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Betriebsräte: Gemischte Gefühle

Gemischte Gefühle bei den deutschen Gewerkschaften: Zwar ist der Organisationsgrad der Betriebsräte gestiegen, allerdings von ihnen gibt es insgesamt deutlich weniger. Von Roland Bunzenthal

Betriebsräte gibt es in immer weniger deutschen Unternehmen.
Betriebsräte gibt es in immer weniger deutschen Unternehmen.
Foto: dpa

Berlin. Die Ende Mai abgeschlossenen Wahlen zu den Betriebsräten in Deutschland haben für die Gewerkschaften ein gemischtes Ergebnis gebracht. Einerseits ist der Organisationsgrad der gewählten Betriebsräte noch gestiegen, andererseits gibt es insgesamt deutlich weniger Belegschaftsvertreter als vor vier Jahren. Das berichtet der zuständige Bereichsleiter der IG Metall, Peter Donath, im Gespräch mit der FR.

Danach ist die Zahl der mitbestimmten Metall- und Elektro-Betriebe seit 2006 um etwa ein Zehntel auf noch knapp 10.000 geschrumpft. Laut Donath sind dafür Zusammenlegungen von Betriebsteilen, Fusionen und etliche Pleiten daran schuld. Der Rückgang fiel sogar noch stärker aus, wurde aber teilweise kompensiert, weil die Gewerkschafter erstmals in 765 Betrieben die Mitbestimmung einführen konnten.

Diesmal hatten oppositionelle Kandidaten noch weniger Chancen als früher. Das gilt sowohl für die christlichen Gewerkschaften, die weniger als ein halbes Prozent der Sitze eroberten, als auch für die internen Alternativlisten.

Menschliche Konflikte

Neben den traditionell pluralistisch aufgestellten Betriebsräten - Donath nennt als Beispiel Opel in Bochum - gab es auch einige Betriebe, in denen "zum Teil aufgrund menschlicher Konflikte" (Donath) erstmals Gegenlisten entstanden - beispielsweise im Hamburger Daimler-Werk.

Insgesamt sind bislang knapp 50.000 Metall-Betriebsräte offiziell gewählt. Bis der letzte mitbestimmte Kleinbetrieb erfasst ist, dürften noch zwei Monate vergehen. 2006 waren 73.000 Arbeitnehmervertreter in das Gremium eingerückt. Der Anteil der IG Metaller lag damals bei 73 und liegt diesmal bei 78 Prozent.

Donath führt den relativen Erfolg seiner Organisation auf die Erfahrungen in der Krise zurück. Da hätten die Betriebsräte bei der Sicherung der Arbeitsplätze einen "sehr guten Job gemacht". Der zweite Grund für die stabile Stellung der IG Metall sei die größere Transparenz und Beteiligung der Belegschaften an Entscheidungen.

Wende durch die Krise

Gestiegen ist die Wahlbeteiligung auf 74 Prozent. Rund eine halbe Million Branchen-Beschäftigte müssen bislang aber weiterhin ohne eine Vertretung auskommen. Vergleicht man das Vorkrisenjahr 2006 mit dem Nachkrisenjahr 2010, so ist die Zahl der Beschäftigten in diesem Sektor bei etwa 3,1 Millionen konstant geblieben. Davon sind aber nur noch knapp eine Million (zuvor 1,24 Millionen) bei der IG Metall organisiert. Allerdings habe es im Zuge der Krise eine Wende gegeben mit wieder steigenden Anteilen.

Die Struktur der Betriebsräte hat sich kaum verändert. Der Frauenanteil liegt mit 23 Prozent noch überproportional, von allen Beschäftigten sind nur 20 Prozent Frauen. Auch das Durchschnittsalter spiegelt nicht ganz die betriebliche Struktur wider - "bei den Jungen haben wir noch immer Probleme mit dem Engagement".

Autor:  Roland Bunzenthal
Datum:  11 | 6 | 2010
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