Die Deutsche Bahn hält unbeirrt am Börsengang fest. Am Freitag bestätigte sie offiziell, dass die 250 Millionen Aktien am 27. Oktober erstmals gehandelt werden sollen. Zwei Wochen zuvor beginnt das Bahn-Management mit seiner Werbetour bei institutionellen Investoren, die das Gros der Anteile kaufen sollen.
Doch je näher der Termin rückt, desto lauter werden die Mahner, und zwar auch in den Reihen der Regierungsparteien: Wegen der Finanzkrise drohe die Bahn unter Wert verscherbelt zu werden. Nur Bahnchef Hartmut Mehdorn gibt sich unbeirrt: Er gehe zuversichtlich in die heiße Phase des Börsengangs.
"Ich fordere Bundesregierung und Bahnvorstand auf, in der jetzigen Krise an den Finanzmärkten den Börsengang zu verschieben", sagte SPD-Vorstand Hermann Scheer der Frankfurter Rundschau. Durch die schwierige Lage an den Finanzmärkten drohe ein "Verkauf unter Wert".
Doch nicht nur die Dauer-Kritiker des Börsengangs melden sich zu Wort. Uwe Beckmeyer, verkehrspolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, ahnt, dass die Wähler kritische Fragen stellen werden, wenn der Erlös aus dem Börsengang unter den Erwartungen liegen sollte. Und Steffen Kampeter, Haushaltsexperte der Unionsfraktion sagte: "Wir wollen den Börsengang in diesem Jahr, wir dürfen die Bahn aber nicht verscherbeln."
Doch genau danach sieht es aus. Von den bis zu acht Milliarden Euro, auf die Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) den Verkaufserlös von 24,9 Prozent an der neuen Verkehrstochter DB Mobility Logistics (darin ist das Geschäft mit dem Fern-, Regional- und Güterverkehr gebündelt) im April schätzte, bleiben nach jüngsten Kalkulationen nur noch vier bis 4,5 Milliarden übrig. Denn der übliche Preisabschlag für Großinvestoren könnte wegen des Finanzmarktdebakels höher ausfallen als sonst. Insider rechnen mit bis zu 20 Prozent.
So drängt denn auch die Opposition darauf, den Zeitplan zu korrigieren. "Es ist jetzt in jeder Hinsicht der falsche Zeitpunkt für den Börsengang", sagte der FDP-Verkehrsexperte Horst Friedrich. "Ein Verkauf zum falschen Zeitpunkt würde den Steuerzahler Milliarden kosten", warnte er.
Staatsfonds interessiert
Auch der grüne Verkehrsexperte Winfried Hermann rief die Bundesregierung auf, "die Verschleuderung von Volksvermögen" zu stoppen. Wegen der Turbulenzen an den Aktienmärkten ergebe sich ein "krasses Missverhältnis" zwischen den Werten, von denen sich der Staat trenne, und den Erlösen.
Weniger als ein Sechstel der zum Verkauf stehenden Aktien soll an Privatanleger gehen. Der Rest ist für große Investoren reserviert: Die Russische Staatsbahn optiert bereits für ein Fünftel der Aktien und wäre damit mit fünf Prozent beteiligt. Auch Ölscheichs und ein Staatsfonds aus China gelten als mögliche Interessenten. Nur die französischen Staatsbahnen winken ab: Man sei mit der bisherigen Kooperation zufrieden.
Bahn und Bundesregierung lehnen eine Änderung des Börsen-Fahrplans ab. Zwar hatte Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) am Vortag die gewaltige Dimension der Finanzkrise beschworen. Am Freitag erklärten jedoch sein Sprecher sowie ein Kanzleramtssprecher, es gebe keinen Grund, vom Zeitplan für den Börsengang abzuweichen.
Ein Drittel des Erlöses, also gerade noch 1,4 Milliarden Euro, sollen dem Unternehmen zufließen, zwei Drittel dem Bund. Davon ist eine Hälfte (also ein Drittel des Gesamtbetrages) für den Etat des Finanzministers reserviert, die andere für Investitionen in die Schieneninfrastruktur.
Nachrichten aus der Wirtschaft, Börsen-Trends, Kurse und Finanz-Themen.