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09. Juli 2010

Biodiesel: Das Ende der Wunderpflanze Jatropha

 Von Stephan Börnecke
Prof. Klaus Becker zeigt in einem Labor der Universität Stuttgart-Hohenheim eine Schale, die mit Nüssen der Pflanze Jatropha (rechts) gefüllt ist.  Foto: dpa

Der Traum, aus Jatropha ohne Schaden für die Umwelt Agrarsprit zu gewinnen, ist ausgeträumt. In Kenia sollen hektarweise Wald- und Buschland zur Herstellung von Biodiesel gerodet werden. Umweltschützer protestieren. Von Stephan Börnecke

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Jatropha gilt als eine Art Wunderpflanze. Sie gedeiht auf kargen Böden und in trockenen Savannen, und dennoch steckt sie voll wertvoller Inhaltsstoffe: Forscher wie Industrie haben Jatropha im Visier, weil deren Nuss reichlich Öl enthält, das man zu Biodiesel verarbeiten kann.

Doch die verheißungsvolle Vorstellung, man könne Jatropha auf landwirtschaftlich sonst kaum nutzbarem Ödland zur Agrarspritgewinnung anbauen, entpuppt sich als falsch. Der Traum, aus Jatropha ohne Schaden für die Umwelt und auch ohne Konkurrenz zur Nahrungsmittelerzeugung Biodiesel zu gewinnen, ist ausgeträumt, sagt die Umweltorganisation Bird Life International, ist ausgeträumt.

So dulden indische Bundesstaaten den Anbau von Jatropha auf normalem Ackerland nicht nur, sondern sie fördern ihn sogar. Das verstärkt den Wettbewerb mit Nahrungsmittelpflanzen. Nun aber geht das afrikanische Unternehmen Kenya Jatropha Energy noch einen Schritt weiter: In einer küstennahen Region will das Unternehmen im Einvernehmen mit den Malindi County Council 50000 Hektar Wald- und Buschland in der Region Dakatcha in Jatropha-Äcker umwandeln. Kenianische und internationale Umweltorganisationen laufen Sturm gegen das Projekt. Sie behaupten, der von Jatropha erwartete Klimanutzen trete nicht ein.

Im Gegenteil: Durch den Anbau werde mehr Treibhausgas frei als durch Jatropha gebunden wird. Der gefällte Wald setze große Mengen an Klimagase frei, und durch Düngung oder Raffinierung entstehe ein großes Potenzial an Kohlendioxid und dem erheblich stärker wirkenden Lachgas.

"Es ist ein Mythos", dass der kommerzielle Anbau der Pflanze auf degradiertem, trockenem Land möglich sei, argumentiert die Organisation Nature Kenya und verweist auf wissenschaftliche Studien. Nature Kenya und Bird Life International sind überzeugt, dass der Schaden den Nutzen des Jatropha-Anbaus übersteigt. "Das Projekt wird den Boden erodieren und das knappe Wasser rauben", sagt Paul Matiku, Chef von Nature Kenya. Matiku verweist darauf, dass die aus Mittelamerika kommende Energiepflanze invasiv sei und die heimische Flora bedrohen könnte.

Global bedrohte Arten

Die Gegend von Dakatcha, 25 bis 50 Kilometer landeinwärts vom Indischen Ozean am Fluss Sabaki gelegen, gilt unter Naturschützern als Important Bird Area. Dort lebten nicht nur global bedrohte Vogelarten. Es stehe vielmehr auch die Existenz von 58000 Menschen, die zur der indigenen Gemeinschaft der Watha gehören, auf dem Spiel. "Sie vertreiben uns von unserem angestammten Land", sagen Einheimische.

Dass nicht nur die Tier- und Pflanzenwelt gefährdet wird, sondern auch direkt die Menschen, hänge mit dem Nutzen des Gebietes für die Watha zusammen. Der Wald gebe ihnen "klares Trinkwasser und versorgt sie nachhaltig mit Brennholz fürs Kochen", sagt Joshua Kahindi, ein Repräsentant der Gemeinde.

Auch eine Hoffnung der Energie-Erzeuger will Nature Kenya zerstreuen. Denn ihren aus Jatropha hergestellten Acker-Sprit könnten die Kenianer nicht einmal exportieren: Die europäischen Nachhaltigkeitsbestimmungen ließen nicht zu, Sprit, der von dafür eigens umbrochenen Feldern stammt, in die Tanks europäischer Autos zu füllen, argumentiert die Organisation.

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