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BDI zum Konjunktureinbruch: "Alarmsignal" für Politik

Die deutsche Wirtschaft ist im zweiten Quartal zum ersten Mal seit knapp vier Jahren geschrumpft. Die Bundesregierung hält das aber noch nicht für einen Beleg einer drohenden Rezession.

Die deutsche Wirtschaft ist im zweiten Quartal zum ersten Mal seit knapp vier Jahren geschrumpft.
Die deutsche Wirtschaft ist im zweiten Quartal zum ersten Mal seit knapp vier Jahren geschrumpft.
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Wiesbaden (dpa/rtr) - Die deutsche Wirtschaft ist im zweiten Quartal zum ersten Mal seit knapp vier Jahren geschrumpft. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ging kalender- und saisonbereinigt im Vergleich zum Vorquartal real um 0,5 Prozent zurück. Das teilte das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mit.

Einen so starken Rückgang hatte es zuletzt Anfang 2003 gegeben. 40 befragte Analysten hatten im Schnitt mit einem Minus von 0,8 Prozent gerechnet.

Bruttoinlandsprodukt

Für die wirtschaftliche Stärke eines Landes gibt es keinen besseren Gradmesser als das Bruttoinlandsprodukt. Dabei wird der Wert aller in Deutschland hergestellten Waren und erbrachten Dienstleistungen ermittelt.

2007 waren es 2,42 Billionen Euro. Mit rund 60 Prozent entfiel der Löwenanteil davon auf den privaten Konsum. Außerdem werden die Investitionen der Unternehmen, die Ausgaben des Staates und der Außenhandel zusammengefasst.

Deutschland ist die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt hinter den USA und Japan.

Das Statistische Bundesamt betreibt einen enormen Aufwand, um ein möglichst genaues Bild der Wirtschaft zu zeichnen. Selbst die durch Schwarzarbeit entstandenen Werte werden geschätzt, Eigenleistungen beim Hausbau und Trinkgelder hochgerechnet.

Es bleiben aber auch Lücken. Unbezahlte Heimarbeit wie die Betreuung der eigenen Kinder etwa wird nicht erfasst.

Der Bundesverband der deutschen Industrie (BDI) sieht in dem Konjunktureinbruch im Frühjahr ein "Alarmsignal" und fordert die Politik zum Gegensteuern auf. "Notwendig ist jetzt eine konsequente Strategie, um das Wachstumspotenzial der Wirtschaft nachhaltig zu steigern - auch bei Gegenwind", sagte BDI-Hauptgeschäftsführer Werner Schnappauf.

Bildung, Forschung und Infrastruktur müssten stärker gefördert werden. "Zudem muss der arbeitenden Mittelschicht durch niedrigere Steuern und Abgaben mehr Netto vom Brutto bleiben." Konjunkturprogramme lehnt der BDI aber ab.

Ein konjunkturelles Strohfeuer sei nicht notwendig, weil es "nach kurzem Auflodern nur einen Haufen Asche hinterlässt". Der BDI hält dennoch ein Wachstum von etwa zwei Prozent in diesem Jahr für möglich.

Zuletzt war die Wirtschaft im Sommer 2004 geschrumpft (-0,2 Prozent). Im ersten Quartal hatte sie mit 1,3 Prozent noch das stärkste Wachstum seit knapp zwei Jahren geschafft. Die Statistiker revidierten damit den bisherigen Wert von 1,5 Prozent leicht nach unten.

Der Rückgang ist allerdings auch eine Gegenbewegung zum ersten Quartal, das vor allem wegen des milden Winters und Steuereffekten gut ausgefallen war. Zugleich bremsten die Finanzmarktkrise, der starke Euro und der hohe Ölpreis. Einen Rückgang hatten die Statistiker zuletzt im dritten Quartal 2004 mit minus 0,2 Prozent verzeichnet.

