Die Baubranche profitiert stark von den staatlichen Konjunkturpaketen. Wer glaubt, dass deshalb wenigstens in dieser Branche Lohnabschläge keine Rolle spielen, irrt: Die Arbeitgeber fordern in der heute beginnenden Tarifrunde für einen Teil der Beschäftigten deutlich niedrigere Gehälter.
Baubetriebe würden zunehmend mit anderen Handwerkern konkurrieren, sagte der Vize-Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands des Deutschen Baugewerbes (ZDB), Harald Schroer, der Frankfurter Rundschau. So seien bei der energetischen Gebäudesanierung und der Wärmedämmung auch Maler und Lackierer aktiv. "Deren Löhne liegen zwölf Prozent unter unserem Niveau." Pflaster- und Bordsteinarbeiten würden mal von Baufirmen ausgeführt, mal von Betrieben aus dem Garten- und Landschaftsbau (Galabau). Deren Löhne lägen gar 20 Prozent unter dem Bau-Niveau.
Die Arbeitgeber wollen nun, dass Baubetriebe neue Leute auch zum Maler- oder Galabau-Tarif einstellen können. Der Tarifvertrag solle regeln, "wer für welche Arbeit welchen Lohn bekommt", erläutert Schroer. Er findet diese Einschnitte vertretbar: "Wenn Baubetriebe in die Malerinnung gehen, sinkt das Lohnniveau drastischer." Denn alle Bauarbeiter erhielten weiter Zusatzleistungen, etwa zur Altersvorsorge. Zudem wäre die betroffene Mitarbeitergruppe "sehr eingegrenzt".
Doch die Gewerkschaft lehnt Einschnitte ab. "Die wollen immer nur Lohnkürzung. Das Problem ist aber so nicht zu lösen", sagte IG-Bau-Chef Klaus Wiesehügel der FR. Vor allem in Ostdeutschland würden viele Galabau-Firmen Straßenbau- und Pflasterarbeiten machen. Solche Aufträge dürften eigentlich nur zugelassene Baufirmen ausführen. Die Arbeitgeberverbände bekämen dieses Problem bisher nicht in den Griff. Die Gewerkschaft verlangt für die 700 000 Bauarbeiter sechs Prozent mehr Geld - das ist die höchste Forderung seit 1995. Das Baugewerbe werde dank des Konjunkturprogramms stabil bleiben, argumentiert die IG Bau. Die Arbeitgeber erwarten in diesem Jahr insgesamt ein Umsatzplus von 1,3 Prozent. Die öffentlichen Bauinvestitionen steigen demnach um elf Prozent auf 34,5 Milliarden Euro.
Der zweite Vorschlag des ZDB stößt ebenfalls nicht auf Gegenliebe: Künftig soll es bundesweit einen einheitlichen "Basislohn" geben, der nur noch so hoch ist wie der niedrigere Ostlohn. Hinzu kämen "Regionalzuschläge". Für den Osten könnten diese Zuschläge allmählich auf Westniveau steigen. Vorteil für Arbeitgeber: Tarifzuschläge würden nur den Basislohn erhöhen, "das bremst etwas die Lohnentwicklung im Westen", sagt Schroer. "Das werden wir nicht beschließen", betont Wiesehügel. Er sieht die Gefahr, dass die "Zuschläge abbröckeln", und die Westlöhne auf Ostniveau sinken.
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