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Autoindustrie: Öko kommt nicht immer an

Daimler profiliert sich als Ökohersteller. BMW aber ist technologisch weiter. Doch die Münchener haben ein Problem: Ihnen fehlen Kunden, denen wenige Schadstoffe wichtig sind. Von Thomas Magenheim

Schauspielerin Meryl Streep fährt zur Premiere ihres neuen Films Mamma Mia! im BMW Hydrogen 7 vor .
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Foto: Getty

München. Die Stuttgarter Auto-Ikone Daimler kann die arabischen Milliarden für neue Umwelttechnik gut gebrauchen. Denn technologisch ist BMW-Konkurrenz in München weiter - und aus Sicht der Kunden hat Toyota mit dem Hybridfahrzeug alle abgehängt.

Das geht aus einer Umfrage der Unternehmensberatung Roland Berger hervor. Japans Autobauer Toyota sei es, der sich am meisten um umweltfreundliche Antriebe bemühe, sagen 55 Prozent aller Kunden in Deutschland, Frankreich und Großbritannien. Deutsche Marken sind abgeschlagen.

Das gilt auch für Mercedes und Audi, beide gleichauf mit 13 Prozent auf Rang sieben, sagt Berger-Autoexperte Ralf Landmann. Beste deutsche Marke sei BMW, zusammen mit Renault und je 19 Prozent auf Platz drei der grünen Kundenrangliste - knapp hinter Honda mit 20 Prozent.

Drei Marken konnten die Befragten nennen. Toyota bietet seit einem Jahrzehnt Hybridautos mit Elektro- und Verbrennungsmotor an. Das hat in der Wahrnehmung der Verbraucher tiefe Spuren hinterlassen. Technologisch sieht die Welt der Autobauer allerdings anders aus.

Kraftfahrtbundesamt belegt grünen Erfolg von BMW

"Bei der Senkung von CO2-Emissionen sind wir Vorreiter in der gesamten Automobilindustrie", sagt BMW-Chef Norbert Reithofer selbstbewusst. Seit 1995 habe BMW den Flottenverbrauch der eigenen Marke um 27 Prozent gesenkt, stärker als jeder andere Kfz-Hersteller. Die grüne Spitzenstellung der Münchner belegt eine Statistik des Kraftfahrtbundesamtes (KBA).

Die 2008 in Deutschland zugelassenen BMW-Autos kommen im Schnitt auf einen Wert von 160 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer. Audi schafft 176 Gramm, Mercedes 189 Gramm. Das liege auch daran, dass die Mercedes-Flotte im Gegensatz zu BMW Transporter im Angebot habe, sagt eine Sprecherin in Stuttgart. Das herausgerechnet bleibe BMW aber immer noch vorn.

Für die Toyota-Luxusmarke Lexus weist das KBA für Deutschland einen CO2-Wert von 207 Gramm aus, für die von kleineren Autos dominierte Marke Toyota 153 Gramm. Sogar der Massenhersteller VW, mit seinen im Vergleich zu BMW kleineren Modellen liegt mit 166 Gramm hinter den Münchnern.

Wichtiger als Technik ist Vermarktung

"Von anderen hört man immer, was sie wann alles erreichen wollen, wir präsentieren die Fakten heute", wirbt Reithofer in eigener Sache. Beim Kunden kommt das nur bedingt an. Ein Viertel weniger Autos haben die Münchner 2009 bislang binnen Jahresfrist verkauft. Von der Abwrackprämie profitieren sie kaum.

Markterfolg hängt nicht an der Technologie, sondern vor allem auch an der Vermarktung, lautet das kritische Fazit bei Roland Berger. Werbung und Design seien im Wettlauf der Kfz-Industrie um grüne Technologien entscheidend, betont Landmann.

60 Prozent aller Kunden forderten, dass ein verbrauchsarmes Fahrzeug auf einen Blick als solches erkennbar ist. Der Nachbar soll sehen, wer umweltfreundlich fährt, stellt der Berger-Experte klar. Das biete Toyota mit seinen Hybridmodellen, während sich sparsame Autos deutscher Hersteller oft mit einem kleinen Schriftzug begnügen.

BMW hat die eigene Spritspartechnik zumindest unter den Slogan Efficient Dynamics gestellt. Bei Mercedes heißt sie Blue Efficiency. Audi begnügt sich mit der allgemeinen Werbeaussage "Fortschritt durch Technik". Bei VW fahren die ÖKos unter dem Label bluemotion.

Daimler startet im Juni startet die S-Klasse als Hybrid

Reithofer räumt Schwächen beim Marketing ein. PR-Experten sehen Probleme. "Freude am Sparen" verbiete sich für BMW als Slogan, weil damit die bestehende und auf Dynamik geeichte Kundschaft verprellt werde.

Technologisch bleibe BMW Spitze, verspricht Reithofer. In der zweiten Hälfte 2009 kämen mit der 7er-Reihe und dem Geländewagen X6 die ersten beiden Hybrid-Modelle in Serie, was ein Fünftel weniger Schadstoffausstoß bedeute. Hier hat hier zu Lande die Stuttgarter Konkurrenz, mit der BMW beim Hybrid kooperiert, allerdings die Nase vorn. Im Juni startet deren S-Klasse als Hybrid.

BMW-Kleinwagenmarke Mini fährt auf Elektroantrieb ab

Ein Wettrennen liefern sich BMW und Mercedes auch in der Frage, wer als erster ein reines Elektroauto in Großserie anbietet. Beide peilen das Jahr 2012 an. Audi kann das erst zwei Jahre später in Aussicht stellen.

Mit 500 Elektrofahrzeugen der Kleinwagenmarke Mini hat BMW derzeit in den USA die weltweit größte Testflotte mit Batterieantrieb im Einsatz. 100 weitere Mini E fahren demnächst auf den Straßen Berlins und Münchens. BMW kooperiert dabei mit den Energieversorgern Vattenfall und Eon, die im jeweiligen Stadtgebiet für öffentliche Ladestationen sorgen.

Daimler will die eigene Elektro-Smart-Testflotte noch 2009 von 100 auf 1000 Fahrzeuge aufstocken. Blue Zero, heißt das Stuttgarter Konzept für die automobile Zukunft. In drei Jahren soll es eine Familie von Smart- und Mercedes-Autos mit reinem und gemischtem Batterieantrieb oder Brennstoffzelle in Großserie geben, die bis zu 600 Kilometer Reichweiter erlauben.

Das Äquivalent bei BMW nennt sich Project i. Ende 2011 soll ein "Megacity-Vehicle" (MCV) mit Elektroantrieb vorgestellt werden und 2012 auf den Markt kommen. Fünf Modellvarianten seien geplant, heißt es.

Autor:  THOMAS MAGENHEIM
Datum:  24 | 3 | 2009
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