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Autobauer: Offene Beziehung zwischen BMW und Toyota

Im Ringen um die technologische Führung im Automobilbau der Zukunft bricht BMW mit den letzten Tabus. Mit Toyota vereinbarte der Autobauer eine Zusammenarbeit bei der Motoren- und Batterietechnik.

        

BMW auf der Tokio Motor Show: Für dieses Modell arbeiteten die Bayern noch mit Daimler und Continental zusammen.
BMW auf der Tokio Motor Show: Für dieses Modell arbeiteten die Bayern noch mit Daimler und Continental zusammen.
Foto: Bloomberg

Am Rande der noch bis zum 11. Dezember geöffneten Tokio Motor Show hat der führende Premiumhersteller mit dem einstmals weltgrößten Autobauer und Hybrid-Experten Toyota eine weitreichende Kooperation beschlossen. Vereinbart wurden die Lieferung spritsparender Dieselmotoren von BMW an die Japaner, die gemeinsame Entwicklung einer neuen Batteriegeneration für Elektroautos und weitere Kooperationen auf dem Gebiet von Umwelttechnologien.

„BMW und Toyota sind perfekte Partner“, sagte BMW-Entwicklungschef Klaus Draeger. Für BMW ist es die erste Kooperation mit einem japanischen Autobauer. Unter einem guten Stern scheinen solche Kombinationen allgemein nicht zu stehen. VW steht vor einem Ende der zerrütteten Partnerschaft mit Suzuki. Daimler wurde mit Mitsubishi nie richtig glücklich. BMW und Toyota wollen es besser machen.

Partnerschaft für übermorgen

Fusionen sind in der Automobilindustrie ein Auslaufmodell. Die Zukunft gehört technologischen Kooperationen, um sich vor allem die Milliardenaufwendungen für den Bau neuer Elektroautos zu teilen. BMW arbeitet dazu bereits mit dem französischen Autobauer PSA Peugeot-Citroën zusammen. Man entwickelt derzeit Elektromotoren, Batterien und elektrische Komponenten.

Gegen PSA ist die jetzige Kooperation mit Toyota nicht gerichtet, versichert BMW. Mit PSA plane BMW mit heutiger Technik das Auto von morgen, im Fall von Toyota mit Zukunftstechnologie
aber am Gefährt von übermorgen.
Klar ist auch, dass die Partnerschaft mit PSA damit ein technologisches Verfallsdatum hat. Ähnliches dürfte für
SB LiMotive gelten. Die gemeinsame Tochter von Bosch und der koreanischen Samsung ist Batterielieferant für das BMW-Elektroauto i3, das 2013 auf
den Markt kommt.

Bei BMW und Toyota ergänzen sich die Kompetenzen. BMW gilt als führend bei Dieselmotoren. Die Japaner sind Hybridpioniere, haben bislang 3,4 Millionen Autos mit diesem Antrieb verkauft, was rechnerisch den Ausstoß von 32 Millionen Tonnen des Klimakillers Kohlendioxid verhindert hat.

Diesel für Japan

Das Duo erhofft sich Kostenvorteile, raschere Präsenz am Markt mit innovativen Technologien und als Folge verstärkten Absatz. Wettbewerber wolle man aber bleiben, betonten die Manager von BMW und Toyota. Zugleich knauserten sie mit Details zu ihrer gemeinsamen Zukunft und machten keine Angaben zu Investitionen, Einspareffekten oder Stückzahlen.

Klar ist indes, dass die Münchner ab 2014 Dieselmotoren mit 1,6 und 2,0 Litern Hubraum für ein in Europa vom Band rollendes Toyota-Modell liefern. Dabei dürfte es um 80000 Motoren jährlich gehen, schätzt Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen. Bei einer zehnjährigen Vertragslaufzeit wären das 800000 Motoren. Für BMW bringe das Umsätze von jährlich mehreren hundert Millionen Euro, schätzt Autoanalyst Frank Schwope von der NordLB.

Toyota braucht den Spardiesel von BMW, um in Europa immer schärfer werdende Abgasvorschriften zu erfüllen und auf diesem Markt nicht ins Hintertreffen zu geraten. Schließlich hatte das Erdbeben in Japan auch dem Autobauer stark zugesetzt. Über BMW kann er diese Technologielücke rasch schließen.

Das Geschäft mit Toyota bringt den Münchnern in jedem Fall den größten Motorenliefervertrag der Firmengeschichte, aber nicht der einzige. Mit dem US-Hersteller von Polizeifahrzeugen Carbon Motors hatten die Münchner 2010 die Lieferung von 240000 Dieselmotoren über einen Zeitraum von sieben Jahren vereinbart. Bereits Ende der Neunziger hatte BMW die GM-Tochter Opel mit Dieselmotoren für den Mittelklässler Omega beliefert. Heute nutzt die weiß-blaue Marke ihre Dieselkompetenz, um damit bei Technologiepartnerschaften wuchern zu können, bei denen man selbst nicht die Nase vorne hat.

Milliarden-Investition

Eine solche ist die mit Toyota vereinbarte Batterieentwicklung für Elektroautos von übermorgen. Geplant sind neue Lithium-Ionen-Akkus mit höherer Energiedichte als heute. Diese seien entscheidend für die Mobilität der Zukunft, so Draeger. Heutige Elektroautos sind noch auf 100 bis 150 Kilometer Reichweite begrenzt. „Wer die beste Batterie hat, wird mehr Kunden gewinnen“, sagte der BMW-Entwicklungschef. Dudenhöffer und Schwope schätzen die Entwicklungskosten im Milliardenbereich, die sich BMW und Toyota künftig teilen können. Etwa 2020 könnten die neuen Batterien verfügbar sein.

Bei den weiteren Technologiefeldern, bei denen BMW und Toyota kooperieren wollen, erwartet das Expertenduo Themen wie Brennstoffzelle, Leichtbau oder Carsharing. In der Brennstoffzellentechnologie sei Toyota weiter, beim Leichtbau mit Karbonfaserstoffen liege BMW vorn, erklärte Dudenhöffer. Beim Carsharing könne ein Premium- und ein Volumenhersteller im globalen Maßstab ideal verknüpft werden.

Letztlich könnte die deutsch-japanische Partnerschaft sogar zu einer Kapitalverflechtung führen. Derzeit geplant sei das zwar nicht, sagte Toyota-Manager Yasumori Ihara. Es könne aber in der Zukunft eine Option werden.

Autor:  Thomas Magenheim
Datum:  2 | 12 | 2011
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