Osnabrück/Rheine. Die Autokrise und Sozialplan- Verpflichtungen haben den Osnabrücker Cabrio-Spezialisten Karmann zahlungsunfähig gemacht. Am Mittwoch beantragte das Unternehmen nach eigenen Angaben die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beim Amtsgericht.
Nach Angaben der IG Metall und des Betriebsrats sind 3470 Mitarbeiter betroffen. Karmann wollte zum Mai die Fahrzeugproduktion am Standort Osnabrück mit dem Mercedes CLK Cabrio komplett schließen. 1340 Mitarbeitern in Osnabrück wurde daher betriebsbedingt gekündigt.
In Rheine mussten bereits zuvor von 753 Mitarbeitern 600 gehen. Sie sollten eine Abfindung bekommen und von einer Transfergesellschaft betreut werden, die sie für neue Jobs qualifizieren soll. Die übrigen 100 Mitarbeiter haben noch Arbeit. Sie montieren Dächer für das Renault Mégane Cabrio. Nach Angaben der IG Metall Rheine sind Dutzende Mitarbeiter erst jetzt in die Transfergesellschaft gewechselt. Wie es mit deren Abfindung aussieht, sei noch offen.
In mehrmonatigen Sozialplanverhandlungen hatten sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer auf die Einrichtung einer Transfergesellschaft geeinigt. Dieser Sozialplan könne nun nicht mehr finanziert werden, teilte Karmann mit.
Mitarbeiter sind wütend
Die Sozialplanvereinbarung stehe unter dem Vorbehalt der Finanzierung durch Karmann, sagte ein Mitglied des Betriebsrats. "Damit ist sie nun null und nichtig." Die Mitarbeiter, die bereits dem Übergang in die Transfergesellschaft zugestimmt hätten, gehörten damit weiterhin der Wilhelm Karmann GmbH an. Die Mitarbeiter seien vor allem wütend.
Am Donnerstag wolle der vom Amtsgericht bestellte vorläufige Insolvenzverwalter die Belegschaft informieren. Karmann hatte im vergangenen Jahr einen Umbau des Unternehmens angekündigt. Es war dem Traditionsunternehmen zuletzt nicht mehr gelungen, Aufträge für den Komplettfahrzeugbau zu erhalten. Im Februar lief das letzte Audi A4-Cabriolet im Werk Rheine vom Band.
Karmann wolle in Zukunft ein "lupenreines Zulieferunternehmen" werden und sich im Wesentlichen auf die Produktion von Dachsystemen und auf die Fahrzeugentwicklung konzentrieren, hatte der Sprecher der Geschäftsführung Peter Harbig im vergangenen September angekündigt.
Ziel der Insolvenz sei es, gemeinsam mit dem Insolvenzverwalter die neu strukturierte Karmann-Unternehmensgruppe in eine gesicherte Zukunft zu führen, hieß es in der Mitteilung des Unternehmens. Das Sanierungskonzept aus dem September des vergangenen Jahre hatte für das Geschäftsjahr 2009 noch ein ausgeglichenes Ergebnis vorgesehen.
"Im Kern sanierungsfähig"
In diesen Planungen seien die Kosten für den Arbeitsplatzabbau einkalkuliert gewesen. "Die weltweite Finanzkrise und der dramatische Einbruch der Automobilnachfrage hat die ursprüngliche Planung zunichte gemacht." Die Auslaufprogramme der bei Karmann produzierten Fahrzeuge seien zum Schluss drastisch gekürzt worden.
Das Unternehmen betonte, im Kern sanierungsfähig und "praktisch frei von Bankkrediten" zu sein. Karmann erwirtschaftete noch im Jahr 2007 mit knapp 7000 Mitarbeitern weltweit einen Umsatz von 1,5 Milliarden Euro. Geplant war für die Zukunft ein Umsatz von nur noch 500 Millionen Euro und ein Kern von 2400 Mitarbeitern weltweit.
Die niedersächsische Landesregierung reagierte mit Bestürzung auf die Insolvenz. "Das ist ein trauriger und ernster Tag", sagte eine Sprecherin der Staatskanzlei in Hannover. Die Landesregierung stehe dem Betriebsrat für Gespräche zur Verfügung. Es bestehe die Chance auf eine Transfergesellschaft für die Beschäftigten. Die Autokrise habe die Situation bei Karmann noch einmal verschärft. (dpa)
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