Weil der schwer angeschlagene Autozulieferer Schaeffler mit der Unterstützung von IG Metall und Betriebsrat rechnen kann, sind Personaleinsparungen von 250 Millionen Euro möglich. Dafür gibt's eine Gegenleistung.
Zur IG Metall kam Schaeffler mit rotem Schal.
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Zur IG Metall kam Schaeffler mit rotem Schal.
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Der ums Überleben kämpfende Autozulieferer Schaeffler kann bei geplanten Einschnitten nach drastischen Auftragseinbußen mit der Unterstützung von IG Metall und Betriebsrat rechnen.
Die Unternehmensführung und die IG Metall verständigten sich auf Personaleinsparungen in Höhe von 250 Millionen Euro in Deutschland. Sollten die Einsparungen gelingen, will der fränkische Familienkonzern bis Mitte 2010 auf betriebsbedingte Kündigungen verzichten.
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Eine entsprechende Vereinbarung sei nun mit IG Metall und Betriebsrat unterzeichnet worden, teilten die Schaeffler-Gruppe und die IG Metall am Dienstag in Herzogenaurach mit.
Schaeffler hatte sich bei der Conti-Übernahme verhoben und leidet inzwischen auch unter Auftragseinbrüchen wegen der Absatzkrise der Autoindustrie. Auf dem Unternehmen lasten nach der Conti-Übernahme Schulden von rund zwölf Milliarden Euro. Das nun vereinbarte Einsparvolumen von 250 Millionen Euro entspricht nach Schaeffler- Angaben bundesweit rund 4500 Stellen. Derzeit beschäftigt der Konzern weltweit rund 66.000 Männer und Frauen, davon 28.000 in Deutschland.
Schaeffler/Conti - eine tränenreiche Ehe
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Schaeffler/Conti - eine tränenreiche Ehe
Es ist die Solidarität ihrer Angestellten, die Schaeffler gerührt hat, teilt sie mit. "In einer so schwierigen Situation, wenn die Menschen so eindrucksvoll zueinander stehen, kann schon ein Mal eine Träne fließen. Dafür muss man sich nicht schämen", lässt sich die 67-Jährige zitieren. 5000 Beschäftigte demonstrieren an dem Tag der Gefühlswallung für eine staatliche Überbrückungshilfe für das angeschlagene Unternehmen. Da steigt die Stimmung auch bei der Eigentümerin wieder...
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Sind auf einem Bild noch die Tränen zu sehen, zeigt Schaeffler auf einer weiteren Aufnahme schon wieder lächelnd die Zähne. In der fränkischen Heimat weiß sie noch viele Unterstützer hinter sich. Während die Belegschaft durch Herzogenaurach zieht, schließen sich Einwohner der Demonstration an, Speditionen flankieren einen Teil der Wegstrecke mit ihren Lastwagen. In der Politik bekommt Schaeffler weniger Beistand.
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Man könne nicht "im Nerzmantel nach Staatshilfe rufen", kontert Bundesarbeitsminister Olaf Scholz (SPD) Schaefflers Bitte um Unterstützung aus Berlin. Schaefflers stets mondänes Auftreten - hier bei einem Empfang im Januar in Kitzbühl - erweist sich in der selbst mitverschuldeten Krise als kontraproduktiv. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) will nicht die "Zeche für riskante Entscheidungen zahlen." Deshalb sucht Schaeffler neue Verbündete und findet sie...
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Maria-Elisabeth Schaeffler rückt an die Gewerkschaften ran - und kommt zu einer Pressekonferenz sogar in die Frankfurter IG-Metall-Zentrale. Sie verkündet den Schulterschluss mit Gewerkschaftschef Berthold Huber. Die IG Metall ruft nun laut mit nach Staatshilfe für Schaeffler, das Unternehmen stärkt im Gegenzug die Mitbestimmung, will weiter Tariflöhne zahlen und Entlassungen vermeiden.
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Trotz des Paktes mit der IG Metall könnte Schaeffler bald rot sehen. Die Continental-Übernahme ist auf Pump finanziert, die Schulden betragen mehr als zehn Milliarden Euro. Um die Pleite abzuwenden, will sich Familie Schaeffler von einem "wesentlichen Teil" ihres Eigentums an der Firma trennen. Unklar ist, wie viel das sein wird - klar ist jedoch: Die Not des Unternehmens ist groß.
