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18. Februar 2016

Außenhandel : Die Eurozone wird deutscher - leider

 Von 
Container in Hongkong, China: Und alle setzen auf den Export.  Foto: dpa

Die Eurozone feiert einen rekordhohen Überschuss im Außenhandel. Doch damit fördert sie globale Ungleichgewichte und macht sich abhängig von der Konjunktur im Rest der Welt. Eine Analyse.

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Europa könne in der internationalen Konkurrenz nur bestehen, wenn es so wettbewerbsfähig werde wie Deutschland, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel vor vier Jahren. Als Ausdruck der Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands galten stets seine enormen Exportüberschüsse. Gemessen daran, ist die Euro-Zone tatsächlich deutscher geworden: Im Außenhandel erzielte sie als Gesamtheit im vergangenen Jahr einen Rekordüberschuss. Diese Exportabhängigkeit hat jedoch Risiken. „Die Euro-Zone wird unter der Schwäche des globalen Wirtschaftsumfeldes leiden“, prognostiziert Patrick Artus von der französischen Bank Natixis.

Vor der großen Finanzkrise sah die Welt noch anders aus. 2008 verzeichneten insbesondere die Länder Südeuropas große Defizite im Außenhandel, das bedeutet: Sie importierten mehr als sie exportierten. Folglich stiegen ihre Schulden gegenüber anderen Ländern. Spiegelbildlich erzielten Länder wie Deutschland oder die Niederlande hohe Überschüsse, denn sie akkumulierten Forderungen an das Ausland. Diese Ungleichgewichte bildeten schließlich die Basis für die Euro-Krise.

Heute haben Länder wie Italien und Spanien ihre Außenhandelsdefizite in Überschüsse verwandelt, Griechenland und Portugal haben ihre Defizite stark verringert – zum Teil wegen höherer Exporte, zum Teil aufgrund von Sparprogrammen, Krisen und Lohnsenkungen, die die Importe drückten. Deutschland wiederum hat seinen Überschuss noch einmal drastisch erhöht. So lag er 2015 laut Statistikamt Eurostat bei 252 Milliarden Euro, das sind 100 Milliarden Euro mehr als 2008.

Die Folge: Die Euro-Zone, in der sich früher Einfuhren und Ausfuhren in etwa die Waage hielten, ist zur Exportüberschuss-Zone geworden. Allein im Warenhandel mit dem Rest der Welt erreichte er 2015 laut Eurostat 246 Milliarden Euro. Hinzu kommen Dienstleistungen und andere Bilanzposten. Ein umfassendes Bild liefert die Leistungsbilanz. Die Euro-Zone erzielte hier im vergangenen Jahr einen Überschuss von 3,7 Prozent ihrer Wirtschaftsleistung. „Europa folgt dem chinesischen Beispiel“, stellt die Schweizer Bank UBS fest. Allerdings kommt China nur noch auf einen Leistungsbilanzüberschuss von 2,7 Prozent.

Ein Nullsummenspiel

Ein Erfolg sind die Überschüsse aber nur auf den ersten Blick. Denn der Welthandel ist ein Null-Summen-Spiel – die Gewinne der einen sind die Verluste der anderen. Europas Überschüsse gehen auf das Konto von Handelspartnern wie Großbritannien, den USA oder der Schweiz, die Milliardendefizite im Geschäft mit der Euro-Zone verzeichnen und diese mit Schulden finanzieren.

Das deutsche Exportmodell werde zwar als Lösung für die wirtschaftlichen Probleme Europas gepriesen, doch trage es mit seinen hohen Überschüssen zu den globalen Ungleichgewichten bei, mahnen die Ökonomen der Schweizer Bank UBS. Auch der berühmte Investor George Soros hatte gewarnt: „Was für eine mittelgroße exportgetriebene Wirtschaft wie Deutschland funktioniert, kann nicht für einen riesigen Block wie die Euro-Zone funktionieren.“

Zudem macht sich die Währungsunion stark abhängig von der Konjunktur im Rest der Welt. Und dort sieht es derzeit nicht gut aus. Chinas Wachstum verlangsamt sich, viele Schwellenländer sind in der Krise, Japans Wirtschaftsleistung ist zuletzt gesunken, der Aufschwung in den USA scheint ins Stocken zu geraten. Und alle setzen auf den Export, um ihre Probleme zu beheben.

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