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17. Oktober 2014

Bahn-Streik der GDL: Ist Ihr Ärger über den Streik gerecht?

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Bei der Bahn wird wieder gestreikt.  Foto: dpa

Wenn Sie an diesem Wochenende mit der Bahn in Urlaub fahren wollten, werden Sie auf die Frage „Kann denn streiken Sünde sein?“ verärgert antworten: heute ja. Dennoch wäre es ungerecht, den Ärger allein gegen die Streikenden zu richten. Dagegen sprechen vier Gründe.

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Wenn Sie an diesem Wochenende mit der Bahn in Urlaub fahren wollten, werden Sie auf die Frage „Kann denn streiken Sünde sein?“ verärgert antworten: heute ja. Wenn die einen Arbeitnehmer den anderen Arbeitnehmern mit ihrem Tarifkampf die Erholung stehlen, hört bei Ihnen das Verständnis auf.

Der Ärger wäre verständlich. Und dass er sich besonders gegen die Gewerkschaft GDL richten wird, liegt auf der Hand. Tatsächlich führt sie nicht zuletzt einen Kampf um Einfluss im Großunternehmen Bahn. Sie will um fast jeden Preis dort die Nummer eins sein, um künftig die Tarifforderungen bestimmen zu können. Statt die Arbeitnehmerseite durch Einheit von unten zu stärken – sich also mit der Konkurrenzgewerkschaft EVG auf gemeinsame Strategien und vernünftige Arbeitsteilung zu einigen –, strebt die GDL nach Dominanz.

Ungerecht allerdings wäre es, den Ärger deshalb allein gegen die Streikenden zu richten. Dagegen sprechen vier Gründe.

Erstens: Was die Konkurrenz der Gewerkschaften betrifft, hat auch die EVG ihren Anteil, die jetzt mit dem Finger auf die GDL-Leute zeigt. Viele Beschäftigte der Deutschen Bahn fühlen sich von ihr offensichtlich nicht ausreichend vertreten. Das zu verschweigen, wäre ungerecht. Auch die EVG unternimmt zu wenig, um dem unsinnigen Plan der Bundesregierung, künftig nur die mitgliederstärkste Gewerkschaft über Tarifverträge verhandeln zu lassen, die Einigkeit der Arbeitnehmer entgegenzusetzen.

Zweitens: Das Streikrecht ist zu wertvoll, um auch nur auf die Idee zu kommen, daran herumzuschrauben. Auch diejenigen, die jetzt unter diesem Ausstand leiden, werden es vielleicht mal brauchen. Lieber ein Streik zum fragwürdigen Zeitpunkt als eine Einschränkung des einzigen Machtmittels, das Arbeitnehmer gegenüber dem Stärkeren, also dem Arbeitgeber, haben.

Verantwortung für Hunderte Reisende

Drittens: Es geht der Gewerkschaft GDL auch um Geld, und das nicht nur, weil sie die EVG blamieren will. Was, meinen Sie, verdient ein Lokführer, der bei 200 oder 300 Kilometern pro Stunde die Verantwortung für Hunderte Reisende trägt, fast zu jeder Tages- und Nachtzeit, sonn- und feiertags und mit dem ständigen Risiko, ohne Schuld einen Selbstmörder zu überfahren? Um bei einem Grundgehalt auf knapp über 3000 Euro brutto zu kommen, muss er mindestens 25 Dienstjahre hinter sich haben. Selbst wenn Zulagen das Bild ein wenig verschönern: Ist das gerecht? Üppig jedenfalls ist es nicht.

Viertens: Als die Bahn noch ein Staatsunternehmen war, standen ihre Beschäftigten großenteils im Beamtenverhältnis. Sie hatten sichere Arbeitsplätze, durften aber nicht streiken. Es war nicht ihre Idee, den Schienenverkehr zu privatisieren. Wer seit Jahren wichtige Elemente der Daseinsvorsorge den Gesetzen des Marktes statt dem Bedarf der Gesellschaft unterwirft – nicht nur die umweltfreundliche Fortbewegung mit der Bahn –, sollte sich nicht beklagen, wenn die Beschäftigten ihre Rechte nutzen. Auch das wäre nämlich ungerecht.

Ja, Sie haben allen Grund, sich zu ärgern, wenn Ihnen der Streik die Urlaubsreise verdirbt. Aber Sie sollten Ihren Ärger gerecht verteilen.

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