Jede Medaille hat zwei Seiten, auch die fast eine halbe Billion Euro große Geldspritze der Europäischen Zentralbank. So viel Geld stellte sie gestern den Banken für drei Jahre zu einem Zinssatz von nur ein Prozent zur Verfügung. Die könnten das Geld nun weiterreichen, für den doppelten Zinssatz an den Bund, für ein Mehrfaches an andere Staaten oder Unternehmen. Doch statt Freude über diese Gewinnquelle, herrscht nun Skepsis vor: Wer soviel Geld nachfragt, der muss es nötig haben.
Diese Seite der Geldmedaille rückt heute in den Blickpunkt. Der Geldbedarf liegt freilich nicht nur bei den Banken, sondern auch bei deren Kunden. Staaten müssen fällige Anleihen in neue Schuldscheine tauschen, weil sie nicht tilgen können. Und auch die Kreditnehmer der Banken aus der Unternehmenswelt oder auch der einzelne Hausbesitzer wollen und können nicht tilgen, nur weil die Refinanzierung der Bank erneuert werden muss. Insgesamt werden nächstes Jahr 570 Milliarden Euro an Bankanleihen fällig. Ihre Besitzer wollen das Geld sehen, die Banken müssen zahlen, können das aber nur, wenn sie an frisches Geld kommen. Die EZB liefert es.
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Der ewige Geldkreislauf bleibt
Der ewige Kreislauf des Geldes bleibt also einigermaßen intakt, freilich nur mit Hilfe solcher Notoperationen der EZB. Dass die einmal beendet werden könnten, ist nicht absehbar. Zu schlecht sind die Nachrichten aus der Abteilung Schuldenmanagement: Die Ratingagentur Fitch drängte gestern die Vereinigten Staaten, die Schulden schneller abzubauen. Der hohe und weiter steigende Grad der Verschuldung stehe nicht im Einklang mit dem AAA-Rating, bekräftigte Fitch den negativen Ausblick für die USA.
Die Kollegen der Ratingagentur Standard and Poor's haben die Kreditwürdigkeit Ungarns gestern auf BB+ heruntergesetzt. Das ist in der Umgangssprache der Börsianer „Ramsch“, soll heißen: Wer Ungarnanleihen kauft, investiert nicht, sondern spekuliert.
Gerüchte um Griechenland
Und in Griechenland mehren sich nach Agenturangaben die Anzeichen, Ministerpräsident Lucas Papademos könne die mit den internationalen Geldgebern vereinbarten Reformen nicht rechtzeitig abschließen.
Dass der Euro angesichts der Nachrichtenlage bei 1,30 60 Dollar gut behauptet notiert, ist vermutlich eher Folge einer Dollarschwäche. Und dass trotz eines kaum veränderten Dow Jones und eines um 0,8 Prozent gesunkenen Nikkei-Indexes der Deutsche Aktienindex gut behauptet mit 5.800 Punkten erwartet wird, ist vermutlich eher Zufallskursen bei dünner Auftragslage im vorweihnachtlichen Geschäft zu verdanken.
Denn aus den Unternehmen gibt es für den Gesamtmarkt kaum relevante Nachrichten: Dass die Hornbach-Baumärkte Umsatz und Ertrag gesteigert haben, interessiert vor allem Hornbach. Und dass Airbus 2011 eine Flut von Aufträgen bekommen hat, war bekannt.
Der Markt kann sich heute also weiter der Schuldenkrise widmen.
Nachrichten aus der Wirtschaft, Börsen-Trends, Kurse und Finanz-Themen.
Am 31. Mai diskutiert FR-Redakteur Tobias Schwab mit Fernsehköchin Sarah Wiener und weiteren Gästen das Thema "Wer verdient am Kaffee?"
Die Schuldenkrise hat Europa im Griff: Nachrichten zur Eurokrise, Konjunktur, Eurobonds und Ratingagenturen.