlen, andere Haltungen verzeichnen hohe Ausfallraten, manche sind nicht frei von hygienischen Problemen. Da wird immer noch sehr viel ausprobiert und experimentiert.

Das ist gut so, und es geht auch nicht anders: Denn die 214 Eier, die der Bundesbürger im Schnitt pro Jahr verputzt (Tendenz: steigend), erfordern eine Massenproduktion. Diese Menge lässt sich nun mal nicht in der - auf dem Karton suggerierten - Idylle eines kleinen Bauernhofs erzeugen.

Autor:  Stephan Börnecke
Datum:  30 | 12 | 2009
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