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18. Februar 2015

Baumwolle: Weiß, weich und gefährlich

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Für viele Menschen ist die Baumwolle, mit all ihren Nebenwirkungen, die Lebensgrundlage.  Foto: rtr

Trotz der steigenden Nachfrage nach Bio-Baumwolle bessert sich die soziale und ökologische Situation in den 85 Baumwoll-Anbauländern weltweit nur sehr langsam, wie ein neuer Report des renommierten Worldwatch-Instituts aus Washington zeigt.

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Bio-Baumwolle ist zwar kein völlig exotisches Produkt mehr. Nicht nur traditionelle Ökoanbieter wie Hess Natur, auch große Kleidungs-Einzelhändler wie H&M, C&A oder Zara bieten Kollektionen aus ökologisch produzierter Baumwolle an. Sogar in der Haute Couture ist die grüne Alternative zu finden; die bekannte Designerin Stella McCartney zum Beispiel arbeitet mit der Bio-Faser. Doch der Anteil von Öko-Baumwolle auf dem Weltmarkt liegt immer noch bei unter einem Prozent. Und trotz der steigenden Nachfrage bessert sich die soziale und ökologische Situation in den 85 Baumwoll-Anbauländern weltweit nur sehr langsam, wie ein neuer Report des renommierten Worldwatch-Instituts aus Washington zeigt.

Die Baumwolle, aus konventionellem wie biologischem Anbau, ist mit einem Marktanteil von mehr als 50 Prozent der wichtigste Textil-Rohstoff weltweit. Die globale Produktion betrugt im Anbaujahr 2014/15 knapp 26 Millionen Tonnen. Die Anbaufläche, auf der die Malvenpflanze angebaut wird, beträgt rund 34 Millionen Hektar – das entspricht gut zwei Prozent der weltweiten Ackerfläche. Produktion und Verarbeitung bieten rund 100 Millionen Familien Arbeit und Einkommen. Größter Produzent ist Indien mit einem Marktanteil von rund einem Viertel, es folgen China, die USA, Pakistan, Brasilien, Usbekistan und die Türkei. Das einzige Land mit einer nennenswerten Produktion in der EU ist Griechenland.

Pestizide und Verschuldung

Das Washingtoner Institut weist besonders auf die gesundheitlichen und die damit verbundenen sozialen Probleme hin, unter denen die „Legionen von kleinen Baumwoll-Farmern rund um die Welt“ zu leiden haben. Beim Anbau werden große Mengen Pestizide eingesetzt, die akute und chronische Krankheiten auslösen können. Rund 16 Prozent des weltweiten Herbizid-Verbrauchs gehen Worldwatch zufolge auf das Konto der Baumwolle. Viele der Kleinbauern seien inzwischen hoch verschuldet. Die Gründe lägen in steigenden Kosten für Pestizide und genveränderte Samen, aber auch in Ernteausfällen aufgrund von Trockenheit und sinkenden Weltmarkt-Preisen für Rohbaumwolle. Besonders gravierend ist die Situation dem Institut zufolge in Indien. Das Institut: „Hohe Verschuldung hat dort nach Schätzung in den vergangenen zehn Jahren rund 100 000 Baumwoll-Bauern in den Selbstmord getrieben.“

Immenser Wasserverbrauch

Die Umweltschäden sind auch jenseits der Pestizidbelastung groß. So verbrauche der Baumwollanbau rund drei Prozent des weltweit im Agrarsektor eingesetzten Wassers, heißt es in dem Report. Baumwoll-Importe sind dadurch mit großen Mengen „virtuellen Wassers“ verbunden, sie haben, so das Institut, einen beachtlichen „Wasser-Fußabdruck“. Um eine Jeans zu produzieren, sind danach rund 10 850 Liter Wasser nötig, für ein T-Shirt 2720 Liter. Die beim Anbau eingesetzten Kunstdünger wiederum belasteten in vielen Regionen Flüsse und Grundwasser.

Unterstützenswert sind laut Worldwatch Initiativen wie die „Better Cotton Initiative“ (BCI), die Umwelt- und Gesundheitsschäden – etwa durch weniger Pestizideinsatz – verringern und die ökonomischen und sozialen Verhältnisse der Bauern und Landarbeiter verbessern wollen. „Allerdings wurden 2013 erst 3,7 Prozent der gesamten Baumwoll-Menge gemäß den BCI-Vorschriften produziert“, moniert das Institut. Das Ziel sei es aber immerhin, den Anteil bis 2020 auf ein Drittel zu erhöhen. „Solche Initiative bringen den Bauern viele Vorteile“, urteilt Worldwatch.

Umwelt- und Entwicklungsinitiativen indes sehen BCI nicht so positiv. Die Baumwolle aus diesen Systemen, die von Mode-, Sportartikel- und anderen Konzernen oft als „nachhaltige Baumwolle“ angepriesen werde, sei zwar besser als herkömmliche Ware. Doch es handele sich oft nicht um echte „Bio-Produkte“, bei denen Pestizid-Einsatz tabu ist.

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