Frankfurt/Main (ap) - Die europäischen Aktienmärkte haben auf das gescheiterte Rettungspaket der US-Regierung und die dramatischen Kursstürzen an der Wall Street überraschend stabil reagiert. Zwar ging es am Dienstag kurz nach Öffnung der Börsen vielerorts zunächst stark nach unten, später erholten sich die Kurse jedoch deutlich. In Frankfurt lag der Deutsche Aktienindex (DAX) am frühen Nachmittag noch rund 0,6 Prozent im Minus, dagegen legten MDAX und TecDax deutlich zu.
Im Sog des Kursabsturzes in New York verlor der DAX kurz nach der Handelseröffnung rund 2 Prozent und sank auf weniger als 5.700 Punkte. Später ging es jedoch wieder bergauf. Größter Gewinner war am frühen Nachmittag die Hypo Real Estate mit einem Plus von rund 25 Prozent. Allerdings hatten die Wertpapiere des angeschlagenen Münchner Immobilienfinanziers trotz der Rettungsaktion von Bundesregierung und Privatbanken am Vortag auch fast drei Viertel ihres Werts verloren.
Ähnlich entwickelten sich die Kurse in London. Der FTSE 100 fiel im frühen Handel zunächst um 3 Prozent, lag gegen Mittag aber nur noch 0,15 Prozent im Minus.
In Irland ging es sogar steil nach oben. Nach dem höchsten Kursverlust in der Geschichte der Dubliner Börse am Montag kündigte die Regierung eine umfassende Bürgschaft für alle Einlagen bei irischen Banken an. Unmittelbar nach Öffnung der Börse schnellte der Index ISEF rund 25 Prozent in die Höhe, um sich dann später bei einem Plus von etwa 12 Prozent einzupendeln.
Auch die Schweizer Börse überwand nach dem Nein des US-Repräsentantenhauses zum Rettungsplan für die Finanzindustrie einen anfänglichen Kurssturz. Der Blue-Chips-Index SMI fand dank den Indexschwergewichten und den Großbanken wieder ins Plus.
Verluste in Japan, Russland und Australien
Abwärts ging es dagegen in Japan, Russland und Australien. An der Moskauer Micex-Börse fielen die Kurse bis zum Mittag um 6,9 Prozent, obwohl der Handel für zwei Stunden ausgesetzt worden war. Die RTS-Börse gab zunächst um 2,9 Prozent nach.
Der japanische Nikkei-Index verlor mehr als 4 Prozent und schloss mit 11.260 Punkten auf dem niedrigsten Stand seit Juni 2005. In Australien gab es für den S&P/ASX-200 ein Minus von 4,3 Prozent. Dagegen verzeichnete der Hang Seng in Hongkong ein Plus von 0,76 Prozent und auch in Indien ging es an der Börse nach oben.
An der Wall Street hatte nach der Ablehnung des 700-Milliarden-Dollar Rettungsplans im Repräsentantenhaus der Dow-Jones-Index mit dem Rekordverlust von 777,68 Punkten oder 6,98 Prozent geschlossen. Es war - gemessen in Punkten - der stärkste Einbruch in der Geschichte der New Yorker Börse, der sogar noch den Rückgang nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 übertraf. In Prozent gemessen blieb der Rückgang am Montag aber weit hinter dem Einbruch vom "Schwarzen Montag" im Oktober 1987 mit über 20 Prozent zurück. (ap)
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