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28. November 2012

AWD Swiss Life: Swiss Life ändert Namen von AWD

 Von Bernd Salzmann
Die Zentrale des Finanzdienstleisters AWD in Hannover. (Archivbild)  Foto: dpa

Aus AWD wird "Swiss Life Select": Der Ex-Finanzvertrieb von Carsten Maschmeyer erfüllt nicht die Erwartungen. Der neue Eigentümer Swiss Life muss teuer dafür bezahlen.

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Es ist erst ein gutes halbes Jahr her, da veröffentlichte Carsten Maschmeyer, Freund von Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder und Ex-Bundespräsident Christian Wulff, sein Buch „Selfmade − erfolgreich leben“. Für den Verlobten der Schauspielerin Veronica Ferres mag das gelten, für sein Lebenswerk, den Finanzvertrieb AWD, nicht: Die Marke, wegen umstrittener Geschäftspraktiken in Misskredit, verschwindet vom Markt. Maschmeyer kann das verschmerzen: Er hat seine Anteile an dem Unternehmen rechtzeitig für viel Geld an den Lebensversicherer Swiss Life verkauft. Für die Schweizer ist bislang außer Spesen nichts gewesen.

Swiss Life streicht hunderte Jobs

Für den Lebensversicherer ist es nicht billig, bei AWD reinen Tisch zu machen. Die Entscheidung, den Finanzmakler einzudampfen, zwingt Swiss Life zu Wertberichtigungen von 576 Millionen Franken. In der Folge dürfte der Jahresgewinn auf einen zweistelligen Millionenbetrag von 606 Millionen Franken (505 Millionen Euro) im Vorjahr sinken, teilte Swiss Life am Mittwoch mit. In den nächsten drei Jahren sollen in Deutschland und in der Schweiz 300 bis 400 Stellen abgebaut werden. Den Aktionären versprach Swiss Life aber eine unveränderte Dividende von 4,50 Franken pro Aktie.

Die Zentrale des Finanzdienstleisters AWD in Hannover. (Archivbild)
Die Zentrale des Finanzdienstleisters AWD in Hannover. (Archivbild)
Foto: dpa

AWD, für die die Schweizer vor vier Jahren 1,2 Milliarden Euro bezahlt hatten, bereitete Swiss Life zuletzt immer mehr Probleme. Rechtsstreitigkeiten in Deutschland und Österreich, wo Behörden die AWD-Vertriebspraktiken untersuchen, nagten an der Reputation und kosteten viel Geld. Als Fehler wollte Konzernchef Bruno Pfister die Übernahme rückblickend aber nicht einstufen. „Dennoch müssen wir selbstkritisch anerkennen, dass wir die Wachstumsmöglichkeiten in Osteuropa und Österreich überschätzt haben“, erklärte er.

Was wird aus der AWD-Arena?

An die Stelle der Marke AWD tritt eine neue Vertriebsgesellschaft, die Swiss Life Select heißen wird. Die Aktivitäten in der Slowakei und in Ungarn sollen aufgegeben werden. Die neue Gesellschaft soll sich auf Deutschland, Schweiz, Österreich sowie Polen und Tschechien konzentrieren. Welchen Namen die AWD-Arena Arena des Fußball-Bundesligisten Hannover 96 einmal tragen wird, steht hingegen noch nicht fest.

Erst Zweifel an der Werthaltigkeit des Wettbewerbers von MLP, OVB und DVAG tauchten Anfang 2010 auf − knapp eineinhalb Jahre nachdem Maschmeyer das Unternehmen für 1,2 Milliarden Euro an Swiss Life verkauft hatte. Aus dem für 2012 in Aussicht gestellten Umsatz von einer Milliarde Euro wurde nichts, zeichnete sich bald ab. Im vergangene Jahr waren die Erlöse gerade einmal halb so hoch. Und auch die Mitarbeiterzahl ist nicht so gewachsen wie von Maschmeyer vorhergesagt: Statt der avisierten 8500 Berater beschäftigte AWD 2011 nur 4900.

AWD-Gründer Carsten Maschmeyer mit seiner Lebensgefährtin Veronika Ferres.
AWD-Gründer Carsten Maschmeyer mit seiner Lebensgefährtin Veronika Ferres.
Foto: dapd

Maschmeyer, der sich im März 2009 aus dem operativen Geschäft bei AWD verabschiedet hatte und im Dezember 2011 aus dem Verwaltungsrat der Swiss Life ausschied, hat derweil andere Interessen entwickelt. Der Multimillionär, der im Januar 2010 mit dem Ökonomen und früheren Wirtschaftsweisen Bert Rürup das Beratungsunternehmen Maschmeyer Rürup gründete, sucht unaufhörlich nach Anlagechancen für sein hohes privaten Vermögen, das Ende 2010 nach Medienberichten bei 650 Millionen Euro gelegen haben soll.

Offenbar gelingt ihm das nicht schlecht. Bereits vor einiger Zeit stieg er beim Krankenhaus-Betreiber Marseille-Kliniken ein. Anfang des Jahres schwang er sich zum größten Aktionär des ostdeutschen Fahrradherstellers Mifa auf, im Frühjahr erwarb er mit seiner Investmentfirma Alstin Anteile an der chinesischen Online-Plattform 88tc88. Als jüngster Streich gilt sein Engagement beim Leverkusener Biotech-Unternehmen Biofrontera.

Daraus könnte was werden. Der Selfmademan zählt zwar zu den umstrittensten Unternehmerpersönlichkeiten in Deutschland. Doch an seinem Näschen fürs richtige Timing zweifelt seit dem verkauf von AWD an Swiss Life kaum noch einer. (mit rtr)

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