Stuttgart. Für die Beschäftigten von Daimler brechen schwere Zeiten an. Das Unternehmen verschärft seinen Sparkurs und will der Belegschaft ans Portemonnaie.
Entlassungen müssen die Arbeitnehmer derzeit nicht fürchten, aber ausschließen will sie Personalvorstand auch nicht. "Wir reden nicht über Personalabbauprogramme und über Entlassungen", sagte Personalvorstand Günther Fleig.
In Japan sind infolge der schwersten Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit im abgelaufenen Geschäftsjahr weniger als drei Millionen Neuwagen verkauft worden. Wie der Verband der Automobilhändler am Mittwoch bekanntgab, sank der Absatz von neuen Pkw - ausgenommen kleine Autos bis 600 Kubikzentimeter Hubraum - sowie Nutzfahrzeugen in den vergangenen zwölf Monaten bis zum März um 15,6 Prozent auf rund 2,9 Millionen Wagen. So wenige Neuwagen sind in dem asiatischen Land seit 38 Jahren nicht verkauft worden.
Hintergrund ist aber nicht nur die Rezession. Eine weitere Ursache ist nach Angaben von Branchenexperten, dass Autos vor allem für jüngere Japaner ihren einstigen Reiz als Statussymbol verloren haben. Vor allem in Großstädten ist das eigene Auto für viele Menschen überflüssig geworden.
Finanzielle Belastungen durch Steuern sowie Gebühren für Parkplatz- und Autobahn kommen hinzu. Umso mehr sind die Autokonzerne auf das Auslandsgeschäft angewiesen, doch das leidet ebenso unter der Krise.
Sollte die Krise aber weiter anhalten, sei auch das nicht auszuschließen. Der Beschäftigungssicherungsvertrag, der bis Ende 2011 betriebsbedingte Kündigungen verbietet, stehe derzeit nicht zur Disposition.
Allerdings will der Premiumhersteller die Arbeitszeit für 73.000 der insgesamt 141.000 Beschäftigten in Deutschland um bis zu fünf Stunden verkürzen, weniger Zuschuss zum Kurzarbeitergeld zahlen und die für Mai geplante zweite Stufe der Tariferhöhung von 2,1 Prozent auf Dezember verschieben.
Die Erfolgsbeteiligung für 2008 von 1900 Euro für die festangestellten Mitarbeiter, die sich für den Konzern auf 280 Millionen Euro summiert, soll nach dem Willen des Vorstands vorerst nicht ausbezahlt, sondern gut geschrieben werden.
Insgesamt sollen bei den Personalkosten zwei Milliarden eingespart werden. Die Verkürzung der Arbeitszeit von 35 auf 30 Stunden pro Woche bedeutet Lohneinbußen von bis zu 14 Prozent. Für die 68.000 Beschäftigten in Kurzarbeit sollen die Zuschüsse zum Kurzarbeitergeld zusammengestrichen werden.
In welchem Umfang wollte Fleig nicht sagen. Daimler leidet vor allem als Anbieter von Oberklasse-Fahrzeugen derzeit besonders unter der Absatzkrise. Vorstandschef Dieter Zetsche rechnet in diesem Jahr mit einem weiteren Rückgang von Absatz, Umsatz und Gewinn. Im ersten Quartal wird sogar ein Verlust für wahrscheinlich gehalten. Bereits im vorigen Jahr war das Konzernergebnis um 65 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro geschrumpft.
Die Folgen der Wirtschaftskrise sind ein Grund für die Probleme von Daimler. Allerdings sind sie auch auf frühere Managementfehler aus der Zeit von Daimler-Chrysler-Chef Jürgen Schrempp zurückzuführen.
Die schiefgelaufene Ehe mit Chrysler hat Milliarden gekostet. Im millionenschweren Prozess über Schadenersatz für Anleger wegen einer angeblich verspäteten Mitteilung über den Rücktritt von Schrempp wird laut dpa voraussichtlich am 22. April das Urteil verkündet.
Der Bundesgerichtshof hatte das erste Urteil des Oberlandesgerichts Stuttgart wegen Fehlern aufgehoben. (mit dpa)
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