Berlin. Die führenden deutschen Konzerne leisten immer weniger für den Nachwuchs. Schon vor dem konjunkturellen Einsturz haben sie ihre Ausbildungsanstrengungen noch einmal heruntergefahren. Dies geht aus einer Umfrage der grünen Bundestagsfraktion bei den 30 Konzernen aus dem Deutschen Aktienindex (Dax) hervor, die der Frankfurter Rundschau vorliegt. Bei diesen Unternehmen kommt auf 20 Vollzeitbeschäftigte nur noch ein Lehrling, während in der gesamten Wirtschaft jeder 15. ein Auszubildener ist. Dies spiegelt die Ausbildungsquote wider. Sie sank bei den Dax-Konzernen im vergangenen Jahr noch einmal von 5,2 Prozent auf 5,1 Prozent und erntfernte sich weiter vom gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt. Dieser liegt bei 6,5 Prozent.
"Jetzt in der Krise sind vor allem die Jugendlichen die Leidtragenden", kommentiert die grüne Bildungsexpertin Priska Hinz die Ergebnisse. Schon jetzt warteten über 300 000 Altbewerber auf einen Ausbildungsplatz. "Mit Schuld daran sind die größten Unternehmen. Denn sie haben selbst in Zeiten einer boomenden Konjunktur viel zu wenig ausgebildet", sagt Hintz.
Auch andere Studien deuten darauf hin, dass junge Leute die großen Verlierer der Wirtschaftskrise zu werden drohen. Vor allem für Schulabgänger ohne Abitur sieht es zappenduster aus.
Das Bundesinstitut für Berufsbildung rechnet auf Grund von Umfragen bei den Betrieben damit, dass die Zahl der neuen Ausbildungsverträge in diesem Jahr um bis zu acht Prozent auf 556 000 sinken könnte. Zwar sorgt die sinkende Schülerzahl für etwas Entlastung. Doch der Bewerberrückgang fällt mit 30 000 deutlich geringer aus als das Minus beim Lehrstellenangebot.
Auch die Bundesagentur für Arbeit (BA) beobachtet bereits einen Abwärtstrend. Im Zeitraum Oktober 2008 bis April 2009 registrierte sie 352 500 Ausbildungsstellen, 26 800 weniger als zwölf Monate zuvor. Zugleich sank die Zahl der offenen Plätze um 10 900 auf 182 100. Für eine abschließende Bewertung sei es aber noch zu früh, erklärt die Bundesagentur.
Unter den Dax-Konzernen weist die Deutsche Bank mit 10,2 Prozent die höchste Ausbildungsquote auf. Weit oben liegen auch Deutsche Telekom, Metro sowie Eon, Bayer und Fresenius Medical Care. Deutlich unter dem Durchschnitt liegen Deutsche Post, Adidas sowie Münchener Rück. Das Schlusslicht bildet die Deutsche Börse. Sie gab die Zahl ihrer Lehrlinge in der Umfrage mit vier an. Das entspricht einer Ausbildungsquote von gerade einmal 0,25 Prozent.
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