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07. Juli 2009

Automobilindustrie: Chinesen umwerben Opel

Knuffiger Autobauer sucht Spielkameraden. Foto: rtr

Der staatliche chinesische Autobauer BAIC verspricht Opel ein neues Werk in Asien. Doch die Regierung in Peking ist angeblich skeptisch. Magna verschiebt seine Entscheidung für einen Einstieg in Deutschland.

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Spezial: Autobauer

Chrysler und GM sind insolvent. Opel braucht fremde Hilfe. Porsche und VW kämpfen gegen- statt miteinander. Zulieferer leiden mit. Viele Jobs wackeln. Spezial: Krise der Autobauer

Frankfurt. Der staatliche chinesische Autobauer BAIC stößt bei seinem Gebot für Opel einem Magazinbericht zufolge auf Vorbehalte der eigenen Regierung. Peking sei weiterhin sehr reserviert, was den Erwerb ausländischer Autobauer durch einheimische Betriebe angehe, schrieb die einflussreiche chinesische Zeitschrift Caijing auf ihrer Internetseite (www.caijing.com.cn).

Das sei auch der Grund gewesen, warum der chinesische Hersteller Geely Automobile letztlich nicht für die von Ford zum Verkauf gestellte Marke Volvo geboten habe. BAIC werde nur dann einen Fuß in die Tür bekommen, wenn der geplante Deal von Opel und Magna scheitern sollte, so das Magazin.

Danach sieht es derzeit aber nicht aus. GM-Europa-Chef Carl-Peter Forster hatte am Wochenende erklärt: "Nach dem Treffen der Spitzen von GM und Magna bin ich äußerst zuversichtlich, da wurde weitgehend Einverständnis erzielt." Die Gespräche mit anderen Investoren seien bei weitem nicht so weit fortgeschritten. "Magna hat einen ganz erheblichen Vorsprung."

BAIC bietet dem Vernehmen nach 660 Millionen Euro für einen 51-prozentigen Anteil an Opel. GM würde den Vorstellungen der Chinesen zufolge mit 49 Prozent beteiligt. Der britischen Financial Times zufolge will BAIC zwei Milliarden Dollar in den Bau eines Opel-Werks in China investieren.

Die Belegschaft in Europa soll reduziert werden, wobei das Werk im belgischen Antwerpen geschlossen würde. In Deutschland würden zumindest bis zur Fertigstellung des chinesischen Opel-Werks im Jahr 2012 Autos für den dortigen Markt gebaut.

Chinesen versprechen neues Werk

BAIC will demnach Staatsgarantien in Höhe von 2,6 Milliarden Euro in Anspruch nehmen - weniger als die von Magna erbetenen 4,5 Milliarden. Der Zugriff auf die Patente von Opel sei der entscheidende Grund für das Gebot von BAIC, schrieb das Magazin Caijing.

Mit der Technologie von Opel wäre BAIC frei, für den größten und am schnellsten wachsenden Markt der Welt Autos zu bauen. Wie hoch die Bereitschaft von GM ist, Opel an BAIC abzugeben, ist unklar. Bislang ist der chinesische Markt einer der wenigen hoffnungsvollen für den insolventen US-Autobauer.

Die geplante Opel-Fabrik würde die Wettbewerbssituation für GM deutlich verschlechtern. Ein Opel-Aufsichtsrat hatte dazu kürzlich gesagt: "General Motors wird kaum das Risiko eingehen, die Europa-Tochter und damit wertvolle Technologie an einen chinesischen Autobauer zu verkaufen, der dem US-Konzern dann in Fernost Konkurrenz macht."

Das "Wall Street Journal" zitierte allerdings eine Person aus dem GM-Umfeld mit den Worten, BAIC sei ein "beeindruckender Bieter" und GM zeige sich zunehmend enthusiastisch, möglicherweise einen Deal mit BAIC abzuschließen.

Magna verschiebt Opel-Entscheidung

Magna hat sich mit GM, der US-Regierung und der Bundesregierung bereits grundsätzlich auf einen Einstieg bei Opel zusammen mit der russischen Sberbank verständigt. Der Vertrag ist allerdings rechtlich nicht bindend, soll aber bis 15. Juli unterzeichnet werden.

Der kanadisch-österreichische Autozulieferer Magna will Kreisen zufolge erst eine Woche später über den Einstieg beim angeschlagenen Autobauer Opel entscheiden. Die Aufsichtsratssitzung werde erst am 14. Juli und nicht schon an diesem Dienstag zur Beschlussfassung zusammentreten, sagte eine mit den Verhandlungen vertraute Person.

Das Aufsichtsgremium, dem auch Firmengründer Frank Stronach angehört, soll die geplante Übernahme von 55 Prozent der Opel-Anteile durch Magna und die russische Sberbank absegnen.

Beim bisherigen Opel-Eigentümer GM blieben 35 Prozent. Die Verträge sollten bis Mitte Juli unterschriftsreif sein. Die Verzögerung bei Magna gäbe dem chinesischen Opel-Interessenten Beijing Automotive (BAIC) mehr Zeit, GM und die Bundesregierung davon zu überzeugen, dass seine - noch unverbindliche Offerte - mindestens so gut ist wie die von Magna.

GM-Europa-Chef Carl-Peter Forster hatte am Wochenende gesagt, Magna habe einen erheblichen Vorsprung, die Gespräche stünden kurz vor einem erfolgreichen Abschluss. GM soll laut Medienberichten auch gegenüber den konkurrierenden Offerten von BAIC und der Investmentholding RHJ International noch aufgeschlossen sein.

IG-Metall-Chef Huber in Moskau unterwegs

IG-Metall-Chef Berthold Huber traf sich mit Russlands Regierungsschef Wladimir Putin in Moskau. Sie sprachen sich für eine stärkere wirtschaftliche Zusammenarbeit beider Länder aus. Die Konzepte der Gewerkschaften seien gefragt, sagte Putin. Ob das Thema Opel eine Rolle spielte, war nicht zu erfahren. (rtr/dpa)

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