Brüssel. Das kollektive Aufheulen der Autohersteller hat Wirkung gezeigt: Die EU könnte der Branche vergünstigte Kredite im Umfang von 40 Milliarden Euro zur Verfügung stellen, wie Industriekommissar Günter Verheugen am Mittwoch bekanntmachte.
Die Klimaschutzauflagen für Neuwagen, die sein für Umweltschutz zuständiger Kollege Stavros Dimas durchsetzen will, erklärte Verheugen für absolut unzumutbar: Er verstehe nicht, "was die Automobilhersteller an Verbrechen begangen haben, dass sie in dieser Weise bestraft werden müssen".
Die Industrievertreter, die sich am Mittwoch zum Krisentreffen mit Verheugen in Brüssel eingefunden hatten, zeigten sich dankbar. Natürlich sei man absolut dafür, "die Autos umweltfreundlicher zu machen", sagte der Europa-Chef des Opel-Mutterkonzerns General Motors, Carl-Peter Forster, vor Journalisten. Aber angesichts der schwachen Konjunktur brauche man "Darlehen, die uns helfen können, die doch erheblichen Aufwendungen in Forschung und Entwicklung, die diese neuen Autos brauchen, zu stemmen".
Noch weitaus dramatischer klang der Vorsitzende des Europäischen Automobilherstellerverbands ACEA, Christian Streiff. "Unser wichtigstes Anliegen ist der Erhalt von hunderttausenden Arbeitsplätzen", sagte der Unternehmenschef von Peugeot-Citroën.
Absatzprobleme auch wegen des hohen Ölpreises
Tatsächlich hagelt es seit Wochen Hiobsbotschaften aus der Auto-Branche. Mehrere Hersteller mussten bereits die Produktion drosseln, weil die Nachfrage nach Neuwagen deutlich zurückgegangen ist: "Die Verkaufszahlen haben den niedrigsten Stand seit zehn Jahren erreicht", sagte Streiff in Brüssel.
Streiff räumte allerdings auch ein, dass die Probleme keineswegs mit der Finanzmarktkrise, sondern mit dem Anstieg des Ölpreises begonnen hätten. Das spricht eigentlich für den Vorschlag der EU-Kommission, den Kraftstoffverbrauch und damit den CO2-Ausstoß von Neuwagen zu reduzieren. Die Auto-Industrie "ignoriert vollkommen die erheblichen Vorteile kraftstoffsparender Autos für die Verbraucher", kritisierte die Umweltschutzorganisation Greenpeace am Mittwoch.
Die Hersteller stellen die höheren Anschaffungskosten für die Verbraucher in den Vordergrund. Tatsächlich würden die geplanten Klimaschutzauflagen auch nach Berechnungen der Kommission den Preis eines Neuwagens um durchschnittlich 1300 Euro in die Höhe treiben - die Mehrkosten würden sich aber durch den geringeren Spritverbrauch ausgleichen, argumentiert die Brüsseler Behörde.
"Ohne Sanktionen läuft nichts"
Die Industrie wartete am Mittwoch nun mit einer neuen Horrorzahl auf: Nach ihren Berechnungen würden die Strafzahlungen für Autobauer, die die Auflagen verletzen, auf einen CO2-Preis von 485 Euro pro Tonne hinauslaufen. Das sei schlichtweg Wahnsinn, kommentierte der ACEA-Vorsitzende Streiff.
Allerdings hätten die Hersteller dieses Szenario von vornherein vermeiden können, wenn sie sich an ihre eigene Selbstverpflichtung gehalten hätten. Schon Ende der 90er Jahre sagten die europäischen Autobauer zu, die CO2-Emissionen von Neufahrzeugen bis 2008 auf durchschnittlich 140 Gramm je gefahrenen Kilometer zu senken.
Diesen Schnitt haben sie nicht erreicht - darum drohen ihnen nun gesetzliche Auflagen. Und das ist auch der Grund, warum Dimas auf Strafzahlungen pocht. Denn die bisherige Erfahrung zeigt, "dass ohne Sanktionen nichts läuft", wie die Grünen-Europaabgeordnete Rebecca Harms kommentierte. (ap)
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