Über Probleme mit nicht einwandfrei funktionierenden Bremsen beim neuen Modell des Hybrid-Fahrzeugs Prius klagen auch Toyota-Kunden in Deutschland. Dies bestätigte Toyota der Frankfurter Rundschau. Noch vor dem offiziellen Rückruf des Kraftfahrt Bundesamtes berichten Fahrer hierzulande zudem über nicht funktionstüchtige Gaspedale.
Nach Angaben von Toyota Deutschland hätten einige Kunden Schwierigkeiten gemeldet. Es handele sich aber um "Einzelfälle", die das Unternehmen gleichwohl "sehr ernst" nehme und denen umgehend nachgegangen werde. Sollte der Händler nicht helfen können, schicke Toyota einen eigenen Techniker.
Um wie viele Fälle es sich hierzulande bislang konkret handelt, vermochte Toyota Deutschland gestern nicht zu sagen. Der neue Prius kam im vorigen Mai auf den Markt. Verkaufsstart in Deutschland war im Juni. Bis Ende 2009 wurden etwa 3500 Fahrzeuge des Typs verkauft.
Wegen der Bremsproblematik beim neuen Prius wächst der Druck auf Toyota, die zweite große Rückrufaktion in diesem Jahr zu starten, um das Kontrollprogramm für das ABS-System zu ändern. In den neu gebauten Fahrzeugen soll die Software seit Ende Januar bereits geändert worden sein. Von möglichen Problemen ist angeblich fast der gesamte bisherige weltweite Absatz betroffen. Bislang wurden 311000 Fahrzeuge rund um den Globus verkauft. Um die 300.000 sollen wegen möglicher Defekte demnächst in die Werkstatt zurückbeordert werden, verdichten sich die Hinweise.
Die Konzernführung von Toyota war gestern in Japan nach dem Rückruf von weltweit rund acht Millionen Fahrzeugen wegen klemmender Gaspedale und der Bremsprobleme beim Prius um Schadenbegrenzung bemüht, wirkte aber eher hilflos. Toyota-Präsident Akio Toyoda wagte sich nach längerem Abtauchen endlich aus der Deckung und entschuldigte sich in Tokio zwar bei den weltweiten Kunden. Eine Entscheidung über einen zweiten Rückruf oder wie der Autobauer mit den Bremsproblemen umgehen werde, fällte er aber nicht.
"Ich habe angewiesen, so schnell wie möglich Maßnahmen auszuarbeiten", sagte Toyoda lediglich und erklärte die Beseitigung der Qualitätsprobleme zur Chefsache. Zugleich appellierte er an das Vertrauen der Kunden: "Glauben Sie mir! Die Autos von Toyota sind sicher." Sein Unternehmen stecke in einer Krise, räumte der Enkel des Firmengründers ein. Sein Unternehmen werde umfassend mit den Behörden kooperieren.
Qualitäts-Task-Force geplant
Toyota will seine Produktion künftig schärferen Qualitätsstandards unterwerfen. Dazu soll eine Taskforce gebildet werden, zu der auch externe Gutachter zählen sollen. Eigentlich ein Armutszeugnis, da gerade Toyota selbst Kundenorientierung und Qualität zur Firmenphilosophie (Kaizen) erhoben hatte und bisher deshalb in der Branche als Vorbild galt.
Als Toyoda Ende vorigen Juni zum Präsidenten des Autobauers gekürt wurde, hatte er diese Ziele noch einmal beschworen. Das Unternehmen wies am Freitag Vorwürfe zurück, schon 2007 von den Problemen mit klemmenden Gaspedalen gewusst und nichts unternommen zu haben.
Zwar habe ein Testfahrer im August 2007 beim Modell Auris vom Gefühl eines klemmenden Gaspedals berichtet, sagte der Sprecher von Toyota Motor Europe. Daraufhin habe Toyota umfangreiche Tests in Europa und Japan vorgenommen, bei denen das Problem aber nicht aufgetreten sei. "Es gab für uns überhaupt keinen Grund, von einem klemmenden Pedal zu sprechen", sagte ein Sprecher.
In einer für Japan ungewöhnlich offenen Kritik warf der japanische Transportminister Seiji Maehara gestern dem Autobauer im Zusammenhang mit der Prius-Problematik Mangel an Kundenorientierung vor. (mit dpa/rtr)
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