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06. Februar 2016

Bahnverkehr: Neue Konkurrenz für die Bahn

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Die Deutsche Bahn bekommt Konkurrenz.  Foto: dpa

Zwei Privatunternehmen wollen künftig Fernverbindungen anbieten: Das Berliner Unternehmen Locomore bietet von Herbst an Fahrten an, das Unternehmen „DerSchnellzug.de“ startet bereits im März.

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Zwei neue, günstige Anbieter von Fernzügen machen der Deutschen Bahn Konkurrenz. Ab Herbst bietet das Berliner Unternehmen Locomore Fahrten von Stuttgart über Frankfurt nach Berlin an. Die Fahrscheine kosten zwischen 22 bis 66 Euro. Zum Vergleich: Die Bahn verlangt für die gleiche Verbindung normalerweise 142 Euro. Dafür sind deren ICE etwa eine Stunde schneller am Ziel als die umgebauten Intercity-Wagen von Locomore. Die fahren höchstens 200 Stundenkilometer schnell.

Morgens fährt der auffällig orange gefärbte Zug nach Berlin, nachmittags zurück. In Hessen hält er an fünf Bahnhöfen: Darmstadt, Frankfurt-Südbahnhof, Hanau, Fulda und Kassel. Privatpersonen haben die erste Bahn von Locomore finanziert, per „Crowdfunding“. Mehr als eine halbe Million Euro ging ein.

Die Verbindungen im Fahrplan seien für fünf Jahre gesichert, sagte Geschäftsführer Derek Ladewig. „Wir wollen zusätzlichen Verkehr auf die Schiene bringen“, etwa vom Auto, Fernbus oder dem Flugzeug. Vormals war Ladewig Bahnreferent der Grünen im Bundestag und hat den Bahn-Konkurrenten HKX („Hamburg-Köln-Express“) mitgegründet. Der HKX hat sein Angebot zuletzt ausgedünnt. Dafür fahren die Züge nun bis nach Frankfurt.

Mit seinem Angebot will sich Locomore von der Bahn abheben: Im Bordrestaurant werden Bio-Gerichte serviert. Reisende können sich in „Themenabteilen“ zusammen tun, über Literatur sprechen, Computer oder Brettspiele zocken. Falls die Fahrgäste das Angebot annähmen, so Ladewig, sollen im Jahre 2017 weitere Verbindungen folgen: Frankfurt-München, Berlin-Binz (Rügen) und Berlin-Bonn.

Ein weiteres Fernzug-Unternehmen startet bereits im März. „DerSchnellzug.de“ bietet Verbindungen von Stuttgart nach Aachen, Dresden und Hamburg an. Ein Ticket von Stuttgart nach Hamburg kostet 66 Euro. Bei der Deutschen Bahn sind es standardmäßig 122 Euro. Der Schnellzug braucht neuneinhalb Stunden für die Strecke, der ICE nur fünf. DerSchnellzug.de fährt auch nicht jeden Tag, sondern je nach Linie am Wochenende oder montags.

Auf die Deutsche Bahn wächst der Druck von allen Seiten. Wegen des niedrigen Ölpreises ist Autofahren vergleichsweise günstig. Billig-Airlines unterbieten die Bahn bei den Preisen. Fernbus-Anbieter sowieso. Letztere locken seit der Marktliberalisierung im Jahre 2013 zunehmend Bahn-Kunden an. 130 Millionen Fahrgäste zählte die Bahn im vergangenen Jahr in Fernzügen. Die Fernbusse kamen auf 20 Millionen Fahrgäste.

Dabei läuft auch unter den Fernbus-Anbietern ein knallharter Wettbewerb. Im Kampf um die günstigsten Preise gingen schon einige Firmen Pleite. Die Branchengrößen Meinfernbus und Flixbus schlossen sich 2015 zusammen. Das neue Unternehmen beherrscht inzwischen 71 Prozent des Fernbus-Marktes und firmiert künftig nur noch unter dem Namen Flixbus.

Minister fördert Wettbewerb

Immer noch haben die Fernbusse gegenüber der Bahn einen entscheidenden Vorteil. Gebühren für die Benutzung von Bahnhöfen und Trassen fallen nicht an. Auch keine Maut. Die Forderung von Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow, eine Busmaut zu erheben, wies Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) zurück.

Und das Ministerium, das für die Bahn zuständig ist, hält für den Staatskonzern ein weiteres Ärgernis bereit. Der Entwurf des Eisenbahn-Regulierungsgesetzes sieht vor, dass die Bahn die Trassen-Gebühren nicht mehr unabhängig festlegen darf. Die Bundesnetzagentur soll die Abgaben genehmigen. Das könnte den Wettbewerb auf der Schiene fairer machen und die Bahn erneut Geld kosten. Dabei hat sie im vergangenen Jahr einen Milliardenverlust eingefahren.

Obwohl die Bahn derzeit mit vielen Problemen kämpft: Ob sich die neue Fernzug-Konkurrenz gegen den Quasi-Monopolisten behaupten kann, muss sich noch zeigen. Der private Interconnex-Zug von Leipzig über Berlin nach Rostock hat es zwölf Jahre lang versucht. Ende 2014 gab der Inhaber, der private französische Bahnbetreiber Transdev, schließlich aus Kostengründen auf.

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