New York. Vier der fünf größten PC-Hersteller wollen Geräte mit dem neuen Google-Betriebssystem Chrome OS auf den Markt bringen. Hewlett-Packard, Acer, Lenovo und Toshiba zählten zu den Partnern, gab der Internetkonzern in Mountain View in seinem offiziellen Blog bekannt. Der zweitgrößte PC-Hersteller Dell wurde dabei nicht genannt.
Auch die Chiphersteller Freescale und Qualcomm sind an der Entwicklung beteiligt. Der Suchmaschinenkonzern hatte am Mittwoch berichtet, er werde ein eigenes Computer-Betriebssystem auf den Markt bringen. Die Software soll auf Googles Internetbrowser Chrome basieren und zunächst auf Mini-Laptops, so genannten Netbooks, laufen.
Der Suchmaschinenbetreiber Google drängt seit einiger Zeit verstärkt in den Markt für Programme der Firma Microsoft.
Google Mail: Das Programm entwickelt sich von einem reinen Webmailer a la Web.de oder GMX zu einer echten Software-Lösung. Derzeit kann die Beta-Version einer Offline-Lösung getestet werden. Diese ermöglicht es, E-Mails auch ohne Internetverbindung zu lesen, zu beantworten oder zu löschen. Bei der nächsten Verbindung mit dem Internet werden die Veränderungen online übernommen.
Google Gears: Hierbei handelt es sich um eine ganze Programmumgebung. Hierin sollen Online-Dienste wie Google Docs (ähnlich Microsoft Word und Excel), Google Kalender oder der RSS-Reader von Google auch offline verfügbar gemacht werden. Inhalte können dann auch ohne aktive Internetverbindung gelesen und bearbeitet werden. Die Veränderungen werden beim nächsten Online-Gehen mit dem Server abgeglichen. Somit hat der User zentral im Internet immer die aktuellste Version seiner Dokumente verfügbar. Googles Webdienste werden so eine direkte Konkurrenz zu Microsofts Office-Paket.
Google Android: Das Handy-Betriebssystem ist Googles Antwort auf Microsoft Windows Mobile und Apples iPhone-System. Google legt den Android-Code offen, so dass Programmiere in aller Welt Software und Schnittstellen für Android entwickeln können und so ständig neue Anwendungen für Handys mit Googles Betriebssystem entstehen. Geräte mit Android sind inzwischen auch in Deutschland erhältlich.
Kosten: Google bietet fast alle Dienste kostenlos an. Dafür muss der Nutzer Werbung in Kauf nehmen, die z.B. neben seinen E-Mails oder Tabellendokumenten angezeigt wird. Zudem kritisieren Datenschützer Google für das Speichern zahlreicher Daten über das Verhalten seiner Nutzer.
Damit greift Google den Erzrivalen Microsoft in seinem Kerngeschäft an. Microsofts Betriebssystem Windows ist seit Jahren die dominierende Software weltweit, mit einem Marktanteil von rund 90 Prozent, auch wenn Konkurrent Apple mit seinem Betriebssystem Mac OS X zuletzt etwas zulegen konnte.
Sekundenstart
Erste Rechner mit dem Google-Betriebssystem "Chrome OS" sollen in der zweiten Jahreshälfte 2010 auf den Markt kommen. Es soll es Nutzern ermöglichen, binnen Sekunden nach Einschalten des Computers im Internet surfen zu können, verspricht der Suchmaschinenkonzern.
"Es soll einfach laufen", heißt es bei Google. Nutzer sollen sich nicht um Viren und Sicherheits-Updates kümmern müssen. Chrome OS richte sich an Menschen, die die meiste Zeit im Internet verbringen. Grundsätzlich sei das Betriebssystem nicht nur für Mini-Notebooks, sondern für alle Geräte bis hin zu großen Desktop-Rechnern gedacht.
Goolge und Microsoft liefern sich seit Jahren Konkurrenzkämpfe. Mit kostenlosen Web-basierten Büro-Anwendungen macht Google bereits den teuren Office-Paketen von Microsoft Konkurrenz.
Im vergangenen Jahr brachte Google den Browser Chrome auf den Markt und griff damit Microsofts Internet Explorer an. Allerdings konnte Chrome bislang nur wenig Marktanteile dazugewinnen.
Erst Ende Mai brachte Microsoft seine Suchmaschine Bing auf den Markt und will damit beim lukrativen Geschäft mit Online-Werbung im Umfeld von Internet-Suchen aufholen. Windows ist nach wie vor der wichtigste Gewinnbringer von Microsoft. Im vergangenen Quartal sorgte das Betriebssystem für mehr als die Hälfte des Gewinns und für ein Viertel des Umsatzes.
Googles Vorstoß mit Chrome OS passt zur Unternehmensstrategie, einen größeren Anteil der Nutzer dazu zu bekommen, Software online zu nutzen und nicht wie bei Microsoft die Programme auf dem Computer zu installieren.
Mit dieser Strategie des so genannten Cloud Computings, könnte Google auch mehr Werbung verkaufen, sagen Branchenkenner. Das Werbegeschäft macht über 90 Prozent des Umsatzes aus.
"Wir sehen beachtliche Marktchancen", schreibt Scott Kessler, Analyst bei Standard & Poor\'s Equity Research, in einer aktuellen Studie. Allerdings müsse sich erst noch zeigen, wie schnell sich die Nutzer an Cloud Computing gewöhnen.
Viele Computernutzer gelten als träge. Office-Pakete, Bildbearbeitungsprogramme und Geschäftsanwendungen, auf die man nur online Zugriff hat, sind bislang weitgehend Nischenprodukte.
Google hat bereits ein eigenes Betriebssystem. "Android" ist vor allem für kleine mobile Geräte wie Handys gedacht. Chrome OS soll ein unabhängiges Projekt werden, betont Google.
Allerdings soll auch hier, wie bei Android, der Quellcode offen sein. Das heißt, er wäre für Software-Entwickler frei zugänglich.
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