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26. November 2012

Bangladesch: „H&M und C&A müssen sich bewegen“

 Von Mira Gajevic.
Arbeiter in einer Textilfabrik in Bangladesch.  Foto: dpa

Nach der Brandkatastrophe von Bangladesch spricht Branchenexpertin Sandra Dusch Silva von der Christlichen Initiative Romero über schwarze Schafe und Siegel-Chaos.

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Frau Dusch, Ihre Organisation Romero ist Mitglied der internationalen Kampagne für saubere Kleidung (CCC). Kann ein T-Shirt für 2,50 Euro fair und sauber produziert worden sein?

Nein, das ist unmöglich. Das bedeutet aber im Umkehrschluss nicht, dass ein T-Shirt zu 50 Euro garantiert unter guten Bedingungen hergestellt wurde. Auch teure Markenhersteller lassen unter unmenschlichen Bedingungen produzieren, weil es billig ist. Dabei ist es auch in Bangladesch möglich, gute Kleidung herzustellen, ohne die Arbeiter auszubeuten. Wichtig ist dabei die Mitgliedschaft in einer sogenannten Multistakeholder-Initiative, in der sich Unternehmen gemeinsam für höhere Standards bei Sicherheit, Lohn und Gesundheit einsetzen. Und sie müssen unabhängige Kontrollen zulassen, Gewerkschaften und Nichtregierungsorganisationen ins Boot holen. Daran scheitert es leider zu oft.

Welche Firmen sind da vorbildlich?

Outdoor-Firmen Jack Wolfskin und Vaude sind zwei Marken, die gezielt versuchen, über ihr Einkaufsverhalten Unternehmen zu bevorzugen, die höhere Löhne zahlen und schrittweise bessere Standards umzusetzen. Andere Unternehmen wie C&A und H&M machen dagegen viel zu wenig, obwohl sie durch ihre schiere Größe eine Marktmacht haben, mit der sie fundamental etwas in Bangladesch verändern könnten. Aldi und Kik gehören ebenfalls zu den Unternehmen, die sich durch Nichtstun hervortun.

Wie sieht es bei den Modemarken im oberen Preisspektrum aus?

Im März hat die PVH-Gruppe, zu der Tommy Hilfiger und Calvin Klein gehören, mit Arbeitsrechtsorganisationen und Gewerkschaften ein Brandschutzabkommen für Fabriken in Bangladesch unterzeichnet. Bei Gap und Esprit steht das noch aus. C&A und H&M verweigern sich leider auch hier.

Sandra Dusch Silva von der Christlichen Initiative Romero.
Sandra Dusch Silva von der Christlichen Initiative Romero.
 Foto: Privat

Und wer zahlt faire Löhne?

Mitglieder der Fair Wear-Stiftung streben einen existenzsichernden Lohn an. Dazu gehören vor allem die Outdoor-Marken, aber auch Waschbär, Schoeffel, Hessnatur oder die Berliner Continentalclothing, also alles eher Firmen, von denen man es auch erwarten würde. Auch hier sieht es bei H&M, C&A oder Kik nicht so aus, als ob sich da was bewegen würde. Dabei wäre das extrem wichtig. Bislang ruhen sie sich darauf aus, dass sie den staatlich festgelegten Mindestlohn fordern. Der aber ist viel zu niedrig.

Woran erkenne ich als Verbraucher, dass meine Jeans tatsächlich fair und sauber produziert wurde, wie es etwa ein Siegel verspricht?

Das ist sehr schwierig. Es gibt Hunderte von Siegeln. Wir haben versucht, mit einem Wegweiser etwas Licht in den Labeldschungel zu bringen. Ein Siegel aber, das sowohl den ökologischen wie auch den sozialen Aspekt abdeckt, gibt es nicht. Was den sozialen Bereich angeht, ist eine Mitgliedschaft in der Fair Wear Foundation auf jeden Fall das, was wir als höchstes Gut ansehen. Im ökologischen Bereich sind Global Organic Textile Standards, kurz Gots, und IVN-Best vom Verband der Naturtextilien hervorzuheben.

Das Gespräch führte Mira Gajevic.

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