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Belastungsprobe: Mehr Stress für die Banken

Die europäische Bankenaufsicht veröffentlicht die endgültigen Testkriterien für die Banken-Stresstests. Die Belastungsprobe für Europas Geldhäuser ist deutlich verschärft. Der Bankenverband warnt vor einer Überbewertung der Ergebnisse.

Blick auf die Frankfurter Skyline mit den Hochhäusern der Banken.
Blick auf die Frankfurter Skyline mit den Hochhäusern der Banken.
Foto: dpa

Ab heute wird in Europas Banken wieder gerechnet was das Zeug hält – denn der neue EU-Stresstest beginnt. Die Belastungsprobe soll klären, ob die 88 wichtigsten Geldhäuser der Gemeinschaft auch unter widrigen konjunkturellen Bedingungen in den kommenden zwei Jahren ausreichend kapitalisiert sind.

Dazu veröffentliche die europäische Bankenaufsicht EBA am heutigen Freitag die endgültigen Testkriterien und verschickt die Fragebögen an die Banken. Auf deutscher Seite nehmen in diesem Jahr 13 Institute an dem Test teil, eins weniger als vor einem Jahr, weil die Postbank seit Dezember mehrheitlich Teil der Deutschen Bank ist.

Die Szenarien, denen die Institute beim neuen Stresstest ausgesetzt werden, wurden gegenüber 2010 deutlich verschärft. So wird von einer schweren Rezession ausgegangen – laut Bankenverband (BdB) wird im Euroraum ein aggregierter Einbruch des Bruttoinlandsprodukts (BIP) über zwei Jahre von 4,0 Prozent, für Deutschland ein Rückgang über zwei Jahre von 4,6 Prozent durchgespielt (Vorjahr: 3,0 und 3,3 Prozent). Außerdem wird eine Verschärfung der europäischen Schuldenkrise, mit den einhergehenden Wertverlusten bei Staatsanleihen und einem Absturz der Börsen in der Euro-Zone um durchschnittlich 15 Prozent simuliert. Vor dem Staatsbankrott eines EU-Landes macht der Stresstest allerdings halt – ein Punkt, der bereits im Vorfeld zu viel Kritik geführt hat. Denn angesichts der griechischen Überschuldung scheint ein Totalausfall von Staatsanleihen nicht mehr unmöglich. Der BdB begrüßte gestern diese Entscheidung. Eine Staatspleite sei in den kommenden zwei Jahren ausgeschlossen, da die Mitglieder vom europäischen Rettungsschirm aufgefangen würden, sagte Dirk Jäger, Bilanzierungsexperte und Mitglied der Geschäftsführung des BdB.

Kapitalfrage noch ungeklärt

Noch offen ist die zentrale Frage, wie hoch die Hürde sein wird, die die Banken überspringen müssen, sprich: wie viel Kapital unter den Testbedingung übrig bleiben muss und welcher Qualität dieses Kapital zu sein hat. Sicher ist nur, dass die Anforderungen schärfer sein werden als im vergangenen Jahr, das hat die EBA bereits angekündigt.

2010 durfte die Kernkapitalquote, zu der auch stille Einlagen hinzugerechnet werden, nicht unter sechs Prozent fallen. Das war aber von den Finanzmärkten als zu lax eingestuft worden – nur sieben der 91 Häuser waren durchgefallen. Darunter war keine irische Bank, dennoch musste das Land später Milliarden in das Finanzsystem pumpen.

Um die Definition des Kapitals wird derzeit noch heftig gerungen. Die deutschen Regulierer und Banken dringen darauf, dass auch im neuen Stresstest die stillen Einlagen zum Kernkapital zählen. Denn hierzulande ist die stille Einlage ein wichtiges Finanzierungsmittel; vor allem die Landesbanken und auch die staatlich gestützte Commerzbank kämen in arge Bedrängnis, wenn sie bei den Tests nicht mitgerechnet werden dürfte.

Deshalb baut der BdB bereits vor und warnt davor, die Ergebnisse der Belastungsproben überzubewerten. „Die Stresstests liefern der Aufsicht zwar wichtige Informationen über das Bankensystem, sie geben aber keinen Aufschluss darüber, ob einzelne Banken ein tragfähiges Geschäftsmodell haben“, sagte BdB-Geschäftsführer Michael Kemmer gestern. Da es sich um ein hypothetisches Szenario handele, wäre es falsch, von dem Ergebnis automatisch auf höhere Kapitalanforderungen für Banken zu schließen.

Autor:  Antje Schüddemage
Datum:  17 | 3 | 2011
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