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Der Weg ins Übel beginnt im März 2008. Mit Hilfe der Bank Merrill Lynch pirscht sich Schaeffler an den deutlich größeren Autozulieferer Continental heran. Während das Konzern-Management in Hannover ahnungslos ist, schließt Schaeffler Swap-Geschäfte, um zugriff auf Conti-Aktien zu bekommen. Deals mit anderen Banken folgen.
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Am 11. Juli 2008 wird es ernst für Continental. Zu Gast in Hannover ist eine Delegation aus Herzogenaurach. Schaeffler eröffnet den Konzern seinen Übernahmeplan. Sie haben sich durch Optionsgeschäfte zu diesen Zeitpunkt schon den Zugriff auf gut ein Drittel der Conti-Aktien gesichert. Continental ist vor allem als Reifenproduzent bekannt. Über die Jahre hat sich der Konzern aber zum Allrounder unter den Autozulieferern gemausert. Die Produktpalette reicht von Bremssystemen bis zu komplexen Elektronikschaltungen. Schaeffler ist bereit, dafür viel Geld zu zahlen...
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Schaeffler bietet erst 63,73 Euro pro Anteil, später sogar 75 Euro. Deutlich mehr Aktionäre als erwartet nehmen die Offerte an, zumal der Wert der Conti-Aktien in der Krise nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman einbricht. Schaeffler muss 75 Euro zahlen für Papiere, die kaum mehr 20 Euro wert sind. Folge: Das Unternehmen rutscht in die Schulden. Und im Hause Conti wartet kein freundlicher Empfang...
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Der damalige Vorstandschef Manfred Wennemer spricht sich offen gegen die Übernahme aus. Auf eigenen Wunsch scheidet er schließlich aus dem Amt. Wennemer hat in seiner Amtszeit Conti konsequent an Kostengesichtspunkten ausgerichtet, Produktionszweige auch in Niedriglohnländer verlegt. Sein letzter Coup, die Übernahme der Siemens-Sparte VDO, verläuft weniger glücklich. Nach Wennemer verlassen weitere Manager den Konzern.
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Einer, der ebenfalls geht, ist Conti-Finanzvorstand Alan Hippe. Er wechselt zu Thyssen-Krupp. Medienberichten zufolge hat sich Hippe von dem Stahlkonzern abwerben lassen. Für seinen alten Arbeitgeber gibt er noch eine düstere Einschätzung: "Wenn man sich das Gesamtsystem Schaeffler-Continental anschaut, dann wird relativ evident, dass Eigenkapital fehlt", sagt Hippe. Und auch im Conti-Aufsichtsrat rumort es.
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Der damalige Chefaufseher Hubertus von Grünberg, der Schaeffler erst wohlwollend gegenüber steht, gerät zunehmend in Konflikt mit den Franken. Letzter Streitpunkt ist, dass das Familienunternehmen die eigene Autoteile-Sparte mit der von Conti zusammenführen und dort Schulden abladen will. Grünberg stellt seinen Aufsichtsratsvorsitz zur Verfügung, bleibt aber einfaches Mitglied im Gremium. Den Chefposten übernimmt ein Schaeffler-Vertrauter.
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Rolf Koerfer (links) soll künftig auf die Geschäfte von Conti wachen. Der Justiziar der Schaeffler-Gruppe gilt als Spezialist für Fusionen. Mit ihm ziehen Schaeffler-Eigentümerin Maria-Elisabeth Schaeffler (rechts), ihr Sohn Georg Schaeffler und Schaeffler-Geschäftsleiter Jürgen Geißinger in den Conti-Aufsichtsrat ein.
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Jürgen Geißinger, der Vorsitzende der Geschäftsleitung bei Schaeffler, hat das Familienunternehmen erst zu der Stärke geführt, die es in die Lage versetzt, nach der Macht bei Conti zu greifen. Unter seiner Führung hat sich der Umsatz bei Schaeffler mehr als verdreifacht. Die Fusion mit Conti stellt eine neue gewaltige Aufgabe.
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Ein Umbau bei Conti-Schaeffler scheint nötig. Die Reifensparte - Keimzelle des Konzerns aus Hannover - soll möglicherweise verkauft werden. Mit der Vorbereitung dieses Geschäfts ist Ex-Aufsichtsratschef Hubertus von Grünberg beauftragt.
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Von der forschen Unternehmenslenkerin zur Bittstellerin - Zusammen mit ihrem Sohn Georg buhlt Maria-Elisabeth Schaeffler indes um Hilfe: "Es geht bei unseren Gesprächen mit der Politik um eine zeitlich begrenzte Überbrückung in einer besonderen Ausnahmesituation für ein Unternehmen, das im Kern gesund ist."
