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Bio-Lebensmittel: Bescheidenes Plus

Der Bio-Markt musste sich 2010 mit einem bescheidenen Umsatzplus von zwei Prozent begnügen. Der Markt legt zwar wieder kräftiger zu, allerdings vor allem im Fachhandel. Die Discounter und Supermärkte specken ab.

Öko liegt weiter im Trend: Die Biobranche blickt optimistisch in 2011.
Öko liegt weiter im Trend: Die Biobranche blickt optimistisch in 2011.
Foto: dpa
Nürnberg –  

Bio-Lebensmittel spielen im herkömmlichen Supermarkt nicht mehr die Rolle der vergangenen Jahre und die Handelsketten setzen weniger auf Öko. Dafür hat Alexander Gerber eine Erklärung: Würden die Ketten ihren Bioanteil weiter aufstocken, geriete die Ökokost zu sehr in Konkurrenz mit den konventionell erzeugten Waren, erklärt der Geschäftsführer des Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW).

Wer als Supermarkt mehr Bio im Regal wolle, der könne dies nur noch mit viel „Verstand und Kenntnis“ leisten, sagt Gerber. Diese Kompetenz strebe aber manches Unternehmen nicht mehr an. Konventionelle Produkte aber, so auch Bioland-Chef Thomas Dosch, würden inzwischen zum Teil sogar mit denselben Attributen beworben wie Bio-Waren. Entstanden sei „eine Werbeschlacht“, die im konventionellen Handel nicht mehr automatisch zugunsten von Bio ausgehe.

Zur Messe Biofach in Nürnberg

Von den 2522 Aussteller der Messe Biofach in Nürnberg kommen 70 Prozent aus dem Ausland. Die meisten, und zwar 420, aus Italien. 184 aus Frankreich, 179 aus Spanien. Auch aus Ägypten kommen Aussteller, und zwar in diesem Jahr acht.

Die deutschen Firmen haben der Biofach zu einem kleinen Teil diesmal den Rücken gekehrt: Noch 2009 waren es 937, diesmal nur 750. Der Grund, wie ihn die Messeleitung sieht: Einige deutschen Hersteller oder Händler von Biowaren kommen mit dem zunehmend internationalen Charakter der Schau nicht klar und präferieren stattdessen regionale Messen.

Der Fokus der diesjährigen Ausstellung liegt auf dem Thema Welternährung. Ihm sind viele der 160 Veranstaltungen des begleitenden Kongresses gewidmet. -ke

Tegut, der Platzhirsch

„Die Benchmark hat Tegut gesetzt“, weiß der Geschäftsführer des Dachverbands. Das osthessische, mittelständische Lebensmittelhaus mit seinen 320 Filialen in Hessen sowie Teilen von Thüringen, Südniedersachsen und Nordbayern hat dies gerade erneut bewiesen: Mit einem Plus von fast 13 Prozent im vergangenen Jahr beim Absatz von Biolebensmitteln sind die Fuldaer kaum noch zu schlagen. Selbst die Biosupermarktkette Alnatura blieb trotz kräftiger Ausweitung des Filialnetzes um neun weitere Geschäfte mit plus elf Prozent knapp dahinter.

Tegut, eine Art Marktführer bei Bio im konventionellen Handel, hat die Latte hoch gelegt: Mehr als 20 Prozent der bei Tegut gekauften Lebensmittel stammen aus biologischer Erzeugung. Andere Ketten, so Markus Rippin von Agromilagro Research, würden demgegenüber eine „Achterbahnfahrt mit ungewissen Ausgang“ hinlegen. Nach zum Teil ebenfalls zweistelligen Zuwachsraten vor allem in den Jahren 2005 bis 2008 hätte es genauso rasch Stagnation gegeben. Dies, so Marktforscher Rippin, habe jedoch nichts mit Desinteresse des Verbrauchers zu tun. Der würde mehr Bio kaufen, ist der Branchenkenner sich sicher, wäre es nur vorhanden.

Oder weniger anonym: Denn eine von ihm angestellte aktuelle Umfrage zeige ihm, dass die Kunden „im Zweifel lieber zu regional erzeugten Produkten greifen“, statt zu Bioprodukten unbekannter Herkunft, sagte Rippin zur Frankfurter Rundschau. Alnatura-Chef Götz Rehn sieht noch einen anderen Grund: Die Kunden seien bei der Wahl der Einkaufsstätte wählerischer geworden, suchten den „konsequenten Anbieter“, den Bio sei nunmal „Vertrauenssache“.

Dieses Verbraucherverhalten dämpft dann auch die Öko-Bilanz der Discounter: Ihren Rückgang beim Verkauf von Bio, den Rippin auf durchschnittlich 6,5 Prozent für 2010 beziffert, habe ebenfalls allein etwas mit dem mangelnden Angebot zu tun. Lidl, Netto, Penny – fast überall sei das Biosortiment reduziert worden. Dort aber, wo das „Öko-Sortiment fachkundig betreut und professionell präsentiert wird“, seien weiter Zuwächse von fünf und mehr Prozent möglich. Den Rückgang erklärt sich Rippin allerdings auch mit wachsenden Ansprüchen der Kunden: „Das Vertrauen in anonyme Bio-Ware lässt nach“, konstatiert der Fachmann.

Der Fachhandel wächst

So sieht sich der Fachhandel als der eigentliche Gewinner des vergangenen Jahres. Auf fast zehn Prozent kalkuliert Marktbeobachter Klaus Braun den Zuwachs der kleinen und großen Bioläden im vergangenen Jahr. Die Marge relativiert sich allerdings auf 4,2 Prozent, wenn man das Flächenwachstum berücksichtigt: So haben 2010 rund 70 Bio-Supermärkte neu eröffnet. Zwar haben im selben Zeitraum 100 Geschäfte dichtgemacht. Doch da der Trend zu größeren Geschäften jenseits der 400 Quadratmeter geht, ist Bio im Fachhandel weiter gewachsen und lässt die Delle der beiden vergangenen Jahre, wo die Fachgeschäfte nur um 1,2 bis 3,1 Prozent Umsatz zulegen konnten, hinter sich.

Und die weitere Entwicklung? Rehn prophezeit, dass Bio in diesem Jahr wieder zweistellig wachsen werde – zumal die Dioxin-Krise der Branche einen Schub verpasst hat. Rehn beobachtet in den 59 Alnatura-Natursupermärkten in den ersten Wochen des Jahres ein Umsatzplus von 20 Prozent. Dioxin solle dabei aber nur einer der Gründe sein, das Ende der Wirtschaftskrise, die zurückgehende Arbeitslosigkeit und das Lohnplus sind weitere.

Das bestätigt eine brandneue Befragung durch die Marktforscher von Agrifood: Demnach stiegen elf Prozent der befragten 314 Verbraucher auf Bio um, 18 Prozent hingegen wollten keine Eier mehr kaufen oder auf Fleisch verzichten.

Autor:  Stephan Börnecke
Datum:  15 | 2 | 2011
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