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Ausbildung: IG Metall fordert Branchenfonds

Die IG Metall erwartet einen weiteren Rückgang an neuen Ausbildungsverträgen - und fordert die Unternehmen auf, die richtigen Konsequenzen zu ziehen. Von Bernd Salzmann

Begehrt: eine Ausbildung in der  Metall- und Elektro-Industrie.
Begehrt: eine Ausbildung in der Metall- und Elektro-Industrie.
Foto: ddp

Die Probleme am Ausbildungsmarkt spitzen sich zu. Laut Industriegewerkschaft (IG) Metall ist das "Flaggschiff der Bildung in Deutschland, die berufliche Bildung, 2009 heftig ins Schlingern geraten".

Die Aussichten für das neue Jahr seien alles andere als günstig: "Nach den ersten Schätzungen aus dem Bereich der Metall- und Elektroindustrie wird das Jahr 2010 erneut einen mindestens zehnprozentigen Rückgang an Ausbildungsplätzen bringen", heißt es in einer Analyse des Ressorts Bildungs- und Qualifizierungspolitik in der Vorstandsverwaltung der IG Metall.

Die Fachleute um Klaus Heimann drängen daher zum Umsteuern. "Die Zukunftsperspektiven junger Menschen sind abhängig von einer guten oder schlechten Wirtschaftslage. Um diese Abhängigkeit wenigstens abzufangen, fordert die IG Metall eine andere Form der Finanzierung der Ausbildung - zum Beispiel durch Branchenfonds", heißt es in einem Papier mit dem Titel "Wirtschaftskrise hat den Ausbildungsmarkt voll erwischt", das der Frankfurter Rundschau vorliegt.

Die Gewerkschaft beruft sich in ihrer Studie auf eine Erhebung des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) zum Ausbildungsjahr 2009. Danach wurden vom 1. Oktober 2008 bis 30. September 2009 bundesweit lediglich noch 566.004 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen.

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Das waren 50.338 oder 8,2 Prozent weniger als im Ausbildungsjahr davor. Im Westen sank die Zahl um 35.598 oder 7,1 Prozent auf 467.006, im Osten um 14.740 oder 13 Prozent auf 98.998.

Als Ursache für den "starken Rückgang" (BIBB) der Ausbildungsvertragszahl nennt das Bundesinstitut "im Wesentlichen die Finanz- und Wirtschaftskrise", aber auch den "starken demografischen Einbruch". So habe die ökonomische Krise dazu beigetragen, dass bundesweit 52.590 Ausbildungsplätze weniger als im Jahr davor angeboten worden seien.

Gleichzeitig sei die Zahl der Schulabgänger aus allgemeinbildenden Schulen, teilqualifizierenden beruflichen Schulen und bei der Bundesagentur für Arbeit registrierten Altbewerber - das sind Ausbildungsstellenbewerber aus früheren Schulentlassungsjahrgängen - "deutlich" gesunken. Und zwar um 5,1 Prozent oder 32.625 auf 601.984. Besonders stark war davon erneut der Osten Deutschlands betroffen.

Die Zahl der nichtstudienberechtigten Abgänger und Absolventen aus allgemeinbildenden Schulen - die Hauptklientel der dualen Berufsausbildung - verminderte sich im Osten laut BIBB um 13,1 Prozent oder 12.034 auf nur noch 79.802. Wie dramatisch die Entwicklung ist, offenbart ein Zahlenvergleich: Acht Jahre zuvor waren es noch 175.163 gewesen.

Die Folge: Viele Unternehmen haben bereits große Schwierigkeiten, Bewerber für ihre Ausbildungsplätze zu finden.

Die IG Metall reagiert mit großer Sorge auf diese Entwicklung. Das BIBB habe die Zahl der neuen Ausbildungsverträge bereits im April sehr genau prognostiziert. Damals "hätten noch Maßnahmen ergriffen oder neue Instrumente geschaffen werden können", heißt es in der Gewerkschaftsanalyse.

"Stattdessen haben Bundesregierung, Arbeitgeberfunktionäre und die Bundesanstalt für Arbeit den Ausbildungspakt hoch leben lassen, sich gegenseitig auf die Schultern geklopft und auf die heilende Wirkung der Placebos blind vertraut."

Angesichts rapide sinkender Bewerberzahlen müsste die Wirtschaft "eigentlich komplett umdenken und sich jetzt Nachwuchskräfte sichern", meint die IG Metall. Das aber habe sie 2009 versäumt. Hinweise von Betriebsräten, auf einen rasch wachsenden Nachwuchsmangel in den nächsten Jahren "wurden nicht beachtet".

Autor:  Bernd Salzmann
Datum:  1 | 1 | 2010
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