Immer mehr deutsche Internet-Nutzer werden Opfer von Attacken aus dem Netz. Das geht aus einer Studie hervor, die der Branchenverband Bitkom und das Bundeskriminalamt (BKA) gestern vorgestellt haben. Zwei von drei Usern haben demnach schon Erfahrungen mit Web-Kriminalität gemacht. Zwar seien die meisten Straftaten, wie etwa Virenangriffe, nur geringfügig. Doch bereits 2,5 Millionen Nutzer haben einen finanziellen Schaden erlitten.
„Schadprogramme wie Viren sind immer schwerer zu erkennen“, sagte Dieter Kempf von Bitkom. Angriffe würden außerdem nicht mehr nur über die Betriebssysteme laufen, sondern vermehrt über Anwendungsprogramme. „Die Kreativität und Flexibilität der Täter scheint keine Grenzen zu kennen“, meinte BKA-Präsident, Jörg Ziercke. In der Kriminalstatistik sind allein für das vorige Jahr 207000 Fälle registriert – 23 Prozent mehr als noch 2008. Für die Dunkelziffer gibt es nicht einmal Schätzungen.
Der Schaden durch illegale Eingriffe wird auf 17 Milliarden Euro geschätzt
Die Täter wollen meist Nutzerdaten stehlen, mit denen sie sich dann etwa beim Online-Banking einloggen. BKA und Bitkom rechnen mit 5000 solcher Fälle für 2010. Das wäre ein Plus von 71 Prozent. Bereits 2009 stieg die Zahl um 64 Prozent. Der durchschnittliche Schaden: 3500 Euro. Für 2010 wird mit einem Gesamtschaden von rund 17 Millionen gerechnet. „Die simple Eingabe von Geheimzahlen reicht als Sicherheitsmaßnahme längt nicht mehr aus“, so Kempf. Stattdessen empfiehlt er ein gesundes Misstrauen und eine moderne Sicherheitsausstattung des Computers.
Die Ängste vor Kriminalität „dämpfen auch ganz klar die Entwicklung der Online-Dienste“, sagte Kempf. Drei Viertel der Nutzer verzichten wegen Sicherheitsbedenken auf bestimmte Aktivitäten wie Online-Banking oder das Versenden von wichtigen Dokumenten via E-Mail.
Bitkom und BKA wollen nun regelmäßige Treffen zu dem Thema einrichten. BKA-Präsident Ziercke erneuerte zudem seine Forderung, rasch eine gesetzliche Grundlage für die Vorratsdatenspeicherung zu schaffen. In knapp 900 Fällen seien Täter nicht ermittelt worden, weil die Provider keine Daten vorhielten. Sicherheitsexperte Kempf forderte, das staatliche Know-how im Netz weiter auszubauen, indem in Ausbildung und Ausstattung von Ermittlern sowie in spezialisierte Staatsanwaltschaften gegen IT-Kriminalität investiert werde.
Schaden droht indes nicht nur Otto Normalbürger, auch Unternehmer sind immer öfter betroffen. Neben Wirtschaftsspionage via Internet würden besonders Erpressungen zunehmen, sagte Kempf. Kriminelle drohen, durch Attacken die Website von Firmen lahmzulegen. Wohin das führen könne, machte Ziercke am Beispiel Malta deutlich: Ein Wettbüro sollte 50000 Euro zahlen, ansonsten würde seine Website abgeschaltet. Die Attacken waren so stark, dass der gesamte Staat Malta für einen halben Tag vom Internet abgeschnitten war.
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