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DGB-Studie: Ausbeutung statt Ausbildung

Zu viele Überstunden, fachfremde Arbeiten. Jeder dritte Lehrling ist laut dem Ausbildungsreport 2010 unzufrieden.

        

Besenreine Baustelle, aber keine astreine Ausbildung.
Besenreine Baustelle, aber keine astreine Ausbildung.
Foto: imago
Berlin –  

Zu viele Überstunden, schlechte Anleitung durch Vorgesetzte, fachfremde Arbeiten und geringe Bezahlung – so zeichnet der Ausbildungsreport 2010 des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) den Alltag vieler Lehrlinge. Ein angehender Maurer, der sich im dritten Lehrjahr befindet, schildert im Rahmen des Berichts zum Beispiel: „Entweder schrubben wir Lehrlinge den Hof, machen Gartenarbeiten oder schippen Schnee.“ Erst einmal habe er während seiner Ausbildung auch gemauert.

Laut Umfrage beileibe kein Einzelfall – jeder zehnte Azubi klagt darüber, dass häufig oder gar täglich solche fachfremden Arbeiten erledigt werden müssen. Besonders oft betroffen seien davon Friseure und Kfz-Mechaniker, bei denen fast jeder dritte beziehungsweise jeder Vierte Arbeiten verrichten muss, die nichts mit dem Beruf zu tun haben.

Auch in anderen Branchen werden Azubis gern als günstige Arbeitskräfte genutzt. Insgesamt gaben 40,2 Prozent aller befragten Auszubildenden an, regelmäßig Überstunden zu leisten. 2009 waren es 42 Prozent gewesen. Köche in Ausbildung müssen durchschnittlich zehn Überstunden pro Woche ableisten, Hotel- und Restaurantfachleute mehr als acht Stunden. DGB-Vizechefin Ingrid Sehrbrock kommentierte das bei der Vorstellung der Umfrage so: „In manchen Branchen muss man eher von Ausbeutung als von Ausbildung sprechen.“

Der deutsche Hotel und Gaststättenverband wies die Vorwürfe aber zurück: „Viele Bewerber informieren sich im Voraus nicht richtig und gehen mit falschen Erwartungen in die Ausbildung“, sagte eine Verbandssprecherin. Die Branche verlange eine hohe Belastbarkeit und viel Motivation.

Branchenübergreifend klagen besonders Azubis in Firmen mit weniger als fünf Mitarbeitern über Probleme. Überdurchschnittlich häufig fehle es an Ausbildern – und je kleiner der Betrieb, umso öfter müssten Überstunden geleistet werden.

Gewerkschaftsbund fordert unangemeldete Kontrollen in den Betrieben

Im Durchschnitt verdienen die Auszubildenden laut der Studie 577,31 Euro. Es klafft aber eine deutliche Gehaltslücke zwischen den Geschlechtern: 601 Euro werden in männlich dominierten Berufen verdient, in weiblich dominierten sind es nur 489 Euro. Auch bekommen Lehrlinge in solchen Branchen im Schnitt zwei Urlaubstage weniger als in „männlichen“ Berufen.

Viele Jugendliche steuern nach eigenen Angaben in eine ungewisse Zukunft: Im dritten Lehrjahr weiß nur jeder Fünfte, ob er in seinem Ausbildungsbetrieb auch übernommen wird. DGB-Bundesjugendsekretär René Rudolf wäre es aber am liebsten, „wenn die jungen Menschen schon zu Beginn wissen, ob sie bei erfolgreicher Ausbildung übernommen werden“. Durch die schlechte Übernahmesituation seien junge Menschen mehr denn je von prekärer Beschäftigung bedroht.

Schon heute arbeiten nach DGB-Angaben nur noch 1,2 Millionen in normalen Arbeitsverhältnissen, das sind 400 000 weniger als vor zehn Jahren. Rund 1,5 Millionen 20- bis 29-Jährige haben keinen Berufsabschluss. Trotz der Situation am Arbeitsmarkt bricht laut Berufsbildungsbericht immer noch jeder fünfte seine Ausbildung ab.

Sehrbrock fordert die Kammern und die Gewerbeaufsicht zum Handeln auf: Unangemeldete Kontrollen seien Pflicht, um die Probleme in den Ausbildungsbetrieben zu beseitigen. „Notfalls muss man auch darüber nachdenken, diesen Betrieben die Ausbildungsberechtigung zu entziehen.“ Die Handelskammern stecken aber in einer Zwickmühle. Unter vorgehaltener Hand heißt es: „Wenn wir für mehr Ausbildungsplätze werben sollen, sind Kontrollen eher störend.“ Außerdem fehle es an Personal, um die Aufsicht zu verstärken.

Autor:  Franz Nestler und Christian Schwinghammer
Datum:  1 | 9 | 2010
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