Die globale Finanzmarktkrise nimmt ihren Lauf, die Zahl der Mahner, die vor einem Börsengang der Tochter der Deutschen Bahn Tochter DB Mobility Logistics wenigstens zum jetzigen Zeitpunkt warnen, nimmt weiter zu. Mit Peer Steinbrück hat sich nun erstmals auch ein Mitglied der Bundesregierung mit argen Zweifeln am Börsengang geäußert.
Der Bundesfinanzminister sagte gestern, er sehe die letzte Entscheidung über die Teilprivatisierung der Deutschen Bahn noch nicht gefallen. "Man wird irgendwann überlegen müssen, ob das jetzt der richtige Zeitpunkt ist", sagte er mit Blick auf die Börsenturbulenzen. Der Bundesfinanzminister fügte an, es gebe interessierte strategische Investoren, die von der Finanzkrise nicht so stark betroffen seien. Es werde aber der Zeitpunkt kommen, an dem man abwägen müsse, ob der Börsengang nun komme "oder man einen Plan B zieht", sagte Steinbrück. Wie der aussieht, ließ er erstmal offen. Noch vor einer Woche hatte Steinbrück eine Verschiebung des Börsengangs abgelehnt.
Doch sein Sinneswandel und seine mahnenden Einlassungen scheinen an Bahnchef Hartmut Mehdorn abzutropfen. Mehdorn, ließ ein Konzernsprecher verlauten, plane "keinen Kurswechsel". Es bleibe beim Fahrplan, wonach die B-Aktie am Montag, 27.Oktober, an der Börse in Frankfurt erstmals notiert werden soll. "Bisher gibt es keine negative Zeichen aus dem Markt. Weltweit suchen Investoren gerade sichere Werte. Aber am Ende entscheidet natürlich der Markt", reagierte der Bahn-Sprecher auf Steinbrück.
Am 13.Oktober beginnt die Zeichnungsfrist für Privatanleger, bis dahin wird auch die Finanzmarktaufsichtsbehörde Bafin den Börsenprospekt genehmigt haben, der dann veröffentlicht wird. In diesen Wochen wirbt die Bahn in aller Welt um Großinvestoren. Diese Verhandlungen sollen dann nach dem 13. Oktober auf "Entscheider-Ebene" zu Ende geführt werden. Denn die Investoren, ob russische Staatsbahnen, die angeblich für fünf Prozent der Aktien optieren, oder kuwaitische Scheichs, haben Vorrang vor den Privatanlegern, denen weniger als ein Sechstel der Aktien angeboten werden soll. Statt der einst erhofften acht Milliarden, dürfte das Aktienpaket jetzt nur noch 4,5 Milliarden Euro einbringen.
Wegen des negativ Umfelds sieht auch Aktienhändler Thorsten Peiffer, heißt es bei Reuters, den Zeitpunkt für den Bahn-Börsengang kritisch. "Wenn der Aktienmarkt weiter fällt, dürfte es schwer sein, die Aktie zu einem vernünftigen Preis zu platzieren", sagte er. In solchen Einschätzungen sehen sich die Kritiker bestätigt: Der Grünen-Verkehrsexperte Winfried Hermann verlangt ein unverzügliches Aussetzen des Börsengangs, "alles andere wäre ein unverantwortlicher Notverkauf". Die Organisation Campact - Demokratie in Aktion will den Börsengang mit einer Unterschriftenaktion stoppen, der VCD fordert von der Bundesregierung, "die Notbremse zu ziehen", andernfalls gefährde sie "die Zukunft des umweltverträglichen Schienenverkehrs". Und Attac zieht am heutigen Dienstag vor das Verkehrsministerium. Die Forderung: "Das Casino schließen, die Bahn nicht verzocken."
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