Frankfurt. "Am Ende ist das ein people business" - ein personalintensives Geschäft also -, sagt Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann am Donnerstag in Frankfurt auf der Bilanzpressekonferenz. Ausschlaggebend für die Erfolgsaussichten eines jeden Finanzinstituts in den kommenden Jahren sei neben der Entwicklung der Märkte die Frage: "Wer hat die besseren Talente an sich binden können?"
Dass seine Bank, die Deutsche Bank, national wie international ganz vorne im Finanzzirkus mitspielen wird, ist für ihn bereits eine ausgemachte Sache. Den Grund liefert der oberste Deutschbanker gleich mit: "Bei uns sind die Gehälter nicht bei 500.000 Euro gedeckelt."
Der Seitenhieb, den Ackermann mit einem kleinen, süffisanten Lächeln um die Mundwinkel herum austeilt, zielt auf den Konkurrenten Commerzbank und die Kollegen aus den USA. Doch während Martin Blessing und Kollegen besagte 500 000 Euro an Vergütung erhalten, hat US-Präsident Barack Obama die Gehälter der Führungskräfte, deren Banken Staatshilfen erhalten, sogar auf umgerechnet rund 390 000 Euro (500 000 Dollar) begrenzt. Hüben wie drüben soll eine exzessive Bezahlung der Banker aus Steuermitteln verhindert werden. Unterhalb der Vorstandsebene gelten aber individuelle Vereinbarungen fort, Boni werden also weiterhin gezahlt.
Medienwirksamer Verzicht
Obgleich nicht von der Staatsmacht an die Kandare genommen, haben Ackermann und Co. die Zeichen der Zeit erkannt und schon im Oktober medienwirksam auf ihre Boni verzichtet, die, so der Vorstandsvorsitzende gestern, "einen substanziellen Teil der Vergütung" ausmachen. Ob dies geschah, um die Kassen der Deutschen Bank zu schonen, oder einfach, um nicht des Volkes Zorn auf sich zu ziehen, mag dahingestellt bleiben.
Tatsache ist, dass der Bilanz-Posten Personalaufwand im Jahr 2008 bei einem Plus von 2100 Stellen im Vergleich zum Vorjahr um 27 Prozent auf 9,6 Milliarden Euro gesunken ist. Und das ist nicht nur dem Verzicht des Vorstands zuzurechnen. "Wir haben die Boni 2008 insgesamt substanziell heruntergefahren und damit auf die dramatische Entwicklung der Geschäfte reagiert", sagt Ackermann. Dabei seien die Leistungen im Ausland und in den stabilen Geschäftsfeldern wie dem Privatkundengeschäft weniger gekürzt worden als etwa im Investmentbanking.
Wer genau wie viel weniger erhält - sprich, auf wie viel Geld der in Sachen Gehalt als Reizfigur geltende Josef Ackermann verzichtet - ist aus dem Hause Deutsche Bank bislang nicht zu erfahren. Ein Blick in die Bilanz 2007 gibt Anhalt über die Größenordnung: Im Jahr 2007 verdiente der Deutsche-Bank-Chef knapp 14 Millionen Euro. Erfolgsunabhängig waren davon lediglich 1,15 Millionen Euro Grundgehalt plus rund 151 000 Euro an geldwerten Vorteilen wie etwa Firmenwagen und Fahrer. Knapp 8,2 Millionen Euro konnte Ackermann als "erfolgsbezogene Komponente" seiner Vergütung in bar einstreichen, 4,5 Millionen gab es in Aktienoptionen oben drauf.
Die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) wird die Bescheidenheit freuen. Die Exzesse am Finanzmarkt seien nicht zuletzt durch das Gehaltssystem mit Prämien und Boni entstanden, hatte der SdK am Mittwoch bei der Veröffentlichung des "Schwarzbuch Börse 2008" kritisiert.
Dennoch werden Banken trotz Finanzkrise nicht auf Bonuszahlungen verzichten. Laut einer Umfrage der Unternehmensberatung Towers Perrin bei deutschen, österreichischen und Schweizer Finanzinstituten wollen im Jahr 2009 nur sieben Prozent der Konzerne auf Bonuszahlungen verzichten. Ihr Ziel deckt sich mit dem Ackermanns: qualifizierte Mitarbeiter halten und zu Höchstleistungen animieren.
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