kalaydo.de Anzeigen

Biosprit: Tanken ohne schlechtes Gewissen? Aber sicher!

Grünes Gewissen!
Grünes Gewissen!
Foto: Plassmann

Hauptursache für höhere und stärker schwankende Agrarpreise sind Biokraftstoffe. Darüber sind sich viele Biokraft-Gegner einig. Aber nun wehrt sich die Biosprit-Branche gegen diesen Vorwurf und gibt selbst eine Studie in Auftrag - mit überraschenden Ergebnissen.

Für die Biokraftstoff-Gegner ist die Sache klar. Der wachsenden Weltbevölkerung steht eine begrenzte Fläche zur Verfügung, die zum Anbau von Nahrungsmitteln geeignet ist. Werden vermehrt Soja, Raps, Mais, Zucker und Weizen zur Herstellung von Ethanol und Biodiesel verwandt, geht das zu Lasten der Nahrungsmittelproduktion. Folge: Die Weltmarktpreise für Getreide und Ölpflanzen steigen, der Hunger in den Entwicklungsländern nimmt zu. „Hauptursache für höhere und stärker schwankende Agrarpreise sind Biokraftstoffe“, stellten UN-Sonderberichter Oliver De Schutter und das International Food Policy Research Institute im November 2011 fest. Das einst umweltfreundliche, klimaschonende Image des Sprits vom Acker droht sich mithin ins Gegenteil zu verkehren.

Viele Faktoren beeinflussen den Preis

Dass der Verband der Deutschen Biokraftstoffindustrie (VDB) solchem Ansehensverlust Einhalt gebieten möchte, liegt in der Natur der Sache. Man hat, gemeinsam mit der „Union zur Förderung von Öl- und Proteinpflanzen“ (UFOP), eine Studie in Auftrag gegeben, die die Ursachen für Preisbewegungen auf den Weltagrarmärkten klären soll. Welchen Einfluss hat die Biokraftstoffproduktion bisher und in Zukunft auf die Preisentwicklung? Welche Konsequenzen ergeben sich für den Nahrungsmittelanbau in armen Ländern? Der Gießener Agrar- und Entwicklungsökonom Michael Schmitz kommt in seiner Analyse zu teils überraschenden Folgerungen.

Schmitz legt zunächst dar, dass die Preise auf den Agrarmärkten von zahlreichen Faktoren abhängen. Ernteerträge und Lagerbestände, Wechselkurse und sogar Rohölpreise beeinflussten die Preisbildung auf den Weltmärkten kurzfristig stark. Nach einer Berechnung der Welternährungsorganisation FAO führt ein zehnprozentiger Ölpreisanstieg binnen relativ kurzer Zeit zu einem Preisanstieg von 2,3 Prozent für Weizen und von 3,3 Prozent für Mais, Soja und Raps. Erstens erhöhe der Ölpreisanstieg die Produktions- und Transportkosten der Landwirte, zweitens steige die Nachfrage nach Biokraftstoff-Pflanzen. Langfristig bedeutsamer für die Agrarpreise seien andere Faktoren: Bevölkerungswachstum, Land- und Wasserknappheit, Ernährungsgewohnheiten, Klimawandel – und der Ausbau von Biokraftstoffen.

Kleinbauern profitieren angeblich von der Entwicklung

In einer Simulation zeigt Schmitz, dass der Weltmarktpreis für Rohzucker ohne Ethanol- und Biodiesel-Produktion im Vergleich zum tatsächlichen Preis um 21,2 Prozent niedriger läge. Auch für Ölsaaten (minus 7,1 Prozent), Futtergetreide (minus 7,3) und Weizen (minus 2,8) müsste weniger bezahlt werden. Real ist laut Studie bis 2020 mit kräftigen Preissteigerungen auf den Agrarmärkten zu rechnen: Agrarrohstoffe insgesamt werden gegenüber den Jahren 2000 bis 2010 um 20 bis 40 Prozent teurer, für Biokraftstoffe wird ein Preisanstieg um bis zu 80 Prozent prognostiziert. Zugleich steigt die Biokraftstoffherstellung: Laut Schmitz werden 2020 rund 16 Prozent allen weltweit produzierten Pflanzenöls zu Bio-Diesel verarbeitet, in der EU werden es fast 50 Prozent der Produktionsmenge sein, in Argentinien sogar über 70 Prozent. Gibt all dies den Biokraftstoff-Kritikern nicht Recht? Nein, befindet Schmitz. Der Anteil, der Biosprit an künftigen Preissteigerungen für Ölsamen und Getreide habe, liege unter zehn Prozent. Außerdem bärgen steigende Agrarpreise für Kleinbauern in Entwicklungsländern die Chance, ihre Produkte mit guten Erlösen zu verkaufen – und somit langfristig zu profitieren.

Autor:  Stefan Sauer
Datum:  24 | 2 | 2012
Kommentare:  6
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
Ressort

Nachrichten aus der Wirtschaft, Börsen-Trends, Kurse und Finanz-Themen.


Faktencheck
Zurück zur Drachme um den Euro zu retten?

Griechenland steht im Ruf, über seine Verhältnisse gelebt zu haben. Mythen über die Ursachen der Krise.

Fotostrecke
Forum Entwicklung
Das Forum Entwicklung ist eine Veranstaltungsreihe von FR, Giz und HR-Info.

Am 31. Mai diskutiert FR-Redakteur Tobias Schwab mit Fernsehköchin Sarah Wiener und weiteren Gästen das Thema "Wer verdient am Kaffee?"

Faktencheck
Steigende Beiträge zur Sozialversicherung - die Zukunft?

Was würde passieren, wenn Deutschland ein Sparpaket bewältigen müsste wie Griechenland? Ein erschreckendes Szenario.

Ressort

Die Schuldenkrise hat Europa im Griff: Nachrichten zur Eurokrise, Konjunktur, Eurobonds und Ratingagenturen.


Anzeige

Tops und Flops in der Wirtschaft

Anzeige

 

Video

  • 6.339,94 Pkt. +24,05 (+0,38%)
  • 10.196,44 Pkt. -35,08 (-0,34%)
  • 752,47 Pkt. +0,62 (+0,08%)
  • 8.580,39 Pkt. +17,01 (+0,20%)
  • 1,2512 USD -0,0003 (-0,02%)
in Zusammenarbeit mit Finanzen100.de
Atommüll-Endlager
Schacht Konrad - Das ehemalige Erzlager soll 2019 den Betrieb als Endlager für Atommüll aufnehmen. Geplant ist, 90 Prozent des gesamten Volumens der radioaktiven Abfälle in Deutschland zu lagern.

Der Bau des Endlagers für Atommüll wird voraussichtlich erst 2019 fertig. Es drohen Zusatzkosten von bis zu einer Milliarde Euro. Zur Grafik...

 Mehr...

Brutto / Netto Rechner
Optimieren Sie Ihr Gehalt:
Bruttogehalt (Euro mtl.)
St.-Kl.
Arbeitslosengeldrechner
Wie viel Arbeitslosengeld steht Ihnen zu?
Bruttogehalt (jährl. Euro) Steuerklasse
Kinder Ja Nein Berechnen
Anzeige

Finden Sie jetzt gezielt den richtigen Partner für eine glückliche Beziehung. So wird Ihre Partnersuche ganz einfach.

ANZEIGE
- Business
- sonstiges
- Kauftipps!