Rund 21 Millionen Verträge über private Zusatzpolicen zur Krankenversicherung haben Deutsche abgeschlossen. Das bedeutet rechnerisch: Fast jeder vierte hat eine.
Eine schöne Einnahmequelle für die Unternehmen, denen diese Zusatzversicherungen 2009 etwa sechs Milliarden Euro in die Kassen spülten. Private Krankenversicherungen erwirtschaften so mittlerweile fast ein Fünftel ihrer Jahresbeiträge.
Allerdings sind viele dieser Zusatzpolicen nur von begrenztem Nutzen oder gar komplett sinnlos, schreibt Stiftung Finanztest in ihrem Januar-Heft.
Besonders weit verbreitet sind Zahnzusatzversicherungen, denn die Kassen zahlen für viele teure Arbeiten im Mund nur einen Festbetrag, der häufig selbst für Standardeingriffe nicht ausreicht. Wenn man dann auch noch Zusatzleistungen haben möchte, damit etwa das Lächeln mit einem Implantat statt einer Brücke schön bleibt, sind schnell etliche tausend Euro fällig.
Auf den Tarif kommt es an
Wem der Zahntourismus gen Osten zu unsicher ist, der kann sich mit einer Zusatzversicherung helfen. Stiftung Finanztest weist aber darauf hin, dass die Auswahl des richtigen Tarifs und Anbieters wichtig ist, damit auch von hohen Kosten ein ausreichender Anteil übernommen wird.
Viele Verträge sind laut Stiftung Warentest schwer durchschaubar. Vorsicht, wenn Versicherer mit hohen prozentualen Erstattungen werben. Die gelten oft nur für einen kleinen Teil der Behandlung.
Ihren Bedarf ermitteln Versicherte am besten, wenn sie vor Abschluss prüfen, ob sie im Krankheitsfall ohne Zusatzversicherung finanziell in Bedrängnis kommen würden. (ust)
Ergänzungspakete bieten Zusatzschutz für verschiedene Leistungen wie etwa Zahnersatz, Heilpraktiker sowie Brille oder Kontaktlinsen. Sinnvoll sei das meist nur für Menschen, die regelmäßig zum teureren und von der Kasse überhaupt nicht bezahlten Heilpraktiker gehen. Aufpassen: Je nach Tarif werden zwischen 20 und 80 Prozent der Kosten übernommen, meist versehen mit einer Jahresdeckelung von 400 bis 800 Euro.
Einziges Muss unter den Zusatzversicherungen ist laut Finanztest die Krankenversicherung für Auslandsreisen, denn außer in der EU und wenigen anderen europäischen Staaten steht der Krankenversicherte überall ohne Versicherungsschutz da. Auch einen Rücktransport muss er selbst zahlen.
Gut versichert für zehn Euro
Gute Jahresverträge, die für maximal sechs Wochen Auslandsaufenthalt im Jahr gelten, gibt es schon von jährlich zehn Euro an. Meistens nicht so sinnvoll sind hingegen Krankenhauszusatzversicherungen oder Policen für Krankenhaustagegeld. Erstere ermöglicht es Kassenpatienten, sich wie privat Versicherte behandeln zu lassen. Sie empfiehlt sich laut Finanztest nur dann, wenn Kranken tatsächlich die Behandlung durch den Chefarzt persönlich am Herzen liegt.
Wer sie hingegen nur abschließt, um im Einzel- oder Zweier-Zimmer zu liegen, ist nicht gut beraten, denn den Aufpreis dafür könne man auch gut selbst bezahlen, hier lohne sich die Versicherung meist nicht.
Die Krankenhaustagegeldversicherung könne Selbstständigen die Existenz sichern, wenn sie längere Zeit arbeitsunfähig seien, raten die Experten von Finanztest. Angestellte benötigen sie hingegen oft nicht, weil sie in den ersten sechs Wochen Lohnfortzahlung erhalten und danach meist Krankengeld von der Kasse.
Krankenhaustagegeldversicherungen zahlen nur bei stationärer Aufnahme. Angestellten bescheren sie im Krankenhaus zwar ein Taschengeld, „sind aber überflüssig“, urteilt Finanztest.
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