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23. Januar 2013

Bosch: Bosch erlebt Solar-Desaster

 Von Frank-Thomas Wenzel
Eine Mitarbeiterin der Bosch Solar Energy AG präsentiert eine Solarzelle. Foto: dpa

Das Abenteuer Solar mit seinen Chancen wird für Bosch immer mehr zum Trauerspiel. In Zeiten ohnehin unsicherer Märkte hat der größte Autozulieferer der Welt mit seiner jungen Sonnensparte ein Sorgenkind im Haus, das Unsummen vernichtet.

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Das Abenteuer Solar mit seinen Chancen wird für Bosch immer mehr zum Trauerspiel. In Zeiten ohnehin unsicherer Märkte hat der größte Autozulieferer der Welt mit seiner jungen Sonnensparte ein Sorgenkind im Haus, das Unsummen vernichtet.

Weltmarktführer

Bosch bezeichnet sich selbst als Technologie- und Dienstleistungsunternehmen. Der Stuttgarter Konzern mit einem Umsatz von 52,3 Milliarden Euro ist aber vor allem als weltgrößter Automobilzulieferer bekannt. Die Sparte Kraftfahrzeugtechnik steht für gut 60 Prozent des Umsatzes. Der Konzern ist auch in der Verpackungs-, Antriebs- und Steuerungstechnik aktiv.

Bei Elektrowerkzeugen gilt Bosch als Weltmarktführer. Hinzu kommen Hausgeräte – vor allem Waschmaschinen, Kühlschränke und Geschirrspülmaschinen. Die Sparte Energie- und Gebäudetechnik wurde in den vergangenen Jahren stark ausgebaut. Die Bosch-Gruppe mit ihren 350 Tochterfirmen gehört der gemeinnützigen Robert-Bosch-Stiftung und der Familie Bosch.




Jetzt soll eisernes Sparen helfen. Der Bosch-Konzern hat im vergangenen Jahr mit seiner Solarsparte ein riesiges Debakel erlebt. Die Geschäft mit dem Sonnenstrom bescherte dem Stuttgarter Konzern einen Verlust von mehr als einer Milliarde Euro. Das war der maßgebliche Grund dafür, dass beim betrieblichen Gewinn nur noch eine Milliarde Euro übrig blieb – im Vorjahr waren es noch 2,7 Milliarden gewesen.

Für Bosch-Chef Volkmar Denner soll 2013 ein hartes Jahr der „Kostenarbeit“ werden. Alle Standorte werden dazu verdonnert, Vorschläge zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit zu machen. Beschäftigte müssen sich auf die Reduzierung von Arbeitszeit und Einkommen gefasst machen – Kurzarbeit will das Management in Deutschland allerdings nicht anmelden. Auch Entlassungen sind kein Thema.

Weltweit soll die Belegschaft – derzeit rund 305000 Frauen und Männer – bestenfalls in geringem Umfang aufgestockt werden. Denner ist generell damit unzufrieden, wie es im Konzern läuft: „Die Reaktionszeiten sind viel zu lang.“

Das gilt in einem besonderen Maß für das Solargeschäft. Bosch hat hier operativ einen Verlust von 450 Millionen Euro eingefahren. Hinzu kommen Abschreibungen auf Firmenwerte von etwa 600 Millionen, die damit in den Büchern auf nahe null gesetzt werden.

Bosch hat die Chinesen unterschätzt

Das Solargeschäft war einst der große Hoffnungsträger des Konzerns. Vor allem damit wollte sich der Konzern vom Auf und Ab in der Autobranche unabhängiger machen – Bosch ist der weltgrößte Zulieferer der Kraftfahrzeugindustrie. Mit der Übernahme der Mehrheit bei der Thüringer Ersol starteten die Schwaben 2008 ihr Sonnenstrom-Abenteuer. Es folgten eine Reihe von weiteren Transaktionen. Bosch setzte auf Produktion in Deutschland. Nach Ansicht von Branchenkennern haben die Manager zu spät erkannt, dass in China – vom Staat massiv unterstützt – riesige Kapazitäten in den vergangenen Jahren aufgebaut wurden. Bosch ist inzwischen nur noch einer der kleineren Anbieter, zählt nicht einmal mehr zu den 20 größten der Welt.

Zugleich wurden in wichtigen Märkten in Europa staatliche Förderprogramme für Sonnenstrom entweder stark zurückgefahren oder komplett eingestellt. In Deutschland fielen die Kürzungen noch relativ moderat aus. Die Konsequenz war aber, dass die Nachfrage stark zurückging.

All Möglichkeiten ausloten

Es entstand ein riesiges Überangebot an Solarmodulen. Insider gehen davon aus, dass die Produktionskapazitäten noch immer doppelt so hoch liegen wie die Nachfrage. Aus diesem Grund brachen voriges Jahr die Modul-preise um 30 bis 40 Prozent ein. Zugleich gilt als Daumenregel, dass die Kosten in der Fertigung in Europa pro Jahr lediglich um etwa zehn Prozent gesenkt werden können – dies dürfte in etwa auch für Bosch gelten.

Erkan Aycicek, Analyst bei der LBBW, geht davon aus, dass in diesem Jahr die Modulpreise weiter sinken. „Allerdings nicht mehr so stark wie in der Vergangenheit.“ Gleichwohl stehe die Solarsparte von Bosch vor einem sehr schweren Jahr. „Obwohl wir eine Ergebnisverbesserung im laufenden Jahr unterstellen, rechnen wir weiterhin mit Verlusten.“

Das Management will nun alle „denkbaren Möglichkeiten“ für eine Neuausrichtung der Photovoltaik ausloten. Auch der komplette Ausstieg gilt als eine Option. Zudem dürfte Denner die Chancen und Risiken von Kooperationen mit asiatischen Anbietern prüfen lassen. Experten halten es für denkbar, dass Forschung und Entwicklung in Deutschland konzentriert werden, die Produktion aber nach Asien verlagert wird.

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