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29. November 2012

Bahn Emissionen: Grüne Bahnfahrt mit Ökostrom

 Von Peter Kirnich
Bahnchef Rüdiger Grube hat eine neue Lieblingsfarbe. Foto: dpa

Die Bahn wird klimafreundlicher: Ab April 2013 sollen 75 Prozent aller Fernzüge mit Öko-Strom fahren. Bis 2020 soll der Anteil an erneuerbaren Energien am Gesamtverbrauch der Bahn auf 35 Prozent steigen.

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Die Bahn wird klimafreundlicher: Ab April 2013 sollen 75 Prozent aller Fernzüge mit Öko-Strom fahren. Bis 2020 soll der Anteil an erneuerbaren Energien am Gesamtverbrauch der Bahn auf 35 Prozent steigen.

Weiß-rot ist die Farbe der Deutschen Bahn (DB) im Fernverkehr. Grün wäre auch passend. Denn die ohnehin relativ umweltfreundliche Bahn will zum Frühlingsbeginn im nächsten Jahr noch ökologischer, sprich grüner werden. „Ab 1. April 2013 werden alle rund fünf Millionen Bahncard- und Zeitkarten-Inhaber ohne Aufpreis mit 100 Prozent Öko-Strom in unseren ICE sowie IC- und EC-Zügen unterwegs sein“, kündigte Bahnchef Rüdiger Grube am Donnerstag an. Mindestens 75 Prozent aller Züge im Fernverkehr werden somit ausschließlich mit Strom aus erneuerbaren Energien fahren. Damit verdreifacht die Bahn den Anteil regenerativer Energien im Fernverkehr.

Wind und Sonne statt Kohle

Öko-Pläne: Die Bahn ist größter Stromverbraucher in Deutschland. Jährlich verbraucht sie 16 Terawattstunden Energie – so viel wie der Großraum Berlin und mehr als doppelt so viel wie der weltgrößte Chemiekonzern BASF. Bis 2020 soll der Anteil an erneuerbaren Energien auf 35 Prozent steigen. 2050 will die Bahn ausschließlich mit Strom aus erneuerbaren Energien fahren. Derzeit bezieht die Bahn ihren grünen Strom unter anderem aus Hybrid-Kraftwerken, Windparks und Solaranlagen.

Geld für Energie-Projekte

Neben Neukunden, die eine BahnCard oder eine Zeitkarte für den Fernverkehr kaufen, kommen auch alle bisherigen Bahncard-Inhaber automatisch in den Genuss der neuen Regelung. Die entsprechenden Ökostrommengen würden ins Bahnstromnetz eingespeist. „Die Kosten für dieses Angebot trägt die Bahn“, sagte ein Sprecher. Käufer einer Einzelfahrkarte ohne Bahncard-Rabatt oder eines Gruppenfahrscheins können für einen Euro Aufpreis pro Person und Fahrtrichtung ebenfalls mit 100 Prozent Ökostrom reisen.

„Ein Teil des Aufpreises fließt in die Förderung von Projekten zum Ausbau erneuerbarer Energien in Deutschland“, hieß es weiter. Allen Nutzern der Angebote garantiert die DB, dass die Strommenge für die Fahrten zusätzlich aus 100 Prozent erneuerbaren Energien beschafft und physisch ins Bahnstromnetz eingespeist wird. Dies werde von unabhängigen Prüfern kontrolliert.

Zwar ist die Bahn neben dem Fernbus das mit Abstand umweltfreundlichste Verkehrsmittel in Deutschland, von null Emissionen ist sie dennoch weit entfernt. Der Grund: Gut 45 Prozent der Energie, die die Bahn für ihre Züge benötigt, kommt aus Stein- und Braunkohlekraftwerken, gut 22 Prozent ist Atomkraft. Die Umweltorganisation Greenpeace wirft der Bahn aus diesem Grund gern „grüne PR“ vor, weil sie sich als Umweltvorreiter brüste, aber zu wenig grünen Strom nutze. Das jedoch soll sich in Zukunft ändern. Bis 2020 soll der Anteil an erneuerbaren Energien am Gesamtverbrauch der Bahn auf 35 Prozent steigen. 2050 will sie nur noch mit Strom aus erneuerbaren Quellen fahren.

Emissionsfrei reisen

Bereits im vergangenen Jahr ist der Anteil der Öko-Energie am Bahnstrom-Mix um zwei Prozent auf 21,8 Prozent gestiegen. Seit einiger Zeit bereits bietet die DB Industriekunden emissionsfreie Transporte an. Und wer will, kann auch in Fernzügen jetzt schon emissionsfrei reisen. Im Personenverkehr verkauft die DB seit November 2009 ein Öko-Ticket. Das kostet mehr als ein normaler Fahrschein, der Mehrerlös fließt in die Produktion erneuerbarer Energien.

Auch die Bahnhöfe sollen künftig klimaneutral und grün sein. Anfang des Monats hatte die Bahn den Startschuss für den Bau des ersten grünen Bahnhofs in Deutschland im nordrhein-westfälischen Kerpen-Horrem gegeben. Das Gebäude soll modernen ökologischen Standards entsprechen. Den Strom wird eine Photovoltaik-Anlage liefern, Geothermie für Heizung und Kühlung sorgen. Solarthermie wird für die Warmwasseraufbereitung genutzt. Das Dach wird begrünt und mit Sonnenkollektoren ausgerüstet, Regenwasser aufgefangen und zum Beispiel für die Toilettenspülung verwendet. „Wenn alles so funktioniert wie erhofft, werden wir weitere Bahnhöfe so umbauen“, sagte ein Bahnsprecher.

Dächer zu verpachten

Wind, Sonne und Wasser spielen in den Plänen des Konzerns eine besondere Rolle. Inzwischen bezieht die Bahn aus 33 Windrädern im Schnitt rund 100 Gigawattstunden Strom im Jahr, das entspricht dem Strombedarf einer Stadt mit rund 70 000 Einwohnern. Wer will, kann Flächen und Dächer der Bahn für Sonnenkollektoren pachten. Vier große Photovoltaikanlagen wurden bisher auf Bahnhofs-Dächern in Betrieb genommen, 16 weitere sind bis Ende 2013 geplant.
In gut einem Jahr soll der Anteil des Ökostroms am Energiemix auf 28 Prozent steigen. Der Energiekonzern RWE will der Bahn ab 2014 Strom aus 14 Wasserkraftwerken liefern. Die Strommenge entspreche rund acht Prozent des Bedarfs und reiche aus, um ein Drittel der ICE und IC im Fernverkehr mit Strom zu versorgen. Damit wäre dann die gesamte Flotte grün.

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