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13. April 2011

Bio-Ernährung: Der wahre Preis der Gentechnik

 Von Stephan Börnecke
 Foto: dpa

Gentechnik macht das Essen teurer. Um wie viel, darüber streiten die Experten. Klar ist nur: Um konventionell und ökologisch erzeugte Lebensmittel von Gentechnik-Partikeln freizuhalten, wenden Bauern, Mühlen oder Tofu-Hersteller schon heute Millionenbeträge auf.

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Eine Studie der Umweltorganisation Friends of the Earth Europe (Foe) bezweifelt Angaben der EU, wonach die Kosten für Trennung und Rückverfolgbarkeit von Gen- und Nicht-Gen-Saaten konventionelle Lebensmittel um nur 13 Prozent verteuern. Die sei viel zu niedrig, sagt Autor Andreas Bauer-Panskus. Denn diese Berechnungen gingen von einem Höchstgehalt von Gen-Partikeln in herkömmlicher Ware von maximal 0,9 Prozent aus. Tatsächlich aber operierten die Hersteller mit Gehalten von 0,3 Prozent, um auf der sicheren Seite zu sein. Was ins Geld gehe, aber nur sehr schwer zu beziffern sei.

Von Mühlen installierte Vermeidungsstrategien verteuerten die Produkte schon heute um bis zu 25 Prozent. Die Industrie geht laut Foe davon aus, dass bei einem großflächigen Anbau von Gen-Saaten die Mehrkosten weiter steigen. Sie müssten der Gentechnik-Industrie in Rechnung gestellt werden, statt sie den Steuerzahlern aufzuhalsen, verlangt Foe-Expertin Mute Schimpf.

Den Landwirten bereitet die Gentechnik jedes Frühjahr Ärger: Immer wieder müssen Saatgutpartien zurückgezogen, manchmal sogar Äcker umgepflügt werden, weil sich im konventionellen Saatgut Gen-Partikel befinden. Breitet sich die Gentechnik aus, entstehen konventionellen Erzeugern und Verarbeiten aber ständig zusätzliche Kosten.

Beispiel Bauern: Landwirte benutzen häufig teure Maschinen gemeinsam. Das geht, kommt auch Gen-Saat auf die Felder, künftig nur, wenn Mähdrescher, Saatmaschinen und Silos penibel gereinigt werden. Allein die Reinigung einer Erntemaschine aber kostet um die 1800 Euro und braucht mehrere Stunden – Zeit, die Bauern während der Ernte nicht haben. Und es ist nicht sicher, dass die Maschine wirklich sauber wird. Versuche, so Foe, hätten gezeigt, dass auch nach mehrstündigem Reinigungsgang mit gentechnikfreiem Getreide eine Kontaminierung von mehr als einem Prozent vorhanden war.

Hoher Aufschlag für Analytik

Beispiel Mühle: Die Trennungskosten werden auf sechs Euro je Tonne beziffert, hat die Universität Illinois (USA) vorgerechnet. Schweizer Versuche zeigen: Um eine mit Gen-Mais beschickte Mühle zu reinigen, muss die Anlage mehr als zwei Stunden mit gentechnikfreiem Mais „gespült“ werden. Und auch dann war immer noch ein Teil des Getreides mit Gentechnik belastet. Besonders teuer wird es, wenn Gen-Raps auf europäische Felder kommt. Mehrkosten, die bei Saaterzeugung, Transport oder Lagerung entstehen, könnten mehr als 21 Prozent des Rohstoffpreises ausmachen.

Interaktiv: Die Ausbreitung von Genmais

Beispiel Hersteller: Systeme zur Rückverfolgbarkeit oder die zusätzliche Analytik würden konventionellen Weizen um elf und Mais sogar um fast 13 Prozent verteuern – Kosten, die auf den Mehraufwand der Bauern noch aufgeschlagen werden müssen, so die Foe-Studie.

Manchmal stehen sogar die Erfinder der Gentechnik vor einem Scherbenhaufen: Entfleuchter, illegaler Gen-Mais, Gen-Reis und Gen-Leinen verursachten horrende Rückhol- und Entschädigungskosten. Im Falle des Reis LL601von Bayer Crop Science beliefen die sich auf annähernd eine Milliarde Euro.

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