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20. November 2008

Autokrise: Opel-Händler wollen Opel doch nicht

 Von CHRISTINE SKOWRONOWSKI UND MICHAEL BERGIUS
Opel-Verkäufer diskutieren, ob sie Opel kaufen. Foto: rtr

Man habe gar nicht gewusst, wie kompliziert und verflechtet alles ist, räumt der Verband der Händler am Tag nach dem großen Wirbel ein. Von Christine Skowronowski und Michael Bergius

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Der Verband deutscher Opelhändler nimmt Abstand von einer möglichen Übernahme des Autobauers durch seine Vertriebspartner. "Tagesaktuell dürfte dies keine realistische Variante sein", sagte Verbandssprecher Paul Ebbinghaus.

Die Händler diskutierten über ein derartiges Szenario zur Rettung des Autobauers, um notfalls ein Aus von Opel durch die Krise der angeschlagenen US-Mutter General Motors zu verhindern.

Von einem Opel-Solarauto scheint Solarworld bei seinen Übernahmephantasien zu träumen.
Von einem Opel-Solarauto scheint Solarworld bei seinen Übernahmephantasien zu träumen.
Foto: dpa

Die Händler hätten ihre Aussage ohne Kenntnis der engen Verflechtungen zwischen Opel und GM gemacht, erklärte Ebbinghaus. Ein Engagement würde letztlich nicht nur die Übernahme der deutschen Adam Opel GmbH, sondern die aller europäischen Schwestergesellschaften einschließlich Fabriken und Entwicklungszentren zur Folge haben.

Die rund 2000 deutschen Opel-Verkäufer hatten die Übernahme des Autobauers in ihrer jüngsten Händlerversammlung diskutiert, berichtete der Geschäftsführer des großen Autohändlers Auto Staiger in Stuttgart, Paul Schäfer. Es gebe durchaus Händler, die entsprechende Investitionen aufbringen könnten.

Zuvor hatte das Bonner Unternehmen Solarworld bekannt gegeben, es wolle die vier deutschen Werke der GM-Tochter Opel und das Entwicklungszentrum in Rüsselsheim übernehmen. Vorstandschef Frank Asbeck sagte angesichts entsprechender Zweifel: "Wir machen keine Spaßangebote." Es sei notwendig, die Industriegesellschaft umzubauen.

Solarworld wolle nach der Übernahme die "Fahrzeuge der Zukunft bauen", das heißt Modelle mit Elektro- oder Hybridantrieb. Das könne nicht nur den Japanern vorbehalten sein, sagte er. Es sei auch schon in den Köpfen der Opel-Ingenieure und müsse nun aus dem "Würgegriff General Motors freigelassen werden".

Zugleich versicherte Asbeck, dass die ins Spiel gebrachten Summen direkt ins Unternehmen gesteckt werden sollen. Zu der Forderung nach einer Milliarde Euro von General Motors (GM) sagte er, dass der US-Mutterkonzern seine "ungeliebte Tochter aufhübschen" sollte.

Voraussetzung für das Geschäft soll eine Bundesbürgschaft für Opel sein, die völlige Herauslösung von Opel aus GM und ein finanzieller Beitrag der Konzernmutter in Höhe von etwa einer Milliarde Euro für die 27.000 Arbeitsplätze bei Opel.

Zur Erinnerung: Die Probleme bei Opel sind dadurch akut geworden, dass die Mutter GM derzeit nicht einmal ihre Schulden - rund eine Milliarde Euro - bei der Tochter Opel für dort erbrachte Entwicklungsleistungen begleichen kann und GM möglicherweise pleite geht. Damit könnte es für Opel problematisch werden, dringend nötige Investitionen zu stemmen.

Solarworld will gerade mal 250 Millionen Euro für Opel locker machen und sich überdies 750 Millionen Euro pumpen. "Die Naivität dieses Vorschlages zeigt sich darin, dass der Vorstand offenbar Milliarden mit Millionen verwechselt hat", sagte Opel-Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz der Frankfurter Rundschau. "Grundsätzlich ehrt uns der Vorstoß, zeigt er doch, wie attraktiv und zukunftsweisend Opel mit seinen Produkten und Menschen ist", ergänzte Franz ironisch.

Opel wollte den ungewöhnlichen Vorschlag vorsichtshalber nicht kommentieren. Auch die Bundesregierung hielt sich bedeckt und verwies darauf, dass dies Sache von GM sei. Der US-Konzern betonte, nicht an eine Abtrennung von Opel zu denken. Und das hat seinen Grund. GM ist auf Opels Entwicklungskomptenz gerade bei der Konzeption spritsparender Fahrzeuge angewiesen.

Vorbehalte gegenüber einem staatlichen Rettungseinsatz für Opel äußerte der CDU-Wirtschaftspolitiker Michael Fuchs. Es sei "extrem schwierig, ein Konstrukt zu finden, welches verhindert, dass deutsche Steuergelder in die USA abfließen", sagte der Bundestagsabgeordnete der Frankfurter Rundschau. Im Übrigen könne Opel nur dann geholfen werden, wenn auch GM gerettet werde. Dies sei zur Zeit noch nicht ausgemacht.

Kritik übte Fuchs auch an der geschäftsführenden hessischen Landesregierung, die bereits konkrete Vorbereitungen für eine Bürgschaft zugunsten Opels getroffen hat. "Ich hätte das anders gemacht. Bevor wir hier in Deutschland Entscheidungen treffen, müssen wir erst mal wissen: Was passiert in den USA?"

Dort hatten die drei großen Autobauer GM, Chrysler und Ford gestern mit dramatischen Appellen im US-Senat um Staatshilfen gebeten. GM warb um Kredite zwischen zehn und zwölf Milliarden Dollar. Eindringlich bat Konzern-Chef Rick Wagoner zusammen mit seinen Kollegen von Ford, Alan Mulally, und Chrysler, Robert Nardelli, vor dem Bankenausschuss des Senats um Unterstützung.

Eine Rettung der Unternehmen sei nötig, um die US-Wirtschaft vor einem "katastrophalen Kollaps" zu bewahren, sagte Wagoner. Die drei Autobauer erhoffen sich weitere Staatshilfen von insgesamt 25 Milliarden Dollar. Ford benötigt nach eigenen Angaben rund acht Milliarden Dollar, um wieder auf die Beine zu kommen. Chrysler strebt sieben Milliarden Dollar an.

Allerdings gibt es wenig Hoffnung, dass die Autobauer in den USA schnell an Geld kommen, wenn überhaupt. Am Ende der vierstündigen Anhörung im Senat gab Vorsitzender Dodd zu Protokoll, der Vorschlag der Demokraten, die 25 Milliarden Dollar vom 700-Milliarden-Rettungspaket abzuzweigen, finde nicht genügend Unterstützung im Kongress.

Anders aber könnte es nach dem 20. Januar aussehen, wenn der neue Kongress seine Arbeit aufnimmt: Dann können sich die Demokraten auf eine größere Mehrheit stützen - vielleicht ist dies dann aber schon zu spät für die "Big Three". (mit rtr)

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