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05. März 2013

Berlin-Reinickendorf: Tetra Pak packt in Berlin ein

 Von Daniel Baumann
Die Nachfrage nach den Getränkekartons von Tetra Pak in Deutschland sinkt.Foto: picture-alliance/obs

Wegen sinkender Nachfrage will die Verpackungsfirma Tetra Pak ihr Berliner Werk schließen. Das hat das Unternehmen am Montag mitgeteilt. Fast 200 Mitarbeiter würden ihren Job verlieren.

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Berlin –  

195 Mitarbeiter des Tetra-Pak-Werkes in Berlin-Reinickendorf sollen zum Jahresende ihren Arbeitsplatz verlieren. Das Unternehmen mit Sitz in der Schweiz begründet die Entscheidung mit einer sinkenden Nachfrage nach den bekannten Papierverpackungen für Milch, Säfte und andere Lebensmittel. Die Gewerkschaft Verdi nannte die Entscheidung unverständlich und inakzeptabel.

Die Beschäftigten im Tetra Pak-Werk in Reinickendorf bedrucken, beschichten und schneiden Rohpapier aus skandinavischen Papiermühlen so, dass daraus Getränkekartons entstehen. 3,8 Milliarden Verpackungen haben das Werk nach Unternehmensangaben im vergangenen Jahr verlassen. 60 Prozent davon wurden in das europäische Ausland exportiert, 40 Prozent auf dem deutschen Markt verkauft. Neben dem Werk in Reinickendorf hat Tetra Pak ein zweites deutsches Werk im hessischen Limburg. Dieses soll von den Abbauplänen verschont bleiben.

Die geplante Schließung des Berliner Werkes begründet das Unternehmen mit dem „äußerst schwierigen“ Marktumfeld in Deutschland. Die sinkende Nachfrage nach Getränkekartons in Deutschland habe in den beiden deutschen Werken zu erheblichen Überkapazitäten geführt, die unnötige Kosten verursachten und die Wettbewerbsfähigkeit im deutschen Markt schwächten. Seit 2004 sei der Absatz von Tetra Pak-Getränkekartons von damals 7,5 Milliarden Packungen im Jahr auf heute rund 4,7 Milliarden Packungen gesunken.

Beide Werke seien groß genug, um den deutschen Markt jeweils alleine bedienen zu können. Da sei es offensichtlich, dass es nicht mehr länger beide brauche, so das Unternehmen. Als Ursachen für den Absatzschwund nennt Tetra Pak unter anderem die intensive Konkurrenz der Kunststoffindustrie und anderer Getränkekartonhersteller. Dass nun das Berliner Werk abgewickelt werden soll und nicht das in Limburg, erläutert eine Tetra Pak-Sprecherin damit, dass der Berliner Standort an der Kapazitätsgrenze arbeiten würde. In Spitzenzeiten oder bei einem Ausfall eines anderen Werkes bestünden anders als in Limburg keine Reserven. Bliebe Berlin als einziges deutsches Werk erhalten, müsste dieses deshalb ausgebaut werden. Dies mache betriebswirtschaftlich keinen Sinn, so die Sprecherin. Zudem würden in Limburg vier Produkte produziert, die sonst international nirgendwo gefertigt würden.

Verdi ruft nach Senat

Für die Mitarbeiter, die ihre Arbeit verlieren sollen, ist das bitter. „Sie haben wirklich gut gearbeitet“, sagt eine Sprecherin. Es handelt sich um viele gut qualifizierte Mitarbeiter, zum Beispiel Maschinenführer und Druckformenbauer. Das Unternehmen will nun mit den Berliner und europäischen Betriebsräten über die Schließung verhandeln. Die Argumente für das Ende des Berliner Standorts hält die Sprecherin allerdings für „stichhaltig“, was den Mitarbeitern wenig Hoffnung machen dürfte, dass die Geschäftsführung sich von den Plänen noch einmal abbringen lässt.

Die Gewerkschaft Verdi nennt die Pläne nicht nachvollziehbar und inakzeptabel. „Die Mitarbeiter werden es natürlich schwer haben, in Berlin und Umland einen neuen Job zu finden“, sagte Verdi-Bereichsleiter Andreas Köhn. „Das ist ein weiterer Schritt zur Deindustrialisierung Berlins. Hier ist auch der Senat gefragt.“

Die Tetra Pak-Geschäftsleitung verspricht derweil, die betroffenen Mitarbeiter nach Kräften zu unterstützen. „Wir sichern jedem Mitarbeiter sozialverträgliche Lösungen zu“, so der Berliner Werksleiter Raul Schweinitz. Außerdem werde Tetra Pak Abfindungen für alle Mitarbeiter vorschlagen und ihnen individuelle Unterstützung bei der Arbeitsplatzsuche anbieten.

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