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22. August 2012

Autos: Deutsche lieben Spritfresser

Der Trend geht in Deutschland zu PS-starken Autos.  Foto: dpa

Der Verkehrsclub Deutschland kürt erstmals seit neun Jahren wieder ein deutsches Auto zum Umweltsieger. Und was machen die Deutschen? Sie kaufen sich Autos mit einem starken Motor und sind sportlich unterwegs. Bei Neuwagen waren noch nie so viel PS unter der Haube wie heute.

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Erstmals seit neun Jahren hat mit dem Volkswagen eco up! wieder ein deutsches Auto den Spitzenplatz der Umweltliste des Verkehrsclubs Deutschland erobert. Der erdgasbetriebene Kleinwagen hängte beim CO2-Ausstoß von 79 Gramm pro Kilometer die bislang führenden Toyotas ab, wie VCD-Verkehrsexperte Gerd Lottsiepen in Berlin mitteilte. Der erdgasbetriebene Kleinwagen hängte beim CO2-Ausstoß von 79 Gramm pro Kilometer die bislang führenden Toyotas ab.

Der kleine VW ist allerdings der einzige Europäer unter den Top Ten der umweltfreundlichsten Autos. Auf den Plätzen zwei bis sieben folgen Fahrzeuge von Toyota, danach kommen Nissan und Honda. Der VW eco up! kostet nach Angaben eines Konzernsprechers etwa 2500 Euro mehr als die Standardversion, die je nach Ausstattung mit 10.000 Euro zu Buche schlägt. Nach VCD-Berechnungen rentiert sich die Zusatzinvestition ab einer Gesamtfahrleistung von 60.000 Kilometern.

Aber trotz vorbildlicher Modelle und Rekordpreisen an den Tankstellen: Die Neuwagenkäufer greifen lieber zu leistungsstarken Fahrzeuge. In den ersten sieben Monaten wurde einer Studie zufolge mit durchschnittlich 138 PS ein Höchstwert bei neuangemeldeten Wagen erreicht. „Soviel PS haben sich die deutschen Neuwagen-Käufer noch nie unter die Haube gepackt“, fasste Studienautor Ferdinand Dudenhöffer die Ergebnisse der Untersuchung zusammen.

Den Berechnungen von Dudenhöffers CAR-Center an der Uni Duisburg-Essen zufolge wird der Anstieg bei der Leistung durch einen höheren Diesel-Anteil bei den Neuzulassungen getrieben. Das liegt daran, dass vor allem Firmenfahrzeuge gefragt sind, während sich Privatkäufer bei Neuwagen zurückhalten. Autos mit Dieselmotor kommen der Studie zufolge im Schnitt auf 154 PS.

Der Kraftstoff sei besonders bei sportlichen Geländefahrzeugen beliebt, die es zunehmend auch als kleinere Kompaktwagen gibt. Der Diesel-Anteil war im Juli laut Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) binnen Jahresfrist um einen halben Prozentpunkt auf 49,1 Prozent geklettert.

Auch bei Klein- und Kompaktwagen stiegen der Studie zufolge die PS-Zahlen in den vergangenen fünf Jahren. Am stärksten unter den Massenherstellern habe die General-Motors-Tochter Opel die Leistung ihrer Autos nach oben geschraubt. Mit einem Durchschnittswert von 126 Pferdestärken liege Opel bei Neuwagen mittlerweile vor Volkswagen mit durchschnittlich 124 PS. Lediglich die beiden japanischen Marken Toyota und Honda beteiligten sich nicht an dem PS-Rennen.

Dabei gibt es sie, die Autos mit geringem Spritverbrauch und CO2-Ausstoß. Mit den steigenden Kraftstoffpreisen werde der Spareffekt zunehmend größer, betont Gerd Lottsiepen vom Verkehrsclub Deutschland (VCD). Er verdeutlicht dies an einer Beispielrechnung: „Bei einem denkbaren Spritpreis von zwei Euro pro Liter sparen die klimafreundlichsten Autos im Vergleich zu durchschnittlichen Neuwagen rund fünf Euro pro 100 Kilometer.“

Die derzeit emissionsärmsten Pkw-Modelle mit Verbrennungs- oder Hybridantrieben kommen laut dem Verkehrspolitischen Sprecher des VCD auf einen CO2-Ausstoß um die 80 g/km. Der CO2-Durchschnitt der in Deutschland erhältlichen Neuwagen liege bei 146 g/km.

Sparen mit Erdgas

Schon bei den aktuellen Kraftstoffpreisen von 1,71 Euro pro Liter Super E10 und 1,55 Euro für Diesel tanken Besitzer eines Modells mit besonders niedrigen CO2-Werten im Vergleich zum Durchschnittsneuwagen deutlich günstiger: „Der Unterschied bei Benzin beträgt 4,80 Euro pro 100 Kilometer und bei Diesel 3,90 Euro“, so Lottsiepen.

Wer sich statt eines Durchschnittsbenziners für ein Erdgasmodell entscheidet, das ebenfalls nur rund 80 g/km des Treibhausgases CO2 ausstößt, zahlt pro 100 Kilometer noch viel weniger für Sprit: „Die Ersparnis liegt bei den aktuellen Erdgaspreisen bei 7,70 Euro“, sagt Lottsiepen. Autokäufer müssten allerdings berücksichtigen, dass Spritsparmodelle in der Anschaffung oft teurer sind - insbesondere solche mit Erdgas oder Hybridantrieb. Daher kann es dauern, bis sich der Kauf solcher Autos rechnet.

Die Auto-Umweltliste 2012/2013 des VCD beachtet Kriterien wie Verbrauch, Schadstoffausstoß und Lärm. In den Top Ten der neuen Umweltliste rangieren sieben Hybridautos. Unter reinem Klimaschutzaspekt teilen sich der VW Eco Up und der Toyota Yaris Hybrid mit einem CO2-Ausstoß von 79 g/km Platz eins in der VCD-Liste. Zweiter wurde der Hyundai i20 blue 1.1 CRDi (CO2: 84 g/km), dritter der Kia Rio 1.1 CRDi ISG (CO2: 85 g/km).

Mehr PS fährt sportlicher

Dudenhöffer hob in seiner Studie hervor, dass mehr Leistung nicht automatisch zu größerem Spritverbrauch führe, da viele Fahrzeuge inzwischen mit moderner Einspritztechnik und Start-Stopp-Funktion ausgerüstet sind. „Aber mit mehr PS fährt man eben auch sportlicher, und die Sportlichkeit kostet Treibstoff“, argumentierte er.

Die Entwicklung zeige, wie wichtig die Auflagen der EU-Kommission zur Senkung des Kohlendioxid-Ausstoßes der Neuwagenflotte seien. „Am stärksten würde ein Tempolimit auf den Autobahnen wirken“, so Dudenhöffer. Er riet den Herstellern, stärker auf Elektroautos zu setzen, um einen Gegentrend einzuleiten.

Spitzenreiter unter den Marken mit besonders hoher Leistung ist der inzwischen zu Volkswagen gehörende Sportwagenbauer Porsche mit durchschnittlich 323 PS pro Fahrzeug, gefolgt von Jaguar mit 281 PS und Land Rover mit 216 PS. (rtr/dpa/jam)

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