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Börse: VW-Aktie auf der Achterbahn

Seit Hauptaktionär Porsche begonnen hat, VW-Papiere zu verkaufen, bricht deren Kurs ein. Die Finanzaufsicht will die spektakulären Kurssprünge untersuchen.

Der Kauf von Optionen auf VW-Aktien hat den gesamten deutschen Aktienmarkt durcheinandergewirbelt.
Der Kauf von Optionen auf VW-Aktien hat den gesamten deutschen Aktienmarkt durcheinandergewirbelt.
Foto: dpa

Frankfurt a.M. Mit einem Doppelschlag haben Porsche und Deutsche Börse die Spekulationsblase bei der Volkswagen-Aktie zum Platzen gebracht. Der Kurs ging bis zum frühen Mittwochnachmittag um etwa 45 Prozent auf 514 Euro zurück.

Volkswagen-Großaktionär Porsche hatte zuvor Optionen auf VW-Aktien aufgelöst. Die Deutsche Börse stufte in einem bisher nie dagewesenen Schritt die Gewichtung der VW-Aktie außerplanmäßig im Leitindex DAX auf 10 Prozent zurück.

Die Finanzaufsicht leitete eine Untersuchung ein

Die Schritte von Porsche und Deutscher Börse sollen die beispiellose und von Spekulanten ausgelöste Kursentwicklung der VW-Aktie beruhigen. Am Montag war das Papier auf über 1.000 Euro gestiegen, weil offenbar sogenannte Leerverkäufer im großen Stil VW-Aktien nachkaufen mussten.

Die Finanzaufsicht leitete am Mittwoch wegen der Kurssprünge eine Untersuchung ein. Die Behörde prüfe, ob es Anhaltspunkte für Marktmanipulation gebe, sagte eine Sprecherin des Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht.

Der Sportwagenbauer Porsche hat am Mittwochvormittag erste Optionen auf VW-Aktien aufgelöst. Es handele sich um weniger als ein Prozent der VW-Stammaktien, teilte ein Sprecher des Konzerns mit. Er nannte die Menge "einen niedrigen Nachkommabereich". Er lehnte Auskünfte darüber ab, wie viel Porsche mit dem Geschäft verdient hat. Der DAX sank als Folge des Kurseinbruchs der VW-Aktie zum Mittag um 0,3 Prozent auf knapp 4800 Punkte.

Die VW-Aktie hatte am Dienstag 81,73 Prozent auf 945,00 Euro gewonnen. Schon am Vortag war sie um fast 147 Prozent gestiegen. Ausgelöst wurde die Kursexplosion durch misslungene Spekulationen auf sinkende Aktienkurse, sogenannte Leerverkäufe. Händler hatten in den vergangenen Wochen massiv geliehene Aktien verkauft.

Porsche hatte die Verwerfungen am Sonntag mit der Mitteilung selbst ausgelöst, bereits 42,6 Prozent an VW zu besitzen und weitere 31 Prozent durch Optionen zu festgelegten Kursen erwerben zu können. Beobachter vermuteten, dass der Sportwagenbauer von den Kursturbulenzen profitierte.

Porsche halte an dem Ziel fest, bei VW bis auf 75 Prozent aufzustocken, und werde deshalb weiter an der Börse und außerbörslich Aktien zukaufen, betont das Unternehmen.

Deutsche Börse beschränkt das VW-Gewicht im Dax

Nach anhaltender Kritik reagierte auch die Deutsche Börse. Weil die VW-Aktie auf Grund der Spekulationen atemberaubende Kurssprünge vollzog, verzerrte sie den Deutschen Aktienindex (Dax) dramatisch. Er spiegelte nicht mehr die reale Entwicklung der Wirtschaft wider. Nun begrenzen die Frankfurter die Gewichtung des Unternehmens im Dax. Von Montag an wird VW nur mit höchstens zehn Prozent gezählt - allerdings nur, sofern die Aktie diese Schwelle am Freitag zum Handelsschluss überschreitet. Am Dienstagabend hatte der Anteil zum Handelsschluss 27 Prozent betragen.

Der Schritt soll gewährleisten, dass das Börsenbarometer wieder den Wert aller 30 bedeutendsten deutschen Aktiengesellschaften repräsentiert. In der Regel wird die sogenannte Kappungsgrenze von maximal zehn Prozent pro Firma nur alle drei Monate kontrolliert, der massive Kursanstieg der VW-Aktie löste nun aber eine außerordentliche Anpassung aus. Sie erfolgte laut Börse im Rahmen der bestehenden Index-Regeln.

Der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff begrüßte den Schritt. Die Entscheidung sei sachlich begründet, sagte der CDU-Politiker am Mittwoch im ARD-Morgenmagazin. Das Land Niedersachsen ist nach dem Sportwagenbauer Porsche der zweitgrößte VW-Aktionär und hält 20,1 Prozent an dem Unternehmen.

Weil es nur noch wenige VW-Aktien auf dem Markt gebe, kämen sonst einige Fonds in gewaltige Schwierigkeiten. Hintergrund ist offenbar, dass manche Aktienfonds den Wert des Dax genau abbilden und verpflichtet sind, die jeweiligen Anteile eines Unternehmens zu kaufen.

Niedersachen lehnt Verkauf von Aktien ab

Wulff fordert mehr Transparenz bei Aktiengeschäften. "Wir sind der festen Überzeugung, dass es mehr Transparenz geben muss, dass es Register geben muss, wo man einsehen kann, welche Optionen wo vereinbart sind". Zudem regte er eine Überprüfung von sogenannten Leerverkäufen an.

Einen Verkauf seiner Beteiligung lehnt Niedersachsen ab. "In der Sekunde, wo wir beginnen würden, Aktien zu verkaufen, würde der Kurs ins Bodenlose stürzen", erläuterte Wulff. "Wir halten die Beteiligung ja nicht um Gewinne zu machen, sondern aus strategischen Gründen, weil VW von überragender Bedeutung für das Land Niedersachsen ist", fügte er hinzu.

FDP-Vize Rainer Brüderle hatte den VW-Großaktionär Niedersachsen aufgefordert, seine Aktien zu verkaufen: "Das Land Niedersachsen sollte den derzeitigen Höhenflug der Volkswagen-Aktie dazu nutzen, sich jetzt von seinen Anteilen an dem Autobauer zu trennen", sagte Brüderle der Berliner Zeitung. "Für Niedersachsen wäre das viel sinnvoller, als am unsinnigen VW-Gesetz festzuhalten."

Dann könne Volkswagen ein ganz normales Unternehmen werden, sagte der wirtschaftspolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion. Denn auch die neue Fassung des VW-Gesetzes, das dem Land ein Mitspracherecht bei wichtigen Entscheidungen einräumt, enge Volkswagen in seinen Handlungsmöglichkeiten zu sehr ein.

Auch der Index-Anbieter Stoxx rechnet neu

Auch der Index-Anbieter Stoxx entschied am Dienstagabend, den Anteil von Volkswagen in seinen Indizes wie dem Euro Stoxx 50 zu reduzieren. Für die Berechnungen werde von Freitag an unterstellt, dass der frei handelbare Anteil von Volkswagen-Stammaktien nur noch gut 37 statt bisher knapp 50 Prozent betrage.

Obwohl die Indexüberprüfung normalerweise nur quartalsweise erfolge, hätten die Gremien des Unternehmens entschieden, nun eine Ausnahme zu machen. Der Euro Stoxx ist das wichtigste Börsenbarometer in der Eurozone. (bay/rtr/ddp/dpa/ap)

Datum:  29 | 10 | 2008
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