Zu Jahresbeginn 2008 legte die Wirtschaft nach den neuesten Zahlen weniger stark zu als bislang berechnet. Das Wachstum betrug im ersten Quartal nur 1,3 Prozent statt der zunächst bekanntgegebenen 1,5 Prozent. Damit hat die Konjunktur deutlich an Schwung verloren.

Der private Konsum ging im Frühjahr ebenso zurück wie die Investitionen der Unternehmen. "Insbesondere die Bauinvestitionen waren deutlich niedriger", hieß es.

Experten hatten dies erwartet, nachdem wegen des milden Winters viele Bauprojekte bereits zu Jahresbeginn fertiggestellt werden konnten. Wachstumsimpulse kamen von April bis Juni lediglich vom Außenhandel - allerdings nicht, weil die Exporte so stark waren, sondern weil die Importe "signifikant" fielen.

Dadurch ergibt sich rein rechnerisch ein positiver Beitrag vom Außenhandel. Ausführliche Ergebnisse nennen die Statistiker am 26. August.

DIHK: Keine Rezession

Trotz des Rückschlags warnen Experten vor übertriebenem Konjunkturpessimismus. "Von Rezession zu reden, das ist nicht nur verfrüht, sondern völlig fehl am Platz", sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Martin Wansleben der "Passauer Neuen Presse". Die Bundesregierung könne die Konjunktur mit Steuersenkungen stützen.

Die meisten Experten erwarten auch in den kommenden Monaten eine schwache Konjunktur. Als wichtigste Gründe dafür gelten die geringere Nachfrage aus dem Ausland und die Kaufkraftverluste der Verbraucher durch die hohe Inflation.

Für das Sommerquartal halten Analysten ein leichtes Wachstum für möglich. "Wir erwarten eine Stabilisierung, auch weil die Ölpreise deutlich gesunken sind und der Euro schwächer geworden ist", sagte Dirk Schumacher von Goldman Sachs. "Das sollte helfen."

Für das gesamte Jahr 2008 rechnen Bundesbank und Institute mit einem Wachstum von etwa zwei Prozent, das sich 2009 auf rund ein Prozent halbieren dürfte. 2007 hatte die Wirtschaft noch um 2,5 Prozent zugelegt. 2006 waren es nach revidierten Angaben sogar 3,0 Prozent.

Der Eurokurs stieg nach Bekanntgabe der Daten vorübergehend wieder über die Marke von 1,49 Dollar.

Quartalsminus kein Anzeichen für Rezession

Die Bundesregierung sieht in der Schrumpfung der Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal keinen Beleg für eine drohende Rezession in Deutschland. "Keine Rezession, aber eine deutliche Abflachung des Wachstumstrends", sagte Wirtschaftsstaatssekretär Walther Otremba der Nachrichtenagentur Reuters. "Es ist nicht so schlimm gekommen, wie es nach manchen Prognosen hätte kommen können, aber es sieht auch nicht richtig gut aus", ergänzte er. Die Zahl entspreche ziemlich genau seinen letzten Erwartungen.

Im dritten Quartal rechnet Otremba ebenfalls mit keiner größeren Wachstumsdynamik. "Wenn wir in der Nähe von Null landen (bei der Veränderung des Bruttoinlandsprodukts), wäre das wohl ein vernünftiges Ergebnis." Auf die Frage, ob auch ein kleines Minus denkbar sei, antwortete er: "Das kann man zum heutigen Zeitpunkt nicht ausschließen."

Die Prognose der Regierung zum Wirtschaftswachstum von 1,7 Prozent in diesem Jahr muss nach der neuen BIP-Zahl nicht geändert werden. "Die ist für dieses Jahr damit gut abgesichert." Die Zahl könnte letztlich leicht darüber oder auch darunter liegen. Otremba warnte davor, bei den Löhnen jetzt stärkere Zuwächse zuzulassen, "weil das nur die Inflation treibt". Die Inflation müsse sorgfältig beobachtet werden.

Datum:  14 | 8 | 2008
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