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Bestechungsvorwürfe: Jagd auf Daimler in den USA

In der Bestechungsaffäre ist ein Vergleich zwischen Daimler und der US-Justiz im Gespräch. Mit 185 Millionen Dollar wollen sich die Deutschen freikaufen. Von Felix Wadewitz

Dunkle Wolken über dem Mercedes-Stern: Der Autobauer  steht unter Korruptionsverdacht.
Dunkle Wolken über dem "Mercedes-Stern": Der Autobauer steht unter Korruptionsverdacht.
Foto: ddp

New York. Eigentlich lief es wieder gut für Daimler in den USA: Im Januar verkaufte Mercedes dort dank der neuen E-Klasse 45 Prozent mehr Autos als im Vorjahr. Im Februar setzte sich der Aufwärtstrend fort. Doch dann kam der März. Erst verlor der europäische Flugzeugkonzern EADS, der Daimler zu einem Fünftel gehört, alle Hoffnung auf einen lukrativen Multi-Milliarden-Dollar-Auftrag zum Bau von Tankflugzeugen für die USA. Nun steht Daimler auch noch unter Korruptionsverdacht. Die Affäre erinnert den Stuttgarter Konzern unsanft an die gescheiterte Ehe mit dem US-Autobauer Chrysler.

Das US-Justizministerium klagt Daimler wegen Bestechung rund um den Globus an. In 22 Länder soll sich Daimler-Chrysler zwischen 1998 und 2008 das Wohlwollen von einflussreichen Regierungsvertretern erkauft haben, um an Staatsaufträge zu kommen. Schmiergeld für ausländischer Amtsträger sei demnach üblich gewesen. Schmutziges Geld soll unter anderem nach Griechenland, Russland und in die Türkei geflossen sein. Allein in China soll Daimler 4,2 Millionen für Geschenke und Reisen für Regierungskader locker gemacht haben. Auch der Irak steht auf der Liste der Ermittler, die Daimler bereits seit dem Jahr 2004 auf den Fersen sind.

Daimler selbst hat ein Jahr später in seinem Unternehmensbericht unrechtmäßige Zahlungen angedeutet und einen ehemaligen FBI-Boss für die internen Ermittlungen angeheuert.

In den USA können internationale Konzerne wegen Korruption belangt werden, wenn sie wie Daimler in Amerika an der Börse notiert sind oder Anteile an US-Unternehmen halten. In der offiziellen Klageschrift ist nun von Offshore-Konten die Rede, über die das Geld an die Günstlinge geflossen sein soll. Einige dieser Konten seien in den USA oder über US-Töchter registriert gewesen. 200 dunkle Konten, manche davon außerhalb aller Bilanzen, existierten zum Zeitpunkt der Fusion mit Daimler im Jahr 1998, so die Ermittler. Daimler-Manager hätten Codeworte für die Geschäfte entwickelt, um nicht von Bestechung sprechen zu müssen.

Am 1. April soll es nun eine Verhandlung vor einem Gericht in Washington geben. Vorher will sich Daimler offiziell nicht äußern. Um die Sache möglichst schnell aus der Welt zu schaffen, will der Konzern dem Vernehmen nach eine Geldbuße zahlen: Mit 185 Millionen Dollar wollen sich die Deutschen freikaufen. Die Daimler-Tochterfirmen in Deutschland und Russland würden sich schuldig bekennen, berichtet das Wall Street Journal. Der zuständige Richter muss diesem Vergleich noch zustimmen. Daimler könnte damit dem Schicksal von Siemens entrinnen. Der Konzern war durch seine Schmiergeldaffäre in den USA monatelang gelähmt.

Unabhängig von Daimlers Fehlverhalten hat das Vorgehen der US-Regierung in den Augen von Kritikern einen faden Beigeschmack: Denn der Daimler-Konkurrent General Motors (GM) gehört nach seiner Pleite zu 60 Prozent dem Staat und wird bereits als "Government Motors" verspottet. Dieser Interessenkonflikt zeigte sich zuletzt auch bei Toyota. Als die Japaner mit vermeintlichen Sicherheitspannen ihrer Autos kämpften, kritisierten vor allem Parlamentsabgeordnete mit Nähe zu GM und Co. den japanischen Hersteller besonders laut.

Kommentar S. 11

Autor:  Felix Wadewitz
Datum:  25 | 3 | 2010
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