Am Frankfurter Opernplatz, da können sich die Beschäftigten der Commerzbank-Filiale und der Dresdner Bank-Filiale aus nächster Nähe beobachten. Die Kunden beider Institute scherzen, ob es seit heute egal sei, "in welches Haus" sie ihren Fuß setzten. Sichtlich weniger erheitert sind dagegen einige Filialmitarbeiter.
Rücksicht auf solche Gefühle nimmt dieser Tage in Frankfurt jedoch niemand. In den Bankenhäusern, den Bistros des Viertels und im Frankfurter Rathaus Römer wird unaufhörlich und kühl Schadens- und Nutzenanalyse betrieben, seitdem die Übernahme beschlossene Sache ist. Mitarbeiter anderer Kreditinstitute geben unumwunden zu: "Das ist jetzt genau die richtige Zeit, um Kunden abzuwerben".
Also ist man in den konkurrierenden Büros gerade dabei, die Kunden mit "Doppelverbindungen" herauszusuchen, um sie "ganz zu uns herüberzuziehen". Natürlich mit dem Argument: "Wer weiß, was aus den Filialen der ,Dreba' künftig wird! Unsere Filialen sind sicher." Zwölf hat die Commerzbank im Stadtgebiet, 15 die Dresdner. Dass es künftig deutlich weniger werden, ist bereits angekündigt.
Während für die Kunden die Zukunft "ihrer" Filiale das Topthema ist, dekliniert man im Römer die Auswirkungen für die Stadt in allen Facetten durch. Die offizielle Botschaft von Oberbürgermeisterin Petra Roth und Kämmerer Uwe Becker: Eine neue Bank dieser Größe "stärkt den Finanzplatz und steigert seine Wettbewerbsfähigkeit". Wirtschaftsdezernent Boris Rhein spricht gar von einem "neuen Champion", zu dem sich "zwei Frankfurter Banken" zusammengeschlossen hätten.
Intern stellt man jedoch noch einige andere Überlegungen an: Gefahr für die Haupteinnahmequelle der Stadt, die Gewerbesteuer, besteht zumindest nicht. Beide Häuser haben ihren Sitz in Frankfurt und auch der neu fusionierte Bankenriese wird hier bleiben und zahlen. 1,6 Milliarden Euro jährlich nimmt Frankfurt an Gewerbesteuer ein. Commerzbank und Dresdner Bank mit ihren jeweils rund 8000 Mitarbeitern in der Stadt leisten da einen erheblichen Beitrag.
Sorgen macht ein anderer Sektor: Der Büro-Immobilienmarkt, der derzeit schon Leerstände von annähernd einer Million Quadratmeter in Frankfurt verzeichnet. Und, so heißt es, durch die Fusion könnten weitere 300 000 Quadratmeter dazukommen. Immobilien haben beide Häuser reichlich. Spektakuläre und repräsentative Hochhäuser wie den 257 Meter hohen Commerzbank-Tower, die Dresdner hat das Hochhaus "Gallileo" und den Silberturm in der Skyline vorzuweisen. Daneben gibt es aber noch mehrere unscheinbare Bürobauten, die aufgegeben werden könnten.
Die tiefste Sorge der Stadtpolitik aber ist, dass der angekündigte Arbeitsplatzabbau Frankfurt und die Region besonders hart treffen könnte. Allein schon deshalb, weil beide Institute hier ihren Arbeitsplatz-Schwerpunkt in Deutschland haben. Die Politik, sagt die Oberbürgermeisterin, sieht "Sozialverträglichkeit" als "Pflichtaufgabe der Verantwortlichen". Das sieht man in den beiden Filialen am Opernplatz genauso.
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