Berlin. Jeder sechste junge Mensch in Deutschland zwischen 20 und 30 Jahren hat keinen Berufsabschluss und befindet sich auch nicht mehr in Bildungsmaßnahmen. Dies geht aus dem neuen Bildungsbericht von Bund und Ländern hervor. Besonders dramatisch ist die Situation für 20- bis 30-Jährige mit Migrationshintergrund, von denen über 30 Prozent ohne Berufsabschluss sind und sich auch nicht mehr weiterqualifizieren.
Bei jungen Frauen türkischer Herkunft in dieser Altersgruppe sind es sogar 47,5 Prozent. Der ausführliche Bericht soll an diesem Donnerstag gemeinsam von Bundesbildungsministerium und Kultusministerkonferenz (KMK) vorgestellt werden.
Damit hat die Zahl der Ungelernten in Deutschland offenbar einen neuen Höchststand erreicht. Der Bund-Länder-Bericht bezieht sich auf 2008. Im Jahr 2007 gab es laut einem früheren Regierungsbericht 15,2 Prozent Ungelernte. Vor allem Hauptschüler haben Probleme, einen Ausbildungsplatz zu finden.
Angesichts der steigenden Anforderungen warnen die Autoren des Berichts vor einer verhängnisvollen Entwicklung. Für Personen ohne abgeschlossene Ausbildung "dürfte es in Zukunft noch schwerer werden, einen Arbeitsplatz zu finden".
Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) forderte "ein grundsätzliches Umsteuern" in der Bildungspolitik. Bund und Länder müssten statt in Eliteförderung in Chancengleichheit investieren, sagte die GEW-Vize Marianne Demmer. Sie sprach von einer "kläglichen Situation" in den Haupt- und Sonderschulen.
Grünen Chef Cem Özdemir sieht in dem Bericht ein "Armutszeugnis für die Bildungspolitik". Özdemir: "Wir können es uns nicht weiter leisten, dass so viele junge Menschen in unserem blockierten Bildungssystem abgehängt werden." (dpa)
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