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03. Dezember 2012

BMW: BMW präsentiert Elektro-Fahrzeug i3

 Von Stefan Sauer
Neue Konzeption: das EU-Auto i3 von BMW.

BMW lässt sich den Bau seines neuen Elektro-Fahrzeugs i3 rund zwei Milliarden Euro kosten. Das schafft allein 1100 neue Jobs. Das finanzielle Risiko ist groß.

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BMW lässt sich den Bau seines neuen Elektro-Fahrzeugs i3 rund zwei Milliarden Euro kosten. Das schafft allein 1100 neue Jobs. Das finanzielle Risiko ist groß.

Beverly Hills –  

Die Szene ist absolut filmreif. Schöne Menschen balancieren Champagner und Hummer-Happen auf silbern glänzenden Tabletts übers Gelände. Dunkle Anzüge, Abendkleider, die Nacht ist lau, der Pool 60 Meter lang, und der Blick ins Tal atemberaubend: West Hollywood, Silver Lake, Downtown Los Angeles – Lichter, so weit das Auge reicht. Die Bayerischen Motorenwerke haben das Anwesen in Beverly Hills für einen Abend angemietet, um ein neues Fahrzeug vorzustellen: den BMW i3, der in den darauffolgenden Tagen auch auf der Los-Angeles-Autoshow zu sehen sein wird.

Man hat überdies zu diesem Anlass 30 Medienvertreter aus aller Welt nach Süd-Kalifornien geladen und im nahen Mondrian-Hotel einquartiert, das zweifellos zu den gehobenen Häusern des Großraums LA mit 20 Millionen Einwohnern zählt.

Dass BMW einen solchen Aufwand betreibt, kommt nicht von ungefähr. Man mobilisiert kraftvoll die öffentliche Aufmerksamkeit, weil es einerseits um etwas wirklich Neues geht – und andererseits um eine Menge Geld. Verständlicherweise spricht der Autobauer lieber über die innovativen Aspekte. Nun denn: Als rein stromgetriebenes Fahrzeug stelle der i3 einen „revolutionären Ansatz“ für die individuelle Mobilität von Morgen dar. BMW sei zum achten Mal in Folge vom Dow Jones Sustainability Index als „weltweit nachhaltigster Automobilhersteller“ ausgezeichnet worden.

Abgesehen vom etwas aufgeblasenen Wortgeklingel: Ein bisschen was ist schon dran. Schließlich handelt es sich beim i3 nicht bloß um einen umgerüsteten Benziner. Die Ingenieure haben den i3 als E-Mobil völlig neu konzipiert. Man hat die Batterielaufleistung auf mindestens 100 000 Kilometer erhöht, anschließend sollen die ausrangierten Stromaggregate noch Jahre als Speicher für erneuerbare Energien in Privathaushalten dienen. Man hat ein Car-Sharing-Modell „Drive now“ entwickelt, das derzeit in San Francisco mit dem i3-Vorgänger BMW ActiveE erprobt wird. Zudem konnte der Autobauer das Konstruktionsgewicht des Neuen um 300 Kilogramm reduzieren.

Energie im Überfluss

Das Herzstück der Leichtbauproduktion befindet sich in Moses Lake im Nordwesten der USA. Die Ortschaft verfügt über 20 000 Einwohner, Holzhäuser in Reihe, einige Burger-Restaurants, Motels und Tankstellen, eine Kirche und fünf Ampeln. Landschaftlich reizvoll sind allenfalls der nahe Columbia River und seine Nebenflüsse.

Nach 1950 sind in den Tälern 60 große Wasserkraftwerke entstanden. Die gewaltigen Turbinen liefern viel mehr Strom, als selbst die 600 000 Einwohner im 200 Kilometer entfernten Seattle benötigen. Energie gibt es also im Überfluss – und zu konkurrenzlos günstigen Preisen. Das hat BMW dazu bewogen, in Moses Lake 100 Millionen Dollar in ein neues Werk zu investieren.

Umgerechnet zwei Cent zahlt der deutsche Autobauer für die Kilowattstunde erneuerbarer Energie, weniger als ein Siebtel dessen, was in der bayerischen Heimat anfiele. Der billige Ökostrom wird benötigt, um Carbonfaser-verstärkten Kunststoff (CFK) bei Temperaturen von 1 300 Grad zu wettbewerbsfähigen Preisen herstellen zu können. Das neue Werk, ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem Wiesbadener Kohlenstoff-Spezialisten SGL Carbon, soll ab 2013 jährlich 3 000 Tonnen des extrem leichten und widerstandsfähigen CFK liefern – und damit ein Achtel der gesamten Weltproduktion.

Im Anschluss wird das CFK im bayerischen Wackersdorf zu „Teppichen“ gepresst und in Landshut zu Fahrgastzellen geformt, die gegenüber einer herkömmlichen Stahlkonstruktionen um 50 bis 70 Prozent leichter sind. Zum Schluss geht es in ein neues BMW-Werk in Leipzig, wo der i3 ab 2013 vom Band rollen soll. 530 Millionen Euro kosten die neuen Anlagen insgesamt, 1 100 neue Jobs entstehen, mit 400 Millionen Investitionsvolumen und 800 zusätzlichen Arbeitsplätzen profitiert Leipzig am stärksten.

Durchwachsene Erfolgsaussichten

Solche Daten nennt BMW gern, bei anderen ist man zurückhaltender. Den Verkaufspreis des i3 verortete BMW-Vorstandschef Norbert Reithofer unlängst etwas vage bei knapp unter 40 000 Euro – angesichts einer Reichweite von 150 bis 200 Kilometern pro Batterieladung eine hübsche Stange Geld.

Daraus ergibt sich ein gewisses Risiko: Man wird bis zum Produktionsstart rund zwei Milliarden Euro investiert haben, bei durchwachsenen Erfolgsaussichten. Konkurrenzprodukte wie der Opel Ampera erwiesen sich als Ladenhüter. Andererseits braucht BMW die Elektroautos , um die EU-Norm für den CO2-Ausstoß im Jahr 2020 zu erfüllen: Dann darf eine Herstellerflotte im Schnitt nur noch 95 Gramm CO2 pro Kilometer ausstoßen. Dabei wird ein emissionsarmes Modell unter 35 Gramm um das 1,3- bis 1,5-fache höher gewichtet und drückt so den durchschnittlichen Flottenausstoß. Für Hersteller großer Limousinen ist das unentbehrlich. Deutsche Autofirmen entfalten deshalb lebhafte Aktivitäten in Brüssel, um diese „Super-credits“ auf das 2,5 –fache anzuheben. Mit dabei: BMW.

Michael Müller-Görnert vom Verkehrsclub Deutschland (VCD) warnt: „Der Klimaschutz darf nicht durch verzerrte CO2-Flottenbilanzen ausgehöhlt werden.“

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