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Die Schaefflers teilen mit, sie seien bereit, sich von einem Teil ihres Vermögens zu trennen, um die Verschuldung des Unternehmens zurückzuführen. Nach einer Überbrückungsphase mit Staatshilfe sollen Investoren in die Gruppe geholt werden, deren Geschichte mit der Gründung der Gesellschaft INA - die Abkürzung steht für Industriewerk Schaeffler Nadellager - begann.
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Die Fusion der traditionsreichen Unternehmen Continental und Schaeffler sollte eine Erfolgsgeschichte werden. Der nach Bosch und Denso drittgrößte Autozulieferer der Welt sollte entstehen. Ob das Reifengeschäft Teil des Zusammenschlusses bleibt, ist ungewiss. (Text: Timo Kotowski)
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Die Tränen der Maria-Elisabeth S. gehen durch die Medien - bei einem Auftritt vor Beschäftigten der Schaeffler-Gruppe in Herzogenaurach werden der Eigentümerin und Gründer-Witwe Maria-Elisabeth Schaeffler die Augen feucht. Ist es wegen der Sorge um die Zukunft des Unternehmens, das sich mit seinem aggressiven Einstieg beim Continental-Konzern wohl verhoben hat? Schaeffler selbst hat eine eigene Erklärung für den Gefühlsausbruch...
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Der zwischen Schaeffler und IG Metall vereinbarte Maßnahmenkatalog sieht unter anderem Arbeitszeitverkürzungen ohne Lohnausgleich, den weiteren Einsatz von Kurzarbeit, freiwillige Aufhebungsverträge, Altersteilzeit und die Kürzungen von Einmalzahlungen.
Aufsichtsrat wird eingeführt
Beschäftigte, die wegen fehlender Aufträge in der Produktion nicht mehr benötigt werden, sollen in einer sogenannten Transfergesellschaft weiter beschäftigt und dort fortgebildet werden.
Als wichtiges Zugeständnis der Schaeffler-Eigentümer gegenüber den Gewerkschaften gilt die Einführung der Unternehmensmitbestimmung.
Demnach soll ein Aufsichtsrat, der jeweils zur Hälfte aus Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertretern besteht, eingeführt werden.
Bisher war der in Familienbesitz befindliche Wälzlager-Hersteller und Autozulieferer dazu nicht verpflichtet. Auch plant das Unternehmen eine Kapitalbeteiligung von Beschäftigten. In beiden Punkten müssten aber noch die Details geregelt werden.
"Diese Vereinbarung ist das konkrete Ergebnis intensiver und konstruktiver Verhandlungen aller involvierter Parteien, stets mit dem Ziel, die notwendigen Kostensenkungen für 2009 ohne betriebsbedingte Kündigungen zu realisieren", sagte Schaeffler-Chef Jürgen Geißinger laut Mitteilung.
Der erste Vorsitzende der IG Metall, Berthold Huber, erklärte nach der Unterzeichnung: "Mit dieser Vereinbarung gewinnen wir Zeit. Es ist die richtige Antwort auf den massiven Konjunktureinbruch, der besonders die Metallindustrie trifft. Die Familie Schaeffler hat mit dieser Vereinbarung zur Beschäftigungssicherung unter Beweis gestellt, dass sie zu der vor drei Monaten mit der IG Metall unterzeichneten Zukunftsvereinbarung steht."
Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende der Schaeffler KG, Norbert Lenhard, sieht in der vereinbarten Beschäftigungssicherung eine wichtige Garantie für die Belegschaften im künftigen Konzernverbund mit Continental.
Die Automotive-Sparte von Schaeffler hatte im ersten Quartal 2009 einen Geschäftsrückgang von 33 Prozent im Vergleich zum Vorjahr verzeichnet; dieser habe sich inzwischen auf einem um 25 Prozent niedrigeren Niveau stabilisiert, hatte das Unternehmen Mitte Mai berichtet. Auch die Industriesparte, in der die Schaeffler Gruppe 40 Prozent ihrer Umsätze erzielt, musste im ersten Quartal ein Minus von 12 Prozent gegenüber dem Vorjahr verkraften. Die derzeitige Umsatzerwartung für 2009 liegt den Angaben zufolge bei rund 7,5 Milliarden Euro. Die Schaeffler-Gruppe geht davon aus, dass die Märkte erst wieder in den Jahren 2012 oder 2013 das Niveau von 2008 erreichen. (dpa)