BMW boomt und lässt seine Konkurrenten Audi und Mercedes derzeit in allen Belangen hinter sich. Aber auch das beschert Probleme in Form von Engpässen. „Unsere Werksauslastung liegt derzeit im Schnitt bei 102 Prozent“, sagte BMW-Boss Norbert Reithofer in München bei der Vorlage einer Halbjahresbilanz.
Die drei Marken BMW, Mini und Rolls-Royce hätten in den ersten sechs Monaten noch mehr als die erreichten gut 833.000 Fahrzeuge – was einem Plus von einem Fünftel entsprach – verkaufen können, wenn nicht „Flaschenhälse“ in der Produktion entstanden wären. Die Münchner reagieren mit Stellenaufbau, Werkserweiterungen und einer neuen Fabrik in Brasilien, deren Bau wohl im Herbst beschlossen wird.
Rund 2000 neue Arbeitsplätze werden schon dieses Jahr geschaffen, davon die Hälfte hierzulande, kündigte Reithofer an. Derzeit beschäftigt BMW weltweit knapp 97.000 Mitarbeiter. Das US-Werk in Spartanburg werde dieses Jahr von einer Kapazität von 240.000 auf 270.000 Fahrzeuge und 2012 weiter auf 300.000 Fahrzeuge ausgebaut. Darüber hinaus sei ein zusätzlicher strategischer Ausbau in Überlegung, der es erlaube, dort auch Limousinen zu fertigen. Derzeit laufen in den USA ausschließlich Geländewagen der X-Reihen vom Band. In China ist bereits ein zweites Werk im Bau.
Der Boom der Automärkte beschert BMW wie Audi und Daimler ein Rekordjahr. BMW beschleunigt dabei mit den höchsten Drehzahlen. Die Münchner sind jetzt der profitabelste deutsche Premiumhersteller.
Modellwechsel stehen an
Die Umsatzrendite von BMW im Autogeschäft ist auf 13,3 Prozent geklettert. Die VW-Tochter Audi muss sich mit 11,8 Prozent mit Rang zwei zufriedengeben. Daimler rangiert mit 10,7 Prozent dahinter. Ob das bis Jahresende so bleibt, ist offen. Bei BMW stehen wichtige Modellwechsel an, die Marketingkosten von einer halben Milliarden Euro verursachen.
Die Renditen im Autogeschäft sind stets Momentaufnahmen, die mit den Produktlebenszyklen der Modelle schwanken. Im Schnitt planen BMW und Audi jeweils Umsatzmargen zwischen acht und zehn Prozent. Daimler gilt in dieser Hinsicht als Herausforderer, hat aber wie seine beiden Konkurrenten das Ziel, Nummer eins der Branche zu werden. Heute ist das BMW. Vorerst fahren die Stuttgarter auch im Absatz hinterher. Von der Marke Mercedes wurden zum Halbjahr weltweit 610.000 Einheiten verkauft. Das ist zwar ein Rekord, aber weniger als die 653.000 verkauften Audis. Die Münchner liegen mit fast 690.000 abgesetzten BMW-Fahrzeugen auch in dieser Hinsicht auf Rang eins. Dabei hat Audi in China im Absatz die Nase vorn, was BMW mit seiner Vorreiterrolle im Premiumbereich in den USA überkompensiert.
Schließlich baut BMW hinsichtlich des Flottenausstoßes beim Klimakiller Kohlendioxid auch die am wenigsten umweltschädlichen Autos. Lauft Kraftfahrtbundesamt lag 2010 dieser Wert für die Marke BMW bei 157 Gramm pro Kilometer, gefolgt von Audi mit 158 Gramm und Mercedes mit 173 Gramm. „Unsere Fahrzeuge setzen Trends, sie treffen den Geschmack“, sagte Reithofer. Ab 2013 will er mit Elektroautos der neuen BMWi-Familie punkten und den Flottenverbrauch weiter reduzieren. Angeboten werden die Stromer dann auch über Drive Now, die gemeinsam mit dem Autovermieter Sixt betriebene Carsharing-Tochter, die gerade in München gestartet ist und in den ersten Wochen gut 4500 Kunden gewonnen hat. Demnächst wird Drive Now auch in Berlin aktiv.
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