Die Europäische Zentralbank (EZB) entzieht dem Geldmarkt an diesem Donnerstag einen dreistelligen Milliardenbetrag, den sie vor einem Jahr wegen der Finanzkrise zur Verfügung gestellt hatte. Zugleich bemüht sich die Notenbank aber, die Finanzbranche zu beruhigen. "Die EZB wird sicherstellen, dass es keine Probleme gibt", sagte EZB-Ratsmitglied Christian Noyer am Dienstag dem Radiosender "Europe 1".
Bei dem Einjahresgeschäft hatten sich im Juni 2009 mehr als 1100 Institute den Rekordwert von 442 Milliarden Euro bei der EZB ausgeliehen. Nun wird die Summe fällig. Damit wird der europäischen Finanzbranche Liquidität in gigantischem Umfang entzogen, während das Misstrauen unter den Banken weiter groß ist.
Die geplante Bankenabgabe in Deutschland trifft Experten zufolge die großen Institute und schont die Kleinen. Hauptzahler ist nach Berechnungen von Analysten mit deutlichem Abstand die Deutsche Bank: Der Branchenprimus, der für 2011 einen Vorsteuergewinn von zehn Milliarden Euro anpeilt, muss Finanzexperten zufolge auf Basis des letztjährigen Konzernabschlusses 450 bis 500 Millionen Euro berappen - weit mehr als alle Sparkassen und Volksbanken zusammen. An zweiter Stelle kommen Gewinne schreibende Landesbanken und die Commerzbank - wenn sie keine Verluste mehr macht. (rtr)
Damit die Kreditversorgung nicht zum Erliegen kommt, leiht die EZB den Instituten weiterhin zum Zins von 1,0 Prozent Geld - allerdings nur noch mit maximal drei Monaten Laufzeit. Längere Fristen schließt die Notenbank derzeit aus, um flexibel zu bleiben und den Markt nicht zu verzerren.
Höherer Druck möglich
Die kürzere Laufzeit könnte den Druck auf die Banken allerdings erhöhen, andere Liquiditätsquellen zu suchen. Damit gilt die Nachfrage nach dem neuen Drei-Monats-Geschäft als Gradmesser für die Gesundheit der Finanzbranche im Euroraum. "Die Banken, die an dieser Tenderoperation teilnehmen, würden preisgeben, dass ihnen der Marktzugang sehr schwer fällt", erklärte UniCredit-Experte Luca Cazzulani. Denn die Refinanzierung sei derzeit über die EZB teurer als am Markt.
Die "Financial Times" berichtete am Dienstag, dass insbesondere spanische Banken von der Notenbank die Neuauflage eines Einjahresgeschäfts verlangten, um neue Liquiditätsprobleme zu vermeiden. Das Blatt zitiert einen spanischen Bankenmanager, der die Position der EZB als "absurd" bezeichnet: "Jede Zentralbank muss Liquidität zur Verfügung stellen.
Aber das ist nicht die Politik der EZB." Spaniens Banken haben es derzeit besonders schwer, sich am Markt zu refinanzieren. Insbesondere die spanischen Sparkassen leiden unter dem zusammengebrochenen Immobilienmarkt.
Märkte mit Geld geflutet
Die EZB und andere Notenbanken hatten die Märkte in der Finanzkrise mehrfach mit Geld geflutet, weil der Geldhandel zwischen den Banken wegen des gegenseitigen Misstrauens in der Finanzkrise zeitweise zum Erliegen gekommen war. Eine drohende Kreditklemme sollte verhindert werden.
Ende 2009 erklärten die Währungshüter den Höhepunkt der Finanzkrise für überwunden und beschlossen, die expansive Politik zurückzufahren und nicht weiter unbegrenzt Liquidität über den langen Zeitraum von einem Jahr zur Verfügung zu stellen. Seither spitzte sich die Lage jedoch wegen der Schuldenkrise in Griechenland und anderen europäischen Länder wieder zu. Für die Banken auch in Spanien und Portugal wurde es zunehmend schwieriger, sich am Markt Liquidität zu besorgen. (dpa)
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