Befristete Arbeitsverträge haben Experten zufolge oft Nachteile - für Beschäftigte und Unternehmen. Der Frankfurter Arbeitspsychologe Dieter Zapf sagte der FR, Hauptproblem sei, dass befristete Beschäftigungsverhältnisse für die Mitarbeiter "mit einer hohen Unsicherheit behaftet" seien. "Diese Arbeitsplatzunsicherheit ist eine Belastung."
Die Bedrohung des psychischen Wohlbefindens unterscheide sich stark, je nachdem in welcher Situation man sich befinde. "Wenn jemand Mitte 30 ist und eine Familie hat, sind die Belastung und der Stress wesentlich höher."
Doch nicht nur die Unsicherheit sei problematisch. Bei einer befristeten Beschäftigung leide außerdem "die Wertschätzung, die ein Arbeitnehmer für seine Tätigkeit erwartet". So wie die Firma von dem Mitarbeiter Einsatzbereitschaft voraussetze, erwarte dieser Fairness.
"Wenn ich nur befristet beschäftigt bin und jemand, der das Gleiche tut, einen Dauervertrag hat, ist die Ungleichbehandlung offensichtlich." Viele akzeptierten das nur, weil ihnen die Alternative fehlt.
Zapf, Professor für Arbeits- und Organisationspsychologie an der Universität Frankfurt, ist der Ansicht, dass sich die Firmen deshalb selbst keinen Gefallen tun, wenn sie auf befristete Jobs setzen. Die Wirkung könne "absolut kontraproduktiv" sein. "Das wirkt manchmal so, als würden die Unternehmen alles tun, um die Mitarbeiter zu demotivieren. Dabei müssten sie an motivierten Mitarbeitern interessiert sein."
Peter Hartlaub, Bundessprecher der katholischen Betriebsseelsorge, hält das Ausmaß befristeter Beschäftigung auch für die Gesamtbelegschaft für sehr gefährlich. Die prekär Beschäftigten seien oft eher bereit, Dinge zu tun, die die Restbelegschaft verweigere, etwa Überstunden zu leisten oder Abstriche beim Arbeitsschutz hinzunehmen, berichtete Hartlaub im Gespräch mit der FR. Dies sei ein "Sprengsatz" für den Betrieb.
Zentrales Problem sei aber, dass mit den befristeten Jobs den Arbeitnehmern "jegliche Lebensplanung unmöglich gemacht wird". Vor allem junge Menschen litten darunter, beklagt Hartlaub. Sie wüssten etwa nicht, ob es sich lohne, sich an ihrem Arbeitsort niederzulassen oder Kontakte aufzubauen. Hinzu kämen ganz praktische Probleme: "Wenn man einen Kredit für ein Auto braucht, hat man mit einem befristeten Vertrag schlechte Karten."
Dagegen hält der Verband Deutscher Betriebs- und Werksärzte, der sich auch mit den psychischen Problemen der Beschäftigten befasst, befristete Verträge nicht "per se für problematisch". "Entscheidend ist, ob es eine sachliche Begründung für die Befristung gibt", sagte der Präsident des Verbandes, Wolfgang Panter, der FR.
Wenn es die gebe, "werden alle damit besser umgehen können". Wichtig sei auch, dass das Unternehmen mit offenen Karten spiele. Panter vertritt die Ansicht, dass "gerade bei jungen Menschen die Wechselwilligkeit viel größer" sei als früher.
Viel problematischer sei dagegen die Leiharbeit. Dort sei die psychische Belastung für die Beschäftigten wesentlich größer: "Teilweise bekommen sie niedrigere Löhne für die gleiche Arbeit. Und es kann sein, dass sie am nächsten Tag ihre Arbeit nicht mehr aufnehmen können."
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