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BIZ warnt: Für nächste Bankenrettung fehlt das Geld

Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich will, dass die Notenbanken die Zügel wieder anziehen. Zu hoch verschuldete Staaten könnten ihr Finanzsystem nicht mehr selbst retten. Von Anna Sleegers

Der nächste Rettungsschirm könnte löchrig werden: Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich will, dass die Notenbanken die Zügel wieder anziehen. Zu hoch verschuldete Staaten könnten ihr Finanzsystem nicht mehr selbst retten.
Der nächste Rettungsschirm könnte löchrig werden: Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich will, dass die Notenbanken die Zügel wieder anziehen. Zu hoch verschuldete Staaten könnten ihr Finanzsystem nicht mehr selbst retten.
Foto: dpa

Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) warnt in ihrem aktuellen Jahresbericht vor neuen Turbulenzen im Bankensektor. Zwar hätten die meisten Institute dank der staatlichen Finanzhilfen die Verluste aus der Krise nahezu ausgeglichen, doch die Profitabilität des Bankensektors stehe noch immer auf tönernen Füßen.

Wegen unterschiedlicher Publizitätspflichten sei es besonders in Europa noch nicht klar, ob die Institute die Verluste aus der Krise bereits vollständig abgeschrieben haben, schreiben die Experten der "Zentralbank der Zentralbanken" in dem Bericht, den sie am Montag in Basel vorstellten.

Das sei besonders mit Blick auf den langfristigen Refinanzierungsbedarf der Institute besorgniserregend, da in den kommenden drei Jahren etwa 60 Prozent der langfristigen Ausstände der Banken fällig würden. "Wie die jüngsten Marktverwerfungen gezeigt haben, können Banken unter starken Refinanzierungsdruck geraten, wenn sich die Marktstimmung gegen sie richtet", heißt es in dem Bericht.

Abgeschnitten vom Markt

In der Folge der Euro-Krise waren vor allem die spanischen Kreditinstitute abgeschnitten vom Interbankenmarkt, auf dem sich die Geldhäuser gegenseitig Kredite gewähren. Viele Banken hatten angesichts der spanischen Immobilienkrise und der zunehmenden Staatsverschuldung offenbar befürchtet, ihr Geld nicht wieder zu sehen. Auch der Zinssatz, zu dem sich die Institute gegenseitig Geld leihen, ist zuletzt deutlich angestiegen.

Sorge bereitet der BIZ die Ausrichtung vieler Kreditinstitute, deren Erträge größtenteils aus dem Währungs- und Anleihehandel stammten. Wegen der großen Spanne zwischen kurzfristigen und langfristigen Zinsen sei die Fristentransformation sehr lukrativ gewesen. Dabei erzielen die Banken Gewinne, indem sie hochverzinste langfristige Kredite vergeben und diese mit der Aufnahme niedrig verzinster Kredite kurzer Laufzeit refinanzieren. Dabei riskieren sie einen gefährlichen Anstieg der Refinanzierungskosten, sobald sich das Zinsniveau ändert.

Damit die Staaten im Falle einer neuen Krise handlungsfähig sind, plädiert auch die BIZ dafür, dass die Haushaltskonsolidierung vorangetrieben wird. "Die Staatsverschuldung hat in vielen Industrieländern ein nicht mehr tragbares Niveau erreicht", heißt es in Bericht. Zwar führten staatliche Sparmaßnahmen kurzfristig zu Wachstumseinbußen. "Doch die Alternative - ein plötzlicher Vertrauensverlust an den Märkten - wäre weit schlimmer."

Keine Rettung mehr aus eigener Kraft

Spätestens die Griechenland-Krise habe gezeigt, dass hoch verschuldete Staaten ihr Finanzsystem nicht mehr aus eigener Kraft retten können, heißt es in dem Bericht. Ende 2008, Anfang 2009 hätten viele Staaten ihre ins Wanken geratenen Banken stützen können. "Aber wenn die Staatschulden selbst unverkäuflich werden, kann jede künftige Bankenrettung nur noch mit externer Hilfe funktionieren", warnen die Baseler Experten.

Zudem plädiert die BIZ dafür, dass die Notenbanken die geldpolitischen Zügel wieder anziehen. Auch wenn es notwendig gewesen sei, die Zinsniveaus auf Rekordtiefs zu senken, um den vollständigen Zusammenbruch des Finanzsystems und der Realwirtschaft zu verhindern, dürfe die lockere Geldpolitik nicht zu lange fortgeführt werden, da sonst der Umbau zu einem stabileren Wirtschafts- und Finanzsystem verzögert werden könnte.

Zwar zeigt die BIZ Verständnis dafür, dass sich die Straffung der Geldpolitik durch die Griechenland-Krise verzögert hat. Je länger jedoch an der Niedrigzinspolitik festgehalten werde, desto schädlicher könnten die Folgen sein. Lange Niedrigzinsphasen beeinflussen Anlageentscheidungen, heizen die Risikofreude und Verschuldungsneigung und führen dazu, dass Verluste nur verzögert als solche anerkannt würden.

Auch wenn sich das gegenwärtige Wirtschaftklima stark von den Zeiten vor der Krise unterscheide, liege der Schluss nahe, dass die letzte Krise durch die Niedrigzinspolitik der Notenbanken zumindest gefördert habe. Zu niedrige Zinsen führen nach Ansicht der BIZ-Experten zu Anlageblasen - etwa bei Immobilien oder Aktien - und zu einer Unterbewertung der Risiken. "Für wachsende Volkswirtschaften, die eigentlich höhere Zinsen benötigen würden, sind niedrige Zinsen im Zentrum des globalen Finanzsystems - vorsichtig ausgedrückt - nicht gerade hilfreich", heißt es in dem Bericht.

Autor:  Anna Sleegers
Datum:  28 | 6 | 2010
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