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Beatrice Weder di Mauro: "Fehler der Gründungsväter rächen sich jetzt"

Die Wirtschaftsweise Beatrice Weder di Mauro über Versäumnisse der Euro-Gründungsväter, Bundesbankpräsident Axel Weber, die deutsche Angst vor einer Inflation und den europäischen Rettungsschirm.

Beatrice Weder di Mauro (45) ist die erste Frau im Sachverständigenrat, den sogenannten fünf Weisen. (Archivbild von 2004) Foto: dpa

Professorin Weder di Mauro, zu Wochenbeginn titelte ein Wirtschaftsmagazin: „Axel Weber geht, die Inflation kommt“. Müssen wir uns Sorgen machen?

(lacht) Nein. (lacht wieder) Sicher nicht. Das ist eine haltlose Unterstellung. Die Europäische Zentralbank (EZB) wird doch nicht von einem einzelnen Geldpolitiker dominiert, auch wenn er der Chef der Bundesbank ist. Das wichtigste Ziel der EZB lautet, die Inflation zu bekämpfen. Diese Haltung wird längst von allen Euro-Notenbankern geteilt.

Aber Axel Weber wäre schon ein glaubwürdiger Stabilitätswächter gewesen zur Beruhigung der Gemüter in Deutschland, die die Hilfen an Griechenland, Irland und Co. sowie die Vertiefung der Währungsunion sehr skeptisch sehen?

Die Symbolik wäre positiv gewesen. Da ist keine Frage. Doch Inflationsängste aus Webers Rückzug abzuleiten ist völlig verfehlt.

Muss der nächste EZB-Präsident ein Deutscher sein?

Das wichtigste Kriterium sollte die Qualifikation sein. Die Person ist entscheidend und nicht die Nationalität oder der Breitengrad, aus dem der Präsident kommt. Als EZB-Präsident muss man für ganz Euroland Verantwortung tragen. Da dürfen nationale Aspekte sowieso keine Rolle spielen. Das ist übrigens bei allen Ratsmitgliedern so, ganz gleich, welche nationale Zentralbank sie vertreten. Die EZB hat in den zwölf Jahren ihres Bestehens bewiesen, dass sie Geldpolitik für den Euroraum macht.

Zur Person

Beatrice Weder di Mauro (45) hält gleich mehrere Rekorde: Sie ist die erste Frau im Sachverständigenrat, den sogenannten fünf Weisen. Sie war das jüngste je berufene Mitglied und als gebürtige Schweizerin die erste Ausländerin im Gremium.

Die Professorin für Makro-Ökonomie an der Uni Mainz gilt im Rat als die Finanzexpertin. Bevor sie in den Olymp der deutschen Ökonomen einzog, arbeitet sie beim Internationalen Währungsfonds in Washington.

Die Mutter eines Sohnes ist aber nicht nur als theoretische Ökonomin unterwegs. Ganz praktisch übt sie seit 2010 im Aufsichtsrat des Dax-Konzerns Thyssen-Krupp die Kontrolle über das Management des Stahlkonzerns aus. Auch bei Hoffmann-La Roche sowie beim Versicherungskonzern Ergo hat sie Aufsichtsratsfunktionen übernommen. (heu)

Also spricht auch nichts gegen den Chef der italienischen Notenbank Mario Draghi?

Nein. Mario Draghi ist ein extrem kompetenter Zentralbanker, ein konservativer noch dazu. Einzigartig ist bei ihm die Kombination aus Erfahrung als Geldpolitiker einerseits und Erfahrung als Vorsitzender des Gremiums, das auf internationaler Ebene die Finanzsystemregulierung vorantreibt. Gerade letztere Qualifikation ist jetzt ganz entscheidend.

Warum?

Es geht darum, das European Systemic Risk Board mit Leben zu füllen. Diese Institution ist unlängst bei der EZB angesiedelt worden und soll systemische Risiken in Europa ausfindig machen beziehungsweise ihnen vorbeugen. Es soll nichts weniger leisten, als die nächste Krise zu verhindern. Um diese extrem wichtige Aufgabe erfolgreich umzusetzen, wäre Draghi sicher gut.

Den Deutschen wurde vor der Einführung des Euro viel versprochen von Ökonomen und Politikern, etwa, dass sie nie für die Staatsschulden anderer Länder aufkommen müssen, oder die Zentralbank niemals Staatsanleihen kaufen werde. Waren die Versprechen unrealistisch, oder war die Währungsunion falsch konzipiert?

Im Nachhinein ist ganz deutlich, dass in der Statik der Währungsunion einige Pfeiler gefehlt haben. Man hat sich drauf verlassen, dass man mit einem Pfeiler, der Haushaltsdisziplin, dem Stabilitätspakt, auskommt. Das war ein Fehler.

Welche Pfeiler hat man übersehen?

Zum einen die Wirtschaftspolitik. Sie muss zwischen den einzelnen Ländern enger verzahnt werden. Denn allen Euroländern fehlen zwei wesentliche Größen der Wirtschaftspolitik, um eigenständig zu agieren: der Zins und der Wechselkurs. Beide sind durch den Euro vereinheitlicht worden. Zum anderen hatte man übersehen, dass auch private Schulden Unheil anrichten können, nicht nur Staatsschulden. Und drittens ist die Anwendung des Prinzips, es wird nicht sein, was nicht sein darf, nie schlau.

Sie meinen die Zahlungsprobleme von Staaten?

Genau. Für diesen Fall haben die Gründungsväter einfach keine Vorkehrungen getroffen. Das rächt sich jetzt in der sogenannten Euro-Krise.

Die Etappen der Euro-Krise

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Die Finanzkrise - wie alles begann

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Deshalb musste der Rettungsfonds EFSF gegründet werden, der jetzt schon wieder aufgestockt werden soll. Ist das richtig?

Das Problem war, dass die Regierungschefs im Mai das Versprechen über 440 Milliarden Euro abgegeben haben. Durch die Ratingvorschriften ist das effektiv zur Verfügung stehende Volumen jedoch auf rund 250 Milliarden Euro geschrumpft. Das hat gleich wieder für Nervosität an den Finanzmärkten gesorgt. Deshalb begrüße ich es, dass die Länder den Fonds jetzt so ausstatten wollen, dass er auch mit 440 Milliarden Euro einspringen kann.

Soll der Fonds Anleihen von Wackelkandidaten kaufen dürfen, oder soll es die Notenbank tun?

Anleihen auf dem Sekundärmarkt zu kaufen, kann keine dauerhafte Aufgabe für den EFSF oder für die Notenbank sein. Dieses Instrument funktioniert nur kurzfristig, um den Märkten bei Spekulationsattacken zu signalisieren, dass sie übertreiben. Ich vergleiche den Anleihekauf in der Krise gerne mit der Intervention der Notenbanken am Devisenmarkt, als letztes Mittel, um Schwankungen zu reduzieren, Übertreibungen zu stoppen. Deshalb sollte die EZB dieses Instrument vorläufig noch nicht aus der Hand geben, solange der Krisenmechanismus noch im Aufbau ist.

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Datum:  18 | 2 | 2